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Startseite»Nachrichten»Autokratischer als Katar?: Angst vor Trump: Das Schweigen der Männer 
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Autokratischer als Katar?: Angst vor Trump: Das Schweigen der Männer 

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 14, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Bei der WM in Katar hagelt es Kritik für das Emirat und die FIFA, diesmal herrscht politisches Schweigen im Fußball-Tross. Geht die Angst vor Donald Trump und seinen Attacken um? Experten warnen, der DFB will ein Desaster vermeiden.

Die deutsche Nationalelf bringt sich in Pose. In zwei Reihen aufgestellt gibt es das obligatorische Mannschaftsfoto vor dem Spiel – und plötzlich halten sich die Spieler den Mund zu. Mit dieser Mund-zu-Geste will das DFB-Team bei der WM in Katar zeigen, dass das Emirat Menschenrechte verletzt und bei der WM Signale wie die Regenbogenbinde verboten sind.

Die Szene geht um die Welt. Bei vielen kommt sie nicht gut an, wirkt wie der belehrende Fingerzeig des Westens. Kurz darauf fliegt die DFB-Elf aus dem Turnier, in Katar machen sich im Anschluss etliche Fans über die Geste lustig. Auch im deutschen Team werden die Äußerungen und Gesten zu politischen Themen im Nachgang sehr kritisch kommentiert. Ex-DFB-Trainer Jürgen Klinsmann sagt jüngst in der ARD-Doku „Spielfeld der Macht“, das Mund-zu-Foto sei „erzwungen“ und schlichtweg „katastrophal“ gewesen.

Nun findet die nächste WM statt, diesmal in westlichen Ländern. In Demokratien. Und dennoch erscheint eine solche Geste – ob man sie nun gut oder schlecht findet – bei dem XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko undenkbar. Kritik an Donald Trumps gefährlicher und teils diskriminierender und menschenverachtender Politik oder an der Gewalt von Drogenkartellen in Mexiko? Fehlanzeige.

DFB-Elf hält sich politisch zurück

Es herrscht die große Stille unter den Fußballstars, Trainern und Offiziellen. Das Schweigen der Männer. Boykott-Debatten, die vor der WM in Katar die Runde machten, wollten diesmal ebenfalls nicht wirklich aufkeimen.

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Joshua Kimmich erklärt vor der WM, er habe gewisse Werte, aber zur aktuellen politischen Situation will er sich nicht äußern. Julian Nagelsmann meint: „Als Bundestrainer ist es nicht meine Rolle, zu bewerten, was auf weltpolitischer Ebene passiert.“ Und Rudi Völler macht den Schäfer – bloß nichts an seine Spieler-Herde heranlassen – doch antwortet auf politische Fragen, ohne in Details zu gehen.

Einerseits hat die DFB-Elf aus dem PR-Desaster samt sportlichem Debakel von Katar gelernt. Andererseits ist diese WM schlichtweg noch spezieller als die vor dreieinhalb Jahren. Und das liegt allein am Mann im Weißen Haus. Die Angst vor Trumps Repressalien und vor gesellschaftlicher Kritik aufgrund einer Positionierung ist groß. Bei der DFB-Elf ebenfalls. Auch, weil der Druck enorm groß ist und nicht schon wieder eine WM in den Sand gesetzt werden darf.

Angst vor Donald Trump?

Zwar liegen die Vereinigten Staaten auf der Skala des Autoritarismus nicht auf dem Niveau von Katar oder Russland. Aber Donald Trump greift, was dieses Turnier betrifft, noch autoritärer durch als seine Vorgänger. Spieler und Funktionäre müssen reale Konsequenzen – etwa einen Visumsentzug oder vom Präsidenten öffentlich an den Pranger gestellt zu werden –  fürchten, sollten sie die US-Regierung kritisieren. Aus Kreisen von Menschenrechtsorganisationen heißt es, dass möglicherweise auch nationale Regierungen Druck auf ihre Fußball-Verbände ausüben, ja nicht anzuecken, um Repressalien auf politischem Level zu vermeiden.

Die Ängste sind durchaus berechtigt. Trumps Taktik der persönlichen Angriffe auf und juristisches Vorgehen gegen mutmaßliche Gegner hat in seiner zweiten Amtszeit neue Ausmaße angenommen. Das zeigt er mit Attacken gegen die Presse, Universitäten oder demokratische regierte Städte.

„Vor vier Jahren herrschte in Katar noch kein Klima, in dem Sportler, die während der Weltmeisterschaft eine Stellungnahme abgaben, des Landes verwiesen oder vom Präsidenten dieses Landes öffentlich angegriffen worden wären“, sagt der ehemalige Kapitän der australischen Nationalmannschaft Craig Foster Anfang Juni bei einer Medienrunde von der Sport and Rights Alliance: „Das ist heute zweifellos der Fall.“

Selbst Trumps unmittelbare WM-Vorgänger haben nicht Schiedsrichter abgewiesen – Somalias Referee Omar Artan wurde trotz eines gültigen Reisevisums elf Stunden festgehalten und schließlich an der Grenze zurückgeschickt, Fans verschiedener Nationen, darunter die mehrerer WM-Teilnehmer, nicht ins Land gelassen und ganzen Mannschaften offen mit staatlicher Unterdrückung bedroht. „Alles, was nicht mit Trumps Vorstellung davon übereinstimmt, was in der Welt richtig ist, bringt einen in Gefahr“, sagt Foster.

Spieler und Fans verzweifeln

Für die Trump-Regierung haben seine politische Agenda und die nationale Sicherheit der USA immer oberste Priorität. Die WM ist ein nettes Extra, das der Präsident auszunutzen weiß. Sie ist aber nicht das ultimative Projekt zur Definition der Nation wie in Katar und deshalb greift der US-Präsident härter durch.

Obwohl Trump zuvor erklärt hatte, dass „Fans aus aller Welt willkommen sein werden“, ist dies die erste Weltmeisterschaft, bei der sich das Gastgeberland im Krieg mit einer teilnehmenden Nation befindet. Der iranischen Nationalmannschaft wurden Visa nur unter ausdrücklicher Warnung von US-Beamten ausgestellt, dass sie „dieses System nicht missbrauchen, um Terroristen unter falschen Vorwänden in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln“, während einigen Mitarbeitern die Einreise verweigert wurde. Zusätzliche Schikanen: Die Mannschaft muss zudem am selben Tag, an dem ihre Spiele stattfinden, das US-Territorium wieder verlassen. Der Fußballverband der Islamischen Republik Iran teilte außerdem mit, dass seine Ticketkontingente widerrufen wurden.

Die USA behalten natürlich auch als WM-Gastgeber die Kontrolle über ihre Grenzen. Dennoch hätte die Trump-Regierung einen Ansatz wie den Vereinten Nationen wählen können, wo Diplomaten aus feindlichen Ländern erscheinen dürfen, auch wenn ihre Bewegungsfreiheit innerhalb der Vereinigten Staaten eingeschränkt ist.

Tat sie aber nicht. Die Entscheidung, wer willkommen ist und wer nicht, scheint von der Laune der Trump-Regierung abzuhängen. Weitere Beispiele, die womöglich abschrecken sollen: Dem Schweizer Stürmer Breel Embolo und dem marokkanischen Verteidiger Zakaria El Ouahdi wurden zunächst die US-Visa verweigert und Dutzende marokkanische Fans und Fanklubs berichten von Visumproblemen, unerwarteten Ablehnungen und widerrufenen Reisegenehmigungen. Ebenso Fans aus Schottland.

„Die MAGA-FIFA-Weltmeisterschaft“

Unterdessen wurde der irakische Stürmer Aymen Hussein bei seiner Ankunft in Chicago sieben Stunden lang befragt, und dem Fotografen der irakischen Mannschaft wurde die Einreise aufgrund von „Sicherheitsbedenken“ verweigert. Darüber hinaus mussten sowohl die senegalesische als auch die usbekische Mannschaft bei ihrer Ankunft in den USA ungewöhnlich strenge Sicherheitskontrollen durchlaufen.

Schon Monate vor Beginn des Turniers hatten internationale Menschenrechtsgruppen und US-amerikanische zivilgesellschaftliche Organisationen Alarm geschlagen und vor dem bevorstehenden Menschenrechtsalptraum in den USA gewarnt. Dabei wiesen sie vor allem auf die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hin, die in den USA laut Amnesty International „Angst und Schrecken“ verbreite und die bei den WM-Spielen vor Ort ist. Festnahmen und Abschiebungen sind durchaus realistisch, wie Beispiele aus der Klub-WM im vergangenen Jahr zeigen.

Der US-Präsident hat das Turnier mit stillschweigender Zustimmung der FIFA bereits scherzhaft in „MAGA-FIFA-Weltmeisterschaft“ umbenannt, wie Autokraten das so machen. Die offizielle FIFA-Fanzone in Washington, D.C., wird beispielsweise von Freedom 250 mitorganisiert, einem Projekt der Trump-Regierung zur Feier des 250-jährigen Bestehens der Nation.

UN spricht, Fußball schweigt

Sollte nun Joshua Kimmich gegen die Trump-Dominanz aufstehen und auf die Gefahren hinweisen? Nicht mal seitens der FIFA, die Trump aus der Hand frisst, gibt es Zusicherungen, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung der Fans und Turnierteilnehmer gewahrt wird.

Ein Offizieller spricht sich vergangene Woche dann doch aus, fordert ein „grundlegendes Umdenken“ bei der Durchsetzung von Einwanderungsvorschriften und ein Überdenken der „politischen Ansätze“ im Zusammenhang mit der WM. Doch es ist Volker Türk, der UN-Hochkommissar für Menschenrechte. Mit Fußball hat er nichts am Hut. Dort wird weiter geschwiegen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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