Um 12 Uhr Ortszeit geht es los: Bundestrainer Julian Nagelsmann und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft starten in die WM. Der Auftakt steigt in Texas gegen den Turnierdebütanten Curacao. Und die sind „gefährlich“, genauso wie die Expertenlandschaft in Deutschland.
Worum geht’s?
Ab jetzt zählt es. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft kehrt 1292 Tage nach dem Katar-Debakel und dem bedeutungslosen 4:2-Sieg gegen Costa Rica wieder auf die WM-Bühne zurück (19 Uhr/Magenta, ARD und im ntv.de-Liveticker). Damit endet in der Raumfahrerstadt Houston endlich die Zeit, in der es um irgendwelche theoretischen Debatten ging. Die Reise in den WM-Kosmos geht los, ab jetzt wird es wieder praktisch.
Beim DFB-Team ist in den vergangenen dreieinhalb Jahren viel passiert. Mit Hansi Flick wurde erstmals in der langen Verbandsgeschichte ein Bundestrainer entlassen. Interimsweise übernahm Rudi Völler, seit November 2023 hält Julian Nagelsmann die Zügel in der Hand. Man konnte dabei zusehen, wie aus einem ambitionierten Vereinstrainer immer mehr ein Bundestrainer wurde, der nun vor seiner großen WM-Prüfung steht.
Neuer und Baumann geben entspanntes Doppel-Interview
Und auch seit der Heim-Europameisterschaft 2024 hat sich nochmal einiges verändert: Toni Kroos, Thomas Müller und İlkay Gündoğan haben sich final aus der Nationalelf verabschiedet. Bis auf Manuel Neuer ist kein Rio-Weltmeister mehr dabei. Auch damit wird nach dem Turnier eine Ära deutscher Fußballgeschichte nun wirklich enden.
Nagelsmann hat während seiner Amtszeit eine neue Mannschaft geformt. Und auch, wenn es ihm Uli Hoeneß vor dem Turnier vorwarf, das vergessen zu haben, hat der Bundestrainer neue Führungskräfte etabliert: Florian Wirtz, Jamal Musiala, Kai Havertz, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck und natürlich DFB-Kapitän Joshua Kimmich. Die Doppelsechs bilden aller Voraussicht nach mit Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha, die noch kein Turnier gespielt haben.
Was sagt der Bundestrainer?
Der musste auf der Pressekonferenz vor dem Spiel über viele Dinge sprechen, aber nicht Curacao. Irgendwann kam Bundestrainer Nagelsmann dann doch dazu, seine Gedanken über den kommenden Gegner loszuwerden. Die DFB-Elf steht vor einer „gefährliche Situation“. Denn die erste Runde des DFB-Pokals lässt grüßen, sagte Nagelsmann. Da komme es ebenfalls ständig zu „David gegen Goliath“-Situationen. Nagelsmann weiß, wovon er spricht: 27. Oktober 2021. Da ist er mit seinem FC Bayern in der (immerhin) zweiten Runde rausgeflogen – mit 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach.
DFB-Elf brennt auf den WM-Start

Ansonsten trat der Bundestrainer tatsächlich gut gelaunt, aber fokussiert auf. Er will nicht darüber sprechen, was ein Turniererfolg ausmacht. Sondern er als Bundestrainer beschäftige sich immer nur mit dem nächsten Thema – und das ist eben Curacao. Dafür hätten sie zur Vorbereitung viele Videos gesehen. Und die haben ergeben: Der Karibikstaat sei mit seiner „Unbeschwertheit“ immer gefährlich. Seine eigene Mannschaft sieht Nagelsmann bereit und vorbereitet. Das Trainerteam habe zwei Aufgaben: der DFB-Elf eine klare Idee mitgeben und die richtigen Charaktere dafür auswählen. Bei beidem sieht er die Nagelsmannschaft auf dem richtigen Weg.
Und über die Magenta-Experten musste er auch sprechen. Jürgen Klopp scherzte in der TV-Übertragung, dass Nagelsmann „noch, noch“ das DFB-Team aufstellt. Brisant, weil Kloppo immer wieder als „Schattenbundestrainer“ gehandelt wird. Nagelsmann nahm das entspannt auf. „Ich denke, es ist nicht der richtige Weg für mich, über dieses Thema zu reden. Ich habe meine Meinung, aber die werde ich euch nicht erzählen“, sagte der „noch, noch“ Bundestrainer.
Wie war’s die Woche im DFB-Quartier?
Tja, die Laune ist prächtig. Zumindest betonen die Protagonisten das zu jeder Möglichkeit. Tatsächlich scheint die schwüle Dauerhitze (bis zu 40 Grad in der Sonne) von North Carolina die DFB-Stars zusammengeschweißt haben. In dieser Woche vertrieben sie sich ihre Zeit (mal abgesehen vom täglichen Training) im Pool ihres Nobelanwesens „The Graylyn Estate“ und im klimatisierten Discounter am Stadtrand.
In Winston-Salem, so sagt man es in der Stadt, werden Dinge nicht abgerissen, sondern aufgebaut. Unter diesem Motto wurde nicht nur am Gruppenzusammenhalt gearbeitet. Das DFB-Abwehrduo Schlotterbeck und Tah berichtete, dass man unter der Woche an vielen Details nachgeschärft habe. Das DFB-Team habe einen „Schritt nach vorne“ gemacht und „viel erreichen können“.
Am Rande der Trainingseinheiten konnte man auch Standardtrainer Mads Buttgereit beobachten, wie er schon fleißig Blech-Gegner-Dummys in den Rasen drückte. Ecken, Freistöße, Elfmeter: Seine Arbeit könnte besonders wichtig werden. Man konnte auch den Bundestrainer im fast 20 Minuten langen Zwiegespräch mit Kapitän Kimmich sehen. Über was geredet wurde, ist unklar. Es wurde mutmaßlich aber nicht über das Wetter gesprochen.
Wer ist noch mal Curacao?
Das ist eine gute Frage. Schlotterbeck, Undav und Pavlovic gaben unter der Woche tatsächlich sympathisch ehrlich zu, dass sie nichts über den Inselstaat wissen. Fußballerisch ist das noch einmal eine Ecke schwieriger. Die meisten der Curaçaoënaars (so nennt man sie laut KI) spielen in Europa, stammen hauptsächlich aus den Niederlanden, nur einer ist auch wirklich in der Karibik geboren. Nagelsmann zufolge tauchten auch 90 Prozent des Kaders auch in den niederländischen U-Mannschaften auf. Und die Ausbildung sei schließlich sehr gut. Den Ex-Bremer Tahith Chong könnte man kennen, er spielt mittlerweile bei Manchester United.
Nagelsmann zirkelt Freistoß traumhaft in den Winkel

Was macht die Wade von Neuer?
Sie hält, offenbar. Neuer stieg erst in Winston-Salem ins Teamtraining ein, zuvor beschäftigte sich der ehemalige Welttorwart mit seinem Chicago-„Urlaub“ und der sogenannten Belastungssteuerung. Der 40-Jährige flog wieder, fing Bälle und schoss sie sogar. Wenn alles glattgeht, steht am Sonntagmittag das Comeback des ehemaligen Weltmeisters an. Das bestätigte nun auch mal der Bundestrainer.
Wird das DFB-Team wirklich Weltmeister?
Wenn sich Bundestrainer Nagelsmann an seinen Plan hält, dann: Ja. Immerhin sagt das der magische Kanarienvogel Piro Piro in Mexiko, den Kollege Stephan Uersfeld getroffen hat. Ehrlich gesagt: Alle anderen Prognosen sind momentan noch ähnlich seriös. Wenn das DFB-Team ins Rollen kommt, ist alles möglich. Ein Sieg gegen Curacao wäre ein guter Anfang.
Verwendete Quelle: ntv.de
