Aktuell wird in sozialen Medien ein Video geteilt, das ein Filmteam vor brennenden Trümmern zeigt. Dazu wird behauptet, die Ukraine drehe „Fake Szenen für Europa“.
Das stimmt so nicht. Die Aufnahmen stammen von Dreharbeiten zum ukrainischen Spielfilm „Region of Heroes“. Sie zeigen keine heimliche Inszenierung eines Angriffs für Nachrichtenmedien.
Video zeigt ein Filmset
Der zentrale Fehler liegt im Kontext. In verbreiteten Social-Media-Posts wird aus einer offen erkennbaren Filmproduktion der angebliche Beweis für gefälschte Kriegsbilder gemacht.
Das Originalvideo stammt vom TikTok-Kanal „yarikfors“ und wurde bereits am 8. August 2022 veröffentlicht.
@yarikfors ♬ оригинальный звук – Ярослав Зарудний
Das Profil gehört Yaroslav Forsik, der laut AP als Casting-Assistent für den ukrainischen Spielfilm „Region of Heroes“ arbeitete. Forsik bestätigte gegenüber AP-Faktenprüfern, dass er das Video am Filmset aufgenommen habe. Die Szene ist demnach auch im Trailer des Films zu sehen. Damit ist der Ursprung der Aufnahme nicht verborgen, sondern Teil einer Filmproduktion.
Hostomel war realer Drehort
Im TikTok-Video ist als Ortsangabe Hostomel zu lesen. Hostomel liegt nordwestlich von Kiew und war in den ersten Wochen der russischen Invasion schwer umkämpft.
Die Dreharbeiten zu „Region of Heroes“ begannen laut Projektangaben Ende Juli 2022 in der Region Kiew. Fotos der Produktionsfirma zeigen ebenfalls Dreharbeiten in Hostomel. Auch Bildmaterial von Shutterstock aus Hostomel zeigt demnach dasselbe zerstörte Gebäude und dieselbe Umgebung.
Der wichtige Unterschied: Reale Kriegsschäden können als Kulisse für einen Spielfilm genutzt werden. Daraus folgt nicht, dass echte Nachrichtenbilder gefälscht wurden.
Die Behauptung verdreht den Kontext
Bei der Verbreitung des Videos wird mit einer typischen Desinformationsmethode gearbeitet: Ein echter Ausschnitt wird aus seinem Zusammenhang gelöst und mit einer neuen Deutung versehen.
Die sichtbare Kamera, das Filmteam und die Szene am Set werden nicht als Hinweis auf eine Produktion erklärt, sondern als angeblicher Beweis für Täuschung. Genau dadurch wirkt das Video für viele glaubwürdig: Es zeigt tatsächlich Dreharbeiten. Nur die Schlussfolgerung daraus ist falsch, denn die naheliegendste Begründung wird von vornherein ausgeblendet.
Für die Behauptung, der Clip sei als echte Live-Aufnahme eines Angriffs ausgegeben worden, gibt es keinen belastbaren Nachweis. Ebenso fehlt ein Beleg dafür, dass Nachrichtenmedien diese Szene als dokumentarisches Kriegsmaterial verwendet hätten.
Der Film rekonstruiert Kriegserlebnisse
„Region of Heroes“ ist nach den vorliegenden Informationen ein Spielfilm über Menschen in der Region Kiew während der russischen Besatzung. Laut Berichten wurde er als Rekonstruktion realer Ereignisse beschrieben.

Rekonstruktionen sind im Film und in Dokumentarformaten nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist, ob sie offen als solche gekennzeichnet werden oder ob sie als echte Nachrichtenaufnahme ausgegeben werden. In diesem Fall zeigen die vorliegenden Spuren auf ein Filmset, nicht auf eine verdeckte Medieninszenierung.
Nutzer sollten bei solchen Videos prüfen, wo der Clip zuerst veröffentlicht wurde, ob Beschriftungen im Original sichtbar sind und ob eine spätere Version den Kontext verändert hat.
FAQ zum Thema Ukraine-Video und Filmset
Zeigt das Video Fake-Szenen aus der Ukraine?
Nein. Das Video zeigt Dreharbeiten zu einem Spielfilm. Es beweist nicht, dass Kriegsaufnahmen für Nachrichten inszeniert wurden.
Wo wurde das Video aufgenommen?
Das Video wird mit Hostomel in der Region Kiew in Verbindung gebracht. Dort fanden nach Beginn der russischen Invasion schwere Kämpfe statt.
Was ist „Region of Heroes“?
„Region of Heroes“ ist ein ukrainischer Spielfilm über Menschen und Widerstand während der Besetzung in der Region Kiew. Die verbreitete Szene stammt aus dem Umfeld dieser Produktion.
dpa-Factchecking
12. Juni 2026
Associated Press
13. August 2022
TikTok | @yarikfors
8. August 2022
YouTube | IdeaFilms
24. Mai 2023
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