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Startseite»Nachrichten»„An Sieger erinnert man sich“: Weltmeister, jetzt! Amerikas Fußball dreht durch
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„An Sieger erinnert man sich“: Weltmeister, jetzt! Amerikas Fußball dreht durch

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 20, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Zweifel kennen die US-Amerikaner nicht. Bei der Fußball-WM im eigenen Land gibt es dazu bislang auch keinen Grund, das Team erreicht vorzeitig die K.-o.-Runde. Die Träume sind riesig, der Glaube erst recht. Beistand gibt es von einem früheren Superstar.

Er sprintete auf die Eckfahne zu, jubelte, ließ sich von den Mitspielern feiern: Als Alex Freeman in der 43. Minute im WM-Spiel gegen Australien das 2:0 erzielte, konnte man meinen, er sei gerade Weltmeister geworden. Und irgendwie war er das auch, zumindest nach einer speziellen Titelverteilung. Nach Abpfiff freilich erst. Aber die USA dominierten das Team von Down Under so, dass das Spiel schon nach der ersten Hälfte entschieden schien.

Die USA sind nach dem 2:0 inoffizielle Weltmeister – nach einer linearen Zählung, die Ewigkeiten zurückreicht, und seit den 2000ern von Statistikern der Seite RSSSF geführt wird. Es ist denkbar einfach: Schlägst du den derzeitigen linearen Weltmeister, holst du dir den Titel. Zurück geht alles auf das erste internationale Spiel zwischen Schottland und England im Jahr 1872. Vor der WM ist die Türkei demnach der Titelträger. Sie haben aber ihr Auftaktspiel aber gegen Australien verloren – und die nun eben gegen die USA. Herzlichen Glückwunsch.

Verteidiger köpft die USA in die nächste Runde

Familienhistorie fortgesetzt

Nun ist es natürlich nicht die inoffizielle Weltmeisterschaft, die Freeman feiert. Sondern ein anderes historisches Ereignis. Mit seinem Tor im Stadion von Seattle hatte er einen familiären Kreis geschlossen: Fast 30 Jahre zuvor hatte sich sein Vater im legendären Kingdome, der 2002 durch das jetzige Lumen-Stadium ersetzt wurde, ebenfalls feiern lassen – nach einem Touchdown. Am 29. September 1996 hatte Antonio Freeman als Receiver für die Green Bay Packers gegen die Seattle Seahawks zweimal die Endzone erreicht, nun war sein 21-jähriger Sohn erfolgreich. Der sagte nach dem Spiel: „Für mich zeigt das, wie großartig unsere Familie ist. Er war großartig, aber ich kann auf meine eigene Art ebenso großartig sein kann.“

Das sieht auch Freemans Trainer so. Der Innenverteidiger des FC Villarreal entwickle sich „enorm“, schwärmte US-Nationalcoach Mauricio Pochettino: „Er ist ein Spieler, mit dem man wirklich gerne zusammen ist – nicht nur als Trainer. Er hat das Potenzial, einer der besten Spieler der Welt auf seiner Position zu werden.“

Nach dem Abpfiff redeten alle über Freeman, dabei hatte vor dem Spiel die Personalie Christian Pulisic alles überlagert. Denn wie Deutschland vor der WM mit Manuel Neuer um die „Wade der Nation“ bangte, ist es beim Co-Gastgeber der Star von AC Mailand, dessen Verletzung für Aufregung sorgt. Der frühere BVB-Profi hatte vor dem Auftaktspiel im Training einen Schlag abbekommen und war beim 4:1-Sieg gegen Paraguay in der Pause ausgewechselt worden.

„Für mich zählt im Moment nur der Titel“

Doch es lief auch ohne Pulisic, der nach der inbrünstig im Stadion gesungenen Nationalhymne und dem US-typischen Überflug von Militärhubschraubern übers Stadion in der hinteren Reihe der Ersatzbank Platz nahm. Das Eigentor von Cameron Burgess erzwang Folarin Balogun schon nach elf Minuten. Er spielte getreu seinem Motto, mit dem er aufgewachsen ist: „An die Sieger erinnert man sich“, sagte er nach dem Spiel. „Ich weiß, dass das Land hinter uns steht und dass das Land in jedem Spiel stolz auf uns ist. Wir erreichen etwas. Aber für mich zählt im Moment nur der Titel.“

Es ist ein Satz, der nach zwei Spielen – gegen Paraguay und Australien, die nicht zu den Titelfavoriten gehören -, typisch amerikanisch hyperselbstbewusst daherkommt. Doch Balogun ist nicht der einzige: „Amerika ist auf Glauben aufgebaut“, sagte auch der frühere Schalker Weston McKennie. Da sei es „egal, was irgendwer von außen sagt. Wir werden immer an uns selbst glauben und aneinander glauben.“

Sie zeigten es auf dem Platz, das 2:0 durch Freeman war dann noch vor der Pause der Endstand. Völlig euphorisiert peitschten die mehr als 60.000 Fans, die nicht das leuchtend gelbe Trikot Australiens trugen, ihr Team mit „U-S-A! U-S-A!“-Rufen an, die nach dem Abpfiff von Pochettino erwidert wurden, als er mit den Fans feierte, bevor er den Stadioninnenraum in Richtung Katakomben verließ.

Pochettino hat große Träume

Er und sein Team bekamen viel Lob – auch aus Deutschland. „Die USA haben es bisher sehr gut gemacht, spielen einen sehr emotionalen Fußball mit viel Power“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann. Regelrecht ins Schwärmen geriet einer seiner Vorgänger. Jürgen Klinsmann lobte bei ESPN die „fantastische“ Vorstellung, sie sei „super für die nächsten paar Spiele“. Der frühere Bundestrainer, der zwischen 2011 und 2016 das US-Team betreut hatte, fügte an: „Das sollte ihnen viel Selbstvertrauen geben.“

Der größte Erfolg der USA bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ist der Einzug ins Halbfinale. Das war allerdings 1930, bei der ersten Austragung. Damals spielten nur 13 Teams mit, nach der Gruppenphase folgten direkt die zwei Halbfinals. Geht es nach erfolgreichen K.-o.-Spielen, ist die Liste für die USA sehr kurz. Sie umfasst nur ein Turnier: Bei der WM 2002 zogen die USA mit einem 2:0-Sieg über Mexiko ins Viertelfinale ein – scheiterten da mit 0:1 am späteren Vize-Weltmeister Deutschland.

In den USA sind die Hoffnungen groß, dass es diesmal weitergehen kann. Nach dem Sechzehntelfinale ins Achtelfinale ins Viertelfinale – und noch viel weiter? „Wir müssen weiter daran glauben und jeden einzelnen Tag so angehen wie den ersten: im Glauben, dass wir gewinnen können“, sagte Pochettino und ergänzte vielsagend: „Meine Träume haben sich nicht allzu sehr verändert.“

Beistand kommt von fast ganz oben, vom selbst inszenierten „Fußball-Gott“. „Ja“, antwortete Schwedens früherer Superstar Zlatan Ibrahimovic bei Fox auf die Frage, ob die USA Weltmeister werden könnten.

Verwendete Quelle: ntv.de

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