In sozialen Medien kursieren viele Mythen zu Sonnencreme. Immer wieder heißt es, sie sei gesundheitsschädlich oder sogar krebserregend. Natürliche Mittel seien ein besserer Sonnenschutz. Was ist da dran?
Sonnencremes zählen in Deutschland zu den Kosmetika. Sie müssen hierzulande eine Sicherheitsbewertung durchlaufen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) prüft Sonnenschutzmittel. Ihm zufolge dürfen Produkte beim bestimmungsgemäßen Gebrauch und auch beim vorhersehbaren Fehlgebrauch die Gesundheit grundsätzlich nicht beeinträchtigen.
Sonnenschutzmittel sind nicht krebserregend
Der UV-Filter Octocrylen ist allerdings tatsächlich bedenklich. Denn daraus kann Benzophenon entstehen, und das ist laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation möglicherweise krebserregend.
Allerdings kommt Octocrylen laut Chemikerin Maren Hegmanns kaum noch in Sonnencremes vor. Sie ist Spezialistin für Sonnencremes am Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Karlsruhe. Das Amt überprüft regelmäßig Sonnenschutzmittel: „Im letzten Jahr haben überhaupt nur noch sieben Prozent der Hersteller Octocrylen als UV-Filter verwendet, und wenn es verwendet wird, kann ich sagen, finden wir aber auch keine gefährlichen Gehalte an Benzophenon mehr.“
Das heißt: Selbst bei Sonnencremes vom Vorjahr besteht heutzutage in der Regel kein erhöhtes Krebsrisiko. Und schon bei älteren Cremes seien bedenkliche Gehalte an Benzophenon selten gewesen.
Sonnencreme macht nicht unfruchtbar
Ein anderer UV-Filter, der auch heute sehr oft in Sonnencremes vorkommt, ist DHHB. Bei seiner Herstellung kann eine Verunreinigung namens DnHexP entstehen. Das ist ein sogenannter Weichmacher, der in der EU verboten ist, weil er unsere Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.
Das Umweltbundesamt hat zuletzt von mit MnHexP belastetem Kinderurin berichtet. Das ist ein Abbauprodukt von DnHexP. In der Kinder- und Jugendstudie ALISE (Aligned Study for Environmental Health) wurden demnach Proben aus den Monaten April bis Juli 2025 von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren untersucht. In 92 Prozent davon wurde MnHexP gefunden. Zwei der 239 Proben überschritten zudem den Wert, der als unkritisch gilt.
Allerdings ist die Ursache für diese erhöhten Werte laut BfR nicht abschließend geklärt.
Chemikerin Hegmanns gibt auch hier Entwarnung: 2024 konnte ihr Team vom CVUA Karlsruhe zwar in mehr als der Hälfte der Sonnenschutzmittel DnHExP finden, es habe aber trotzdem nie ein Gesundheitsrisiko bestanden. Auch laut BfR ist DnHexP in Sonnencremes bisher nur in so geringen Mengen vorgekommen, dass keine Schäden zu erwarten seien.
Außerdem hat die Industrie laut Hegmanns auf frühere Messungen schnell reagiert: „Weil wir jetzt im letzten Jahr bei allen Sonnencremes, die wir untersucht haben – das waren so ungefähr 130 Stück – nur noch in 20 Prozent der Produkte überhaupt diesen Weichmacher haben nachweisen können. Also, die Tendenz ist ganz stark abnehmend, dass dieser Weichmacher eigentlich nur noch in ganz geringen oder gar keinen Gehalten mehr in der Sonnencreme vorkommt.“
Ab nächstem Jahr ist das sogar Gesetz: Die EU begrenzt den Weichmacher DnHexP dann auf maximal ein Milligramm pro Kilogramm Sonnencreme.
Antioxidantien ersetzen Sonnencreme nicht
In sozialen Medien behauptet so mancher Influencer, sich von innen vor Sonnenstrahlung zu schützen – mit Antioxidantien. Diese können entweder mit der Nahrung aufgenommen werden, zum Beispiel durch Karotten, Brokkoli oder Nüsse, oder auch auf die Haut aufgetragen werden, zum Beispiel als Kokos- oder Himbeerkernöl.
Es stimmt, dass UV-Strahlen in unserer Haut sogenannte freie Radikale erzeugen, die für Sonnenbrand, Hautalterung und ein höheres Krebsrisiko verantwortlich sind. Und es stimmt auch, dass Antioxidantien diese freien Radikale abfangen.
Ein wirksamer UV-Schutz wie von Sonnencreme ergibt sich durch die Nahrungsaufnahme von Antioxidantien aber nicht. Das zeigen Studien, die im Mittel nur eine geringe Schutzwirkung aufzeigen. Antioxidantien können den Schutz durch Sonnencreme also nur ergänzen.
Drei Tipps zum Sonnenschutz
Einige Punkte sollten wir in Bezug auf Sonnenschutzmittel aber tatsächlich beachten:
- Inhaltsstoffe überprüfen: Die UV-Filter in der Sonnencreme sollten nicht nur vor UVB-, sondern auch vor UVA-Strahlen schützen. Man erkennt sie an einem kleinen Kreis auf der Verpackung, in dem „UVA“ steht. Für Allergiker und Kinder empfiehlt Chemikerin Hegmanns außerdem Cremes ohne Duftstoffe. Zudem sollte der Lichtschutzfaktor des Sonnenschutzmittels zum Hauttyp und zur Sonnenstrahlung passen. Damit dieser Schutz erhalten bleibt, ist zudem regelmäßiges Nachcremen wichtig. Den Lichtschutzfaktor erhöhen kann man dadurch nicht. Ein Mittel mit LSF50 kann den Eigenschutz der Haut also maximal 50-mal verlängern.
- Reichlich Sonnencreme benutzen: Erwachsene brauchen für den ganzen Körper etwa drei bis vier Esslöffel. Das heißt: Nach fünf- bis sechsmal Eincremen sollte eine gewöhnliche Flasche Sonnenmilch mit 200 Millilitern leer sein.
- Haltbarkeit prüfen: Ein Mindesthaltbarkeitsdatum steht zwar nicht auf Sonnencremes, aber ein kleines Tiegel-Symbol zeigt an, wie lange man das Produkt noch bedenkenlos nutzen kann, wenn es einmal geöffnet wurde – zum Beispiel zwölf Monate. Danach wird die Creme zwar nicht schädlich, aber sie schützt vielleicht nicht mehr so gut.
Sonnencreme ist sicher und wirksam
Alles in allem bleibt festzuhalten: Sonnencreme schützt vor Hautkrebs, lässt unsere Haut langsamer altern und ist in aller Regel gesundheitlich unbedenklich. Das betont auch Maren Hegmanns vom CVUA Karlsruhe: „Ich bin immer erstaunt, warum gerade bei dem Thema Sonnenschutzmittel so viel negative Dinge gesprochen und geschrieben werden, weil eigentlich können wir ja sehr froh sein, dass es etwas gibt, was uns vor einer bestimmten Krebsart wirklich sehr gut schützen kann.“

