Immer wieder wird über Sinn und Nutzen von Hausaufgaben diskutiert, seit Kurzem haben Gegner noch ein weiteres Argument: Hausaufgaben seien sinnlos, wenn sie ohnehin von KI gemacht werden. Stimmt das?
In vielen Familien sind sie ein zuverlässiger Anlass für schlechte Stimmung und Streit: Hausaufgaben, die die Kinder aus der Schule mitbringen. Das können die Englisch-Vokabeln sein oder Matheübungen, Texte für Biologie oder Recherchen für Erdkunde.
„Es gibt tatsächlich Probleme mit Hausaufgaben“, sagt der Gymnasiallehrer, Podcaster und Buchautor Bob Blume, der sich als „Netzlehrer“ mit dem Einfluss von digitaler Technik und Künstlicher Intelligenz auf das Schulsystem beschäftigt. Sein Argument: Hausaufgaben seien sinnlos, wenn die Lehrerin oder der Lehrer ihre Entstehung nicht mitbekomme.
„Das war schon immer so, aber jetzt mit der KI wird diese Sinnlosigkeit noch viel deutlicher“, sagt Blume. Denn es bringe überhaupt nichts, Aufgaben zu stellen, die die Kinder und Jugendlichen dann in Sekundenschnelle von KI-Modellen erledigen lassen.
Hausaufgaben zurück in die Schule holen?
Blumes Vorschlag: Das eigenständige Arbeiten und Lernen – und darum geht es bei Hausaufgaben ja eigentlich – solle wieder in die Schule zurückverlagert werden: „Also dahin, wo der Lernprozess von Profis fürs Thema Lernen – den Lehrkräften – begleitet werden kann.“
Dass Blume mit seinen Überlegungen nicht falsch liegt, zeigen Daten der Jugendmedienstudie JIM des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest: Für Schülerinnen und Schüler ist der KI-Einsatz längst Alltag. Drei Viertel der befragten Jugendlichen nutzen demnach KI-Anwendungen regelmäßig für Hausaufgaben oder zum Lernen.
Forschung sieht Hausaufgaben skeptisch
Trotzdem halten die Bundesländer hartnäckig an der Tradition der Hausaufgaben fest. Beispiel Nordrhein-Westfalen: Der aktuelle Hausaufgabenerlass sieht für Erstklässler bis zu 30 Minuten Hausaufgaben am Tag vor, in der fünften Klasse sind es 60 Minuten, in Klasse zehn 75 Minuten.
Dabei sei der Lerneffekt durch Hausaufgaben fraglich, sagt der frühere Grundschullehrer und heutige Lernberater Detlef Träbert aus Köln. Und das sei auch schon sehr lange wissenschaftlich belegt: „Eine erste Studie zu dem Thema wurde in Deutschland um 1925 verfasst. Und damals haben die Autoren schon festgestellt, dass die Hausaufgaben von Nachteil sind und den Schülern beim Lernen eher schaden – sofern es sich überwiegend um Auswendiglernen und um das schriftliche Rechnen handelt.“
„Teils gar keine Lerneffekte“
Seither hat es Dutzende weiterer Untersuchungen zum Sinn und Nutzen von Hausaufgaben gegeben. Und die allermeisten kamen zu dem Schluss: Keine Hausaufgaben zu machen, das schadet den Kindern und Jugendlichen in aller Regel nicht beim Erwerb von Wissen und Kompetenzen. Das bestätigt auch die Schulforscherin Nina Kolleck, Professorin an der Universität Potsdam.
„In der Forschung sehen wir, dass Hausaufgaben oft wenig bewirken und Schüler teils gar keine Lerneffekte haben, wenn sie Hausaufgaben machen müssen“, sagt Kolleck im Gespräch mit der ARD. Hinzu komme ein weiterer Aspekt: Hausaufgaben verstärken soziale Ungleichheiten. „Denn Kinder, die zuhause Unterstützung haben – durch Eltern oder durch Nachhilfe – die haben hier ganz klare Vorteile und bekommen dann im Zweifel auch bessere Noten.“
Hausaufgaben sorgen also nicht dafür, dass die schwächeren Schülerinnen und Schüler besser werden, sondern führen im Gegenteil zu einer größeren Lücke zwischen guten und weniger guten Jugendlichen. Das Aufkommen der KI, so Nina Kolleck, belege jetzt noch einmal zusätzlich, dass es eigentlich kaum gute Argumente für Hausaufgaben gebe.
