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Politik

Iran-USA-Verhandlungen: Warum in den Golfstaaten Ernüchterung herrscht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 22, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.06.2026 • 03:00 Uhr

Ein aggressiver Nachbar, kaum Unterstützung durch die USA – und ein massiver Schaden am Image als Touristenspot: Für die Golfstaaten war der Krieg in Iran ein Fiasko. Nun wollen sie daraus Lehren ziehen.

Anna Osius

Erleichterung am Golf – ein Ende der iranischen Angriffe sehnten die Golfstaaten schon lange herbei. So wurde die Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Iran und den USA in der vergangenen Woche offiziell begrüßt: Der saudische Außenminister Faisal bin Farhan erklärte: „Es ist unglaublich wichtig, dass wir eine Absichtserklärung haben, die hoffentlich diesem Konflikt ein Ende setzen wird.“

Saudi-Arabien hat wohl mitverhandelt

Saudi-Arabien soll hinter den Kulissen das Abkommen mitverhandelt haben – Hauptvermittler waren Katar und Pakistan. Offiziell dankte man US-Präsident Donald Trump. Doch hinter den Kulissen mache sich bei einigen Akteuren am Golf Empörung breit.

Denn Trump hat Iran große Zugeständnisse eingeräumt, und das Regime in Teheran gilt durch die Vereinbarung als politisch gestärkt. Sehr zum Leidwesen der benachbarten Golfstaaten, die perspektivisch kein Ende der iranischen Raketen- und Drohnen-Bedrohung sehen. Weil kein arabischer Staatschef Trump offen kritisieren will, übernehmen Journalisten in den staatlich kontrollierten Medien die Rolle der Kritiker.

Medien übernehmen Rolle als Kritiker

Ahdiya Al Sayed, Journalistin aus Bahrain, meint, sie habe gehofft, dass das Abkommen weitere, für die Golfstaaten wichtige Punkte enthalten würde; so wie Irans Raketen, seine Drohnen und die Drohnen-Produktion. Auch die iranischen Milizen in der Region seien nicht genug thematisiert worden. „Ich finde, das Abkommen ist sehr lückenhaft. Es hat dem Iran das gegeben, war er wollte. Trump war sehr nachgiebig; wir hätten erwartet, dass er mehr Druck ausübt“, so das Resümee der Journalistin.

Vor allem wichtig für die Golfstaaten wäre eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus – und zwar ohne Einschränkungen. Aber danach sieht es nicht aus. „Der Iran spricht sogar über Gebühren für die Straße von Hormus. Er besitzt die Dreistigkeit, das zu fordern. Der Iran hat nichts verloren – er lässt immer noch seine Muskeln spielen. Die Golfstaaten sind nicht zu ihrem Recht gekommen“, kritisiert Al Sayed.

„Lage schlechter als vor dem Krieg“

Insgesamt sei die Lage eindeutig schlechter als vor dem Krieg, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen hochrangigen Regierungsvertreter vom Golf. Auch wenn es Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate geschafft haben, unabhängig von der Straße von Hormus Öl zu exportieren – andere Länder wie Kuwait zum Beispiel sind stark von der Meerenge abhängig. Eine Maut in der Straße von Hormus lehnen sie ab.

Die teilweise frustrierte Bilanz am Golf: Durch den von Israel und den USA begonnen Krieg ist Iran gestärkt – gilt weiterhin als regionale Macht und will seinen Einfluss geltend machen.

Beziehungen zu Iran neu justieren

Die vor dem Krieg verbesserten Beziehungen zwischen Iran und den Golfstaaten müssen neu justiert werden, meint der saudische Außenminister: „Die iranischen Angriffe haben eine erhebliche Vertrauenskrise geschaffen. Wir hatten gerade erst angefangen, unsere Beziehungen zum Iran wieder aufzubauen – jetzt haben wir Rückschritte gemacht. Wir werden ein Gespräch führen müssen, wie wir die Beziehung neu wieder aufbauen können.“

Auch während des Krieges standen die Golfstaaten jeder für sich mit Iran in Kontakt. Jetzt werden sie weiter versuchen, sich mit Iran zu arrangieren. Denn an einem weiteren offenen Konflikt hat keine der Seiten ein Interesse. Schon jetzt pflegen Länder wie Katar oder Oman enge Beziehungen zu Teheran – auch die anderen Staaten bemühen sich.

„Gefangener der geographischen Lage“

Der Politologe Abdallah Bandar El Eteibi aus Katar meint, man sei Gefangener der geographischen Lage. Am Ende müsse man mit den Nachbarn auskommen. Iran habe zwar einen Fehler gemacht, die Nachbarländer anzugreifen – aber am Ende zählten Stabilität in der Region und Sicherheit.

Erschüttert wurde durch den Krieg aber nicht nur das Verhältnis zu Iran und das Image der Golfstaaten als vermeintlich sicherer, attraktiver Wirtschaftsstandort, sondern vor allem das Verhältnis zu den USA. Lange hatten sich die reichen Ölförder-Länder bemüht, ein exzellentes Verhältnis zum wankelmütigen US-Präsidenten aufzubauen – auch mit milliardenschweren Investitionszusagen und prunkvollen Geschenken. Gerade erst hat Trump seinen neuen Regierungsflieger aus Katar eingeweiht. Doch all das Hofieren hat offensichtlich nichts genutzt, als es zum Ernstfall kam.

Krieg als Super-Gau für die Golfstaaten

So sagte Sebastian Sons vom Carpo-Institut schon vor Wochen: „Für die Golfstaaten ist dieser Krieg ein Super-Gau, und das liegt daran, dass man so verletzlich ist an vielerlei Fronten. Es geht ja nicht nur um die Ölindustrie, sondern auch um die Reputation als Touristendestination, als Handelsdrehscheibe.“

Ein Angriff also in allen Bereichen – und die Reaktion der USA? Überraschtes Schweigen. Die Golfstaaten wurden massiv zur iranischen Zielscheibe, und aus Washington kam nicht die erhoffte große militärische Unterstützung. Die Länder fühlten sich von den USA allein gelassen. Dementsprechend frustriert sind die Staaten – ernüchtert, dass sie sich nicht auf Washington verlassen können. Auch Trumps Unterschrift unter ein so schwaches Abkommen zeige eindrucksvoll die Schwäche der USA in der Region, sagen Beobachter.

Diversifizierung der Verteidigung

Für die Golfstaaten hat das von allem eine Konsequenz: Sie sehen sich nach Möglichkeiten der eigenen militärischen Aufrüstung um, schließen neue Partnerschaften. Laut Politik-Journalistin Angela Diffley investieren sie in Drohnen-Abwehrprogramme mit Hilfe der Ukraine, und die Emirate haben ein Militärabkommen mit Frankreich unterschrieben. Die Golfstaaten schauen sich außerdem um, ob sie ihr Öl in anderen Teilen der Welt lagern können, um unabhängig von regionalen Konflikten und der US-Verteidigung zu sein. Es gehe um eine Diversifizierung der Verteidigung.

Denn eines haben die Golfstaaten gelernt aus dem Konflikt der vergangenen Monate: Sie können sich auf nichts verlassen – weder auf eine friedliche Nachbarschaft mit Iran, noch auf eine schützende Partnerschaft mit den USA.

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Dr. Heinrich Krämer
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