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Influencer bestimmen News-Szene: Warum klassische Medien die Finger von MMA lassen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Influencer bestimmen News-Szene

Warum klassische Medien die Finger von MMA lassen

17.06.2026 | 18:56 Uhr

Reichweite generieren und ein junges Publikum über Social Media abholen – das könnten Zeitungen und TV-Sender mittels MMA eigentlich. Sie tun es aber nicht. Content Creator haben ihnen im boomenden Sport den Rang abgelaufen.

Social Media ist in der MMA-Branche das schärfste Schwert, die stärkste Waffe, wenn man es zu benutzen weiß. Entsprechend setzen Veranstalter, Sponsoren und Influencer beim Marketing vor allem auf Instagram, TikTok und Co. Weil sich klassische Medien fast komplett aus dem noch jungen Sport raushalten, füllen Content Creator auch im Bereich der Nachrichten die Lücke. Einer der bekanntesten Kampfsport-Influencer in Deutschland ist Yavuz Çağatay aus Mainz – und er will etwas völlig Neues schaffen.

Yavuz bezeichnet sich selbst als News-Produzent und Meinungsblogger. Vor dem Greenscreen spricht er die News aus der Welt der Mixed Martial Arts ein. Nicht nüchtern wie ein Nachrichtensprecher, sondern dynamisch, gerichtet an eine junge Zielgruppe. Mehr als 105.000 Menschen folgen dem Mainzer auf TikTok. Bei seinen Videos steht er auch selbst ein wenig im Rampenlicht. Auf Veranstaltungen führt er Interviews und diskutiert mit MMA-Kämpfern über deren Vorbilder.

Wenn Çağatay auf den MMA-Events im Einsatz ist, wird er mittlerweile häufig angesprochen. Nicht jeder kommt gleich auf seinen Namen, aber „der von TikTok“ oder seine etablierte Catchphrase „Say no more“ – ein Idiom für: Ich weiß Bescheid – kennen die meisten, die dann auch ein Foto mit dem Anfang 30-Jährigen haben wollen. „Das war schon der Plan – ich wollte nicht einfach nur Newslieferant sein“, sagt er im Interview mit ntv.de. „Die Leute sollen die Person dahinter sympathisch finden und wegen des Gesamtpakets zu mir kommen.“

„Traditionelle Medien wären ein Bonus“

Çağatay besetzt eine Lücke in einem Nischensport, der eigentlich längst keiner mehr ist. Während er täglich Hunderttausende Aufrufe generiert, verkaufen Veranstalter wie Oktagon regelmäßig die größten Hallen in Deutschland aus. Es geht auch ohne traditionelle Medien, ist er sich sicher: „Für die Profikämpfer oder Profiboxer wie beispielsweise Agit Kabayel würde ich mir wünschen, dass Zeitungen und TV-Sender auf den Events sind und berichten. Das transportiert das nochmal an ein anderes Publikum.“ Aber selbst die Veranstalter wie die UFC, PFL und andere würden vor allem auf Social Media setzen. „Brauchen wir traditionelle Medien im Kampfsport? Nein! Wenn wir sie haben, ist das ein Bonus.“

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Reichweite generieren und ein junges Publikum über Social Media abholen – das könnten Zeitungen und TV-Sender mittels MMA ja dennoch. Sie tun es aber nicht. Warum nur wenige klassische Medienvertreter den Sport so selten thematisieren, dafür hat Çağatay eine Theorie: „Die haben nicht die Leute, die genug Ahnung von MMA haben. Denen fehlen die Insider, die in diesem Sport Trends erkennen können.“ In den traditionellen Medien wird das gemacht, was funktioniert, so Çağatay. Das könne man an den Klitschko-Brüdern sehen. Nachdem beide ihre Handschuhe an den Nagel gehängt hatten, gab es auch kaum noch Interesse von Seiten der Zeitungen und Sender am Boxen.

Oktagon 90 in Berlin …

Çağatay ist mittlerweile nicht mehr der einzige Creator, der News mit Greenscreen einspricht. Er hat aber bereits ein neues Projekt in der Pipeline, um die nächste Stufe zu zünden. Er wird mit seinem Team eine Nachrichten-App auf den Markt bringen, die sich vor allem auf MMA konzentriert. „Es gibt am Tag gefühlt 50 relevante Nachrichten in diesem Sport, ich kann aber täglich nur eine Handvoll Videos machen. Ich muss da filtern“, sagt der Mainzer. „Dazu sprechen viele Leute nicht gut Englisch, viele bekommen diese internationalen Sachen gar nicht mit.“ Die App soll da Abhilfe schaffen und mehr Nachrichten abbilden, die Leute über anstehende Events informieren und auch mal Hintergründiges liefern.

„Meine Arbeit auf TiktTok hat mir das erst ermöglicht“, sagt Çağatay. Eine One-Man-Show wird die App allerdings nicht. Eine kleine Redaktion soll sich um die Inhalte kümmern, Videos von Çağatay ergänzen das Ganze. „Es ist traditionell gehalten, aber gleichzeitig etwas Neues. Wir schaffen ein Medium, kombinieren es aber mit einem Influencer. Das gibt es in Deutschland in diesem Bereich einfach noch nicht.“

Verwendete Quellen: ntv.de, mba

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