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VIP VIP, Hurra!: Emily Ratajkowski gesteht: „Ich wollte nur Sex“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 19, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Emily Ratajkowski gesteht: „Ich wollte nur Sex“

19.06.2026, 17:11 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich

Sex, Martinis und schlaflose Nächte: In einem überraschend ehrlichen Essay schreibt Emily Ratajkowski über Einsamkeit, Selbstzweifel, Dating und die Angst, nach einer Trennung nicht mehr begehrt zu werden. Die Promikolumne über die Frau hinter dem öffentlichen Image.

Der Betreff der E-Mail lautete: „Sex als alleinerziehende Mutter von Emily Ratajkowski“. Ehe ich die Mail richtig geöffnet hatte, schaute ich auf ein Foto einer Frau, das das uralte Motiv der Mutter mit Kind zeigt. Ein Baby liegt eng am Körper der Mutter und wird gestillt. Es hat etwas Ikonenhaftes. Auf der anderen Seite steht die Inszenierung der Frau selbst. Sie trägt eine eng anliegende schwarze Lederjacke, die geöffnet ist und ihren Oberkörper freilegt. Sie blickt den Betrachter herausfordernd an. Das Bild ist natürlich auf eine gewisse Art und Weise provokant, weil es eben nicht die Sexualität ausblendet, wie traditionelle Darstellungen stillender Mütter, sondern ganz bewusst mit Mutterschaft und Erotik spielt. Die Frau erscheint weder ausschließlich als Mutter noch ausschließlich als sexuelles Objekt. Sie nimmt beide Rollen gleichzeitig ein und weigert sich gewissermaßen, sich für eine davon zu entschuldigen.

Inzwischen hatte ich die E-Mail des „New York Magazine“ geöffnet und während ich lese, dass Emily Ratajkowski jetzt Kolumnistin dieses Gesellschaftsmagazins ist, denke ich als Erstes: Moment, DIE Emily Ratajkowski? Kaum eine Woche vergeht ohne einen Artikel über das Model. Sie alle eint, im Grunde genommen keine Meldung wert zu sein: „Heiße Urlaubsfotos von Emily“, „Emily oben ohne“, „Model posiert gewagt sexy“. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die 35-Jährige weder als große Autorin noch als eine Frau auf dem Schirm gehabt, bei der sonderlich viel Tiefe zu erwarten ist. Kurzum: Ja, ich hatte jede Menge Vorurteile. Und mit diesen Vorurteilen habe ich begonnen, ihren Essay für „The Cut“ zu lesen.

Allein dieses provokante Foto, dachte ich. Und klar muss in der Headline etwas über Sex und „Motherfucker“ stehen! Es ist ein langer Text, den das Model über ihre Rolle als alleinerziehende Mutter schreibt, darüber, von ihrem Ex-Mann betrogen worden zu sein, über die mitleidigen Blicke ihrer Freunde und davon, mehr sein zu wollen als „die Mutter eines Kleinkindes“.

Emily in New York – und in schäbigen Bars

Und je länger ich diese schonungslose Offenbarung über das Innenleben dieser Frau las, desto mehr merkte ich, wie all meine Vorurteile sich vielleicht nicht in Luft auflösten, aber abrupt weniger wurden. So schreibt sie etwa: „Ich wollte die Aufmerksamkeit eines Mannes spüren und daran erinnert werden, dass ich ein sexuelles Wesen bin“.

Es gibt kaum etwas, was sie in diesem Text auslässt, und so begleitet man das Model, das eine exzellente Beobachtungsgabe hat, durch schäbige Bars in New York und bei One-Night-Stands mit Männern in „grellbunten Pullovern“, Männern, die sie nicht einmal attraktiv oder charmant findet und dennoch mit ihnen im Bett landet. Denn sie wollte „nichts anderes als Sex“. Ein regelrechter Ansporn sei es für sie gewesen, vor allem nach dem „Übergang in eine neue Realität“, einem schreienden Baby an ihrer „schmerzenden Brust“ und vielen Monaten, in denen sie keinen Sex mehr gehabt habe.

Klar könnte man jetzt sagen, okay, das ist ein bisschen „too much information“, wenn sie etwa darüber schreibt, wie zufrieden sie war, als der Mann, den sie eben in einer Bar aufgerissen hatte, ihr gesteht, nicht erwartet zu haben, dass sie nur wenig später in seiner halbleeren Wohnung vor ihm auf den Knien saß: „Sein Gesichtsausdruck, als er mich ansah, befriedigte mich ungemein. (…) Ich hatte alles gefunden, wonach ich gesucht hatte – eine Gottesanbeterin, die ihren Partner verschlingt.“

Tatsächlich aber sind all diese Schilderungen vor allem eines: ehrlich. Und sie machen das Model viel nahbarer als all die Artikel, in denen es häufig nur um ihr schönes Äußeres geht. Es geht nämlich auch um Unsicherheit und die Einsamkeit einer Frau, deren gesamtes öffentliches Image auf Begehrlichkeit beruht. Während Millionen Frauen vermutlich davon ausgehen, dass das Leben einer Emily Ratajkowski primär aus Komplimenten und Avancen besteht, beschreibt sie die Angst und leise Verzweiflung, nach der Geburt eines Kindes und dem Ende einer Ehe nicht mehr wahrgenommen zu werden. Und aus diesem fast schon inneren Monolog geht auch hervor, dass sie versucht, herauszufinden, wer sie eigentlich geworden ist.

Bloß keine alleinerziehende Mutter sein!

Es ist neben den Schilderungen über den Sex mit Männern eine eigentümliche Melancholie, die über diesem Text liegt. Etwa, wenn sie sich selbst als eine Art Catwoman oder Poison Ivy inszeniert oder als jene unabhängige Frau, die nichts von Männern braucht und über den Dingen steht. Denn jeder Absatz verrät nahezu das Gegenteil. Die Figur, die sie beschreibt, wirkt alles andere als frei, schon gar nicht glücklich. Sie wirkt vielmehr wie jemand, der sich diese ganze Freiheit einredet, weil die Alternative wohl zu schmerzhaft wäre. „Schon als Kind dachte ich, von allen Dingen, die ich einmal werden könnte, wäre es das Wichtigste, nicht alleinerziehende Mutter zu werden. Allein der Begriff konnte schon als Beleidigung aufgefasst werden.“

Und so trank sie als Single-Mutter auf der Suche nach Sex eben auch Martinis, „viel zu viele Martinis“, während sie sich einredete, sich als „New Yorkerin als alleinerziehende Mutter irgendwie sexier zu fühlen“. Die Wahrheit aber liegt in den Momenten des Alltags, etwa, wenn sie allein den Kinderwagen die Treppen hochschleppt, laute Nachbarn durch die Wohnungswand anschreit und dabei immer noch den Minirock und Eyeliner vom Vorabend trägt: „Erin Brockovich von der Canal Street.“

Seit Jahren wird Emily Ratajkowski als Symbol weiblicher Selbstbestimmung gehandelt. Sie schreibt Bücher über Schönheit und analysiert darin auch die Mechanismen einer Öffentlichkeit, die Frauenkörper konsumiert wie Fast Food. Gleichzeitig lebt ihre Karriere davon, genau diesen Blick immer wieder zu bedienen. Es ist ein Widerspruch, der vermutlich auch ein wesentlicher Grund dafür ist, warum sie so polarisiert.

„Alle sollten sie beneiden“

Man könnte an dieser Stelle boshaft fragen, ob Emily Ratajkowski nicht längst zu einer Marke geworden ist, die von genau dem lebt, was sie kritisiert. Eine Frau, die darüber schreibt, dass Frauen nicht auf männliche Bestätigung angewiesen sein sollten, während ihre gesamte öffentliche Marke darauf basiert, möglichst viel männliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Sie selbst wollte sich die eigene Überforderung und Einsamkeit erst nicht eingestehen. So schreibt sie in einem Absatz, in dem es um die Zeit nach der Scheidung in einer Phase „zwanghaften Datings“ geht, über sich in der dritten Person: „Sie war keine tragische Figur. Nicht im Entferntesten ein Opfer. Niemand musste Mitleid mit ihr haben. Im Gegenteil, alle sollten sie beneiden.“

Dieser unbeschönigte Essay im „New York Magazine“ zeigt, dass hinter all ihren sexy Fotos dieselben Sehnsüchte verborgen sind, die wir alle haben. Da ist diese Frau, die für Millionen Menschen die Verkörperung von Attraktivität darstellt, und sie ist genauso unsicher wie viele andere auch. Sie trinkt ab und an zu viel, sie ist überfordert und sie zeigt, dass selbst jene, die scheinbar alles besitzen, nicht davor geschützt sind, sich gelegentlich zu fragen, ob sie noch geliebt, begehrt oder überhaupt wahrgenommen werden.

Quelle: ntv.de

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