In der türkischen Hauptstadt Ankara sind zwei Wochen vor dem NATO-Gipfel mehr als 200 Personen festgenommen worden. Die Razzia galt laut Polizei radikalen Islamisten und Linksradikalen. Lokale Medien zeichnen ein anderes Bild.
Türkische Sicherheitskräfte haben bei einer großangelegten Razzia mehr als 200 Menschen verhaftet. Die Beamten hätten in der Hauptstadt Ankara 209 von 241 Haftbefehlen vollstreckt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.
Unter ihnen seien 56 mutmaßliche Kämpfer der Terrorgruppe Islamischer Staat und 35 Mitglieder der linksradikalen Revolutionären Volksbefreiungsfront, der Anschläge und Attentate in der Türkei zur Last gelegt werden. Nach weiteren Verdächtigen werde gefahndet.
Medien zeichnen anderes Bild
Lokalen Medienberichten zufolge wurden bei den Razzien die Wohnungen von Gewerkschaftern, Anwälten und linken Aktivisten durchsucht. Wie der „Verein fortschrittlicher Juristen“ auf X mitteilte, wurden unter anderem Anwälte in Istanbul und Ankara festgenommen. Der Verein verurteilte das Vorgehen, das darauf abziele, „der NATO vor dem Gipfel einen dornenlosen Rosengarten zu bereiten“.
Viele Rechte für Gipfel eingeschränkt
Vor dem für den 7. und 8. Juli geplanten Gipfel in Ankara haben die türkischen Behörden zahlreiche Einschränkungen des öffentlichen Lebens angeordnet.
Das Gouverneursamt von Ankara sprach ein Versammlungs- und Demonstrationsverbot im gesamten Stadtgebiet aus. Dies gilt vom 28. Juni bis zum 10. Juli und untersagt neben Demonstrationszügen auch Pressekonferenzen auch Hungerstreiks und das Verteilen von Flugblättern.
Am Wochenende hatten zahlreiche linke Parteien und zivilgesellschaftliche Organisationen die Koordinierungsgruppe „Nein zur NATO“ gegründet, um gegen den Gipfel zu protestieren.
