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Invasion, Bier, Ekstase: „Dudelsack im Handgepäck“: Schotten trinken Miami gnadenlos leer

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 24, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Dudelsack-Klänge am Strand, „No Scotland, no party“ und Unmengen an Bier: Verrückter wird die WM nicht mehr. Nach Boston verzückt die Tartan Army nun Miami und trinkt auch hier die Bars leer. Doch den Fans geht es um mehr.

„Ich habe meinen Dudelsack einfach im Handgepäck mitgenommen“, sagt Andy zu ntv.de über seine Reise aus Schottland in die USA . „Die haben an der Grenze ganz schön Stress gemacht und das ganze Ding auseinandergenommen, weil sie keine Ahnung hatten, was das ist“, lacht er. Andy trägt Schottland-Trikot und Kilt und stimmt, umringt von Tausenden Bravehearts-Anhängern, der berühmten Tartan Army, sein Instrument mit einer Handvoll weiteren Dudelsackspielern.

Schottland-Fanmarsch in der Mittagshitze in Miami Beach. Neben traditioneller Kleidung, blauen Fahnen und Party-Stimmung gibt es hier einen Tag vor dem großen Spiel gegen Brasilien (Donnerstag, 0 Uhr/ Magenta und im Liveticker auf ntv.de) vor allem Schweiß. Liter an Schweiß. Gemischt mit Sonnencreme, die in weißen Bächen von Glatzen, Stirnen und Schultern rinnt. Und es gibt natürlich Bier. Massen an Bier.

Weil Boston, der Spielort der ersten beiden WM-Partien der Schotten, nicht vorbereitet war auf die trinkfeste Tartan Army, trank diese die gesamte Stadt leer. Das gleiche Schicksal widerfuhr bei der EM 2024 bereits München beim Eröffnungsspiel, wo die Schotten die Brauhäuser und Bars austranken. Nun bringen etwa 20.000 Schotten ihr typisches Flair nach Miami – und auch in der Strandmetropole in Florida wird Fass um Fass und Dose um Dose geleert.

„No Scotland, no party“

Der Bierdurst ist auch nach Boston noch groß. Und der schottische Anhänger per se hat mutmaßlich mehr Brand als ein Otto-Normal-Fan. Doch in Miami kommen noch Temperaturen um 33 Grad Celsius, die gefühlt eher an 40 Grad erinnern, und die über dem Sunshine State besonders gnadenlos knallende Sonne hinzu.

„Es ist ja sehr heiß hier und wir schwitzen viel“, merkt Clark gegenüber ntv.de an, der mit seinen Freunden und Familienmitgliedern am Rande des Fan-Marschs um einen langen Tisch voller Biere steht: „Also müssen wir doppelt so viel Bier trinken.“ „Nein“, mischt sich sein Kumpel Hamish ein, „dreimal so viel!“ Die beiden sind mit ihren Vätern zum Turnier gefahren. „Die haben das schon mal erlebt, aber wir mussten auf eine WM eine gefühlte Ewigkeit warten“, erzählt Clark. „Das war schon immer auf unserer Bucket List.“ Vor 28 Jahren war Schottland zuletzt bei einer WM dabei, über die Gruppenphase kam das Land nie hinaus.

Dann setzt sich der Fan-Marsch in Bewegung. Die Anwohner in Miami Beach können kaum fassen, was hier passiert. Ein jeder zückt das Handy, um diesen Moment festzuhalten. Tausende singen und tanzen. Dudelsack-Klänge mischen sich mit den Stimmungsliedern der Tartan Army, nicht fehlen darf dabei natürlich: „No Scotland, no party!“ Immer wieder wird ein Fußball meterhoch in die Luft geschossen und saust irgendwo auf einen anderen bierseeligen Fan nieder.

Hintergrund der Tartan Army

Vielleicht wird Schottland ja doch Weltmeister. (Foto: David Bedürftig)

Schottische Fans haben die Herzen der US-Amerikaner erobert. Der Spitzname Tartan Army soll in den 1970er von britischen Journalisten für die vielen mit ihrem Team mitreisenden Schotten erfunden worden sein. Die „Armee“ ist bekannt dafür, auf den Reisen Spaß zu verbreiten, auf ein gutes Image zu achten und sich mit den jeweiligen Einheimischen zu mischen. Sie ist heute eine Art Botschafter Schottlands. „Wir sind so geworden, weil wir bessere Fans als die englischen sein wollten, die besonders in den 1980er Jahren viel Mist gebaut haben“, sagt Clark. „Wir sind sehr stolz darauf, besser zu sein als England.“

In Boston spendeten die Fans zudem fast 30.000 Dollar an lokale Wohltätigkeitsorganisationen. Schottlands Kapitän Andy Robertson sagte jüngst über die Anhänger: „Sie scheinen unterwegs immer neue Freunde zu finden, und die Einheimischen lieben sie. Die Tartan Army wird uns bis zum Schluss unterstützen, und hoffentlich können wir ihnen einen Grund zum Jubeln geben.“

An einen Sieg gegen Brasilien glaubt hier zwar kaum jemand, aber darum geht es auch nicht. Es soll einfach gemeinsam das Leben gefeiert und der Fußball bejubelt werden. Neue Verbindungen und Freundschaften, zusammen lachen und singen. Und ein Remis gegen die Seleção reicht schließlich sogar für das allererste schottische K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft, möglicherweise auch eine knappe Pleite.

Vengaboys, Baseball und Bierdurst

Bereits am Montag war die Tartan Army mit Tausenden wie immer friedlich und fröhlich durch Little Havanna marschiert. Das Ziel jener Parade: ein Baseball-Spiel. 8000 schottische Fans unterstützen die Miami Marlins bei ihrem Heimspiel, nachdem der Klub ein cleveres Sonderangebot ins Programm aufgenommen hatte, bei dem für Schotten pro Eintrittskarte zwei Bier inbegriffen waren. Die Dudelsackspieler eröffneten sogar das Spiel, indem sie auf das Feld einliefen. Draußen vor dem Stadion lieferten die schottischen Feierbiester wilde Tanzeinlagen zu den – nunja – Hits der Eurodance-Formation Vengaboys.

Diese Ekstase schwappt nun nach dem Fanmarsch in Miami auch in die umliegenden Bars über. Die Strandkneipe „Clevelander“ ist eine der Hauptanlaufstellen für die Tartan Army, deren Lieblingssongs aus massigen Boxen wummern, während leicht bekleidete Kellnerinnen die Getränke servieren. Alle tanzen, trinken und kleben in der Mittagssonne, am Abend steigt hier eine riesige Dachterrassen- und Pool-Party.

„Wir haben schon mehr Tickets für den Abend verkauft als wir eigentlich können“, sagt Gabriel, einer der Manager des Ladens, zu ntv.de. „Und nachdem wir das mit Boston gesehen haben, haben wir natürlich extra mehr Bier gekauft. Fässer, Dosen, alles.“ Ob das reichen wird? „Keine Ahnung, ehrlich gesagt“, lacht der Manager, „wenn ich mir das hier anschaue.“ Alternativ gibt es noch eine Bootstour auf einer Mega-Yacht für 150 US-Dollar. Alles inklusive, der Hahn bleibt für drei Stunden offen. Hauptsache, der Bierdurst wird gestillt.

Schotten-Aufmarsch unter Palmen, markante Dudelsack-Klänge am feinen Sandstrand: Sowas hat es hier im tropischen Miami noch nicht gegeben – und vielleicht auch sonst nirgendwo auf der Welt. Und dabei geht es längst nicht nur um Fußball. „Es bedeutet mir sehr viel, hier gemeinsam zu feiern“, sagt Dudelsack-Spieler Andy. „Das ist eine Erfahrung, die man nur einmal im Leben macht.“

Verwendete Quelle: ntv.de

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