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Startseite»Politik»Was über die Erdbeben in Venezuela bekannt ist
Politik

Was über die Erdbeben in Venezuela bekannt ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 25.06.2026 • 18:42 Uhr

In Venezuela hat es zwei schwere Erdbeben gegeben. Experten rechnen mit sehr hohen Opferzahlen – und schwerwiegenden Auswirkungen auf die Infrastruktur des südamerikanischen Landes. Was ist bislang bekannt?

Die venezolanische Regierung spricht von Erdbeben noch nie dagewesenen Ausmaßes. Wie groß die Folgen tatsächlich sind, ist bislang nicht absehbar. Was bisher bekannt ist.

Was ist passiert?

Zwei schwere Erdbeben haben das südamerikanische Land erschüttert. Das erste Beben hatte sich am Mittwoch um 18.04 Uhr Ortszeit ereignet, 24 Kilometer östlich von San Felipe im Nordwesten des Landes in einer Tiefe von 21,9 Kilometern. Das zweite, stärkere Erbeben ereignete sich wenige Kilometer weiter nördlich in nur rund zehn Kilometern Tiefe. Wegen der geringen Tiefe dürften die Auswirkungen des zweiten Bebens größer sein.

Die Millionenstadt Caracas, aus der nach den Beben die ersten Bilder und Berichte kamen, lag mehr als 150 Kilometer östlich vom Epizentrum. Am stärksten betroffen ist der Bundesstaat La Guaira, wo auch der internationale Flughafen der Hauptstadt Caracas und ein wichtiger Seehafen liegen.

Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke der beiden Erdbeben mit 7,2 und 7,5 an. Zwischen beiden Erschütterungen lagen laut USGS nur 39 Sekunden. Es gab demnach schon 20 Nachbeben.

Wie viele Menschen sind gestorben?

Nach Anhaben der amtierenden Präsidentin Delcy Rodríguez ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 164 gestiegen. Mindestens 971 Menschen wurden verletzt, wie Rodríguez im Sender VTV mitteilte. Mehr als 10.000 Menschen gelten als vermisst. Experten gehen von noch deutlich höheren Opferzahlen aus. Eine automatische Modellrechnung der US-Erdbebenwarte basierend auf der Stärke des Bebens und der Nähe einiger Städte legte eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit von mehr als tausend Todesopfern nahe. Angaben zu deutschen Todesopfern gab es bisher nicht.

In den ländlicheren Regionen, abseits der Hauptstadt Caracas, ist die Situation noch unübersichtlicher. Nach Angaben von Janine Lietmeyer von der Hilfsorganisation World Vision Deutschland sind aktuell Erkundungsteams auf dem Weg in abgelegene Dörfer, um sich ein Bild der Lage vor Ort zu machen.

Grundsätzlich geht es vor allem um Zeit: Normalerweise entscheiden die ersten 24 Stunden nach einem so schweren Beben darüber, ob und wie viele Menschen noch lebend geborgen werden können. Bei tropischen Temperaturen in der betroffenen Region könnte dieses Zeitfenster noch deutlich kürzer sein, erklärte dazu Sabine Kurtenbach, Lateinamerika-Expertin am GIGA-Institut in Hamburg, im Gespräch mit tagesschau24.

Wie kam es zu der Katastrophe?

Venezuela liegt in einer seismisch aktiven Zone. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte ist das Erdbeben auf einer Erdplattenverschiebung aufgetreten, und zwar zwischen der karibischen und der südamerikanischen Platte, die sich gegeneinander bewegten. In Fachkreisen wird aktuell diskutiert, ob es in Venezuela nun zwei starke Erdbeben in kurzer Folge gegeben habe oder ob es ein einziger Bruch gewesen sei.

Im Norden Venezuelas war es in der Vergangenheit bereits zu starken Erdbeben gekommen – allerdings nicht in diesem Ausmaß. Die Beben von Mittwochabend sind die stärksten seit mehr als einem Jahrhundert. Sie trafen das Land unerwartet – und unvorbereitet.

Welche Auswirkungen haben die Beben?

Neben der unmittelbaren Folgen für Leib und Leben der Menschen in den betroffenen Gebieten befürchten Expertinnen und Experten auch schwerwiegende langfristige Folgen für das gebeutelte Land, vor allem für die Infrastruktur. Diese sei schon vor der Naturkatastrophe in einem schlechten Zustand gewesen, berichtet Janine Lietmeyer von World Vision.

Alle lokalen Kapazitäten seien schlecht aufgestellt, so Lietmeyer. Dazu zählt zum Beispiel auch die medizinische Versorgung. Bereits jetzt sind Lietmeyer zufolge schon 7,9 Millionen Menschen im Land auf humanitäre Hilfe angewiesen, diese Zahl dürfte sich weiter erhöhen. Auch der Zugang zu Bildung kann weiter erschwert werden, etwa durch eingestürzte Schulen.

Venezuela litt jahrzehntelang unter Missmanagement und Korruption. Hinzu kamen US-Sanktionen, bevor die US-Regierung den früheren Machthaber Nicolás Maduro im Januar 2026 gefangen nahm und Rodríguez Übergangspräsidentin wurde. Rund 70 Prozent der Menschen leben in Armut – viele haben das Land verlassen. Die Resilienz der Bevölkerung ist laut Lietmeyer entsprechend gering.

Welche Hilfe braucht das Land?

Laut Lietmeyer werden vorerst vor allem sauberes Trinkwasser, medizinische Versorgung und Lebensmittel benötigt.

Die amtierende Präsidentin Rodríguez hat angekündigt, dass für den Wiederaufbau von Infrastruktur, Kranken- und Wohnhäusern ein Fonds geschaffen werde. Dieser solle ein Volumen von 200 Millionen Dollar haben und aus Mitteln des Internationalen Währungsfonds gespeist werden. Viele internationale Akteure, darunter die USA und Deutschland, versprachen Hilfe.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die US-Regierung bringe sofort Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sagte, die Bundeswehr stehe mit sechs Transportflugzeugen A400M bereit, um Unterstützung zu leisten. Auch Spanien, die EU, El Salvador, China oder Brasilien kündigten Hilfe an. Auch Nichtregierungsorganisationen wie Unicef haben Hilfe in Form von Geld angekündigt.

Da der internationale Flughafen aufgrund von Schäden gesperrt wurde, müssten Teams etwa aus dem Nachbarland Kolumbien über die Grenze gelassen werden, erklärt Experten Lietmeyer. Das Grenzgebiet gilt allerdings als schwer zugänglich, unter anderem aufgrund von Drogenschmuggel in der Gegend. Nach Angaben von Kurtenbach könnte der Weg über kleinere Flughäfen möglicherweise infrage kommen. Ob und wann dies möglich ist, gilt es allerdings abzuwarten.

Wie geht es weiter?

Erst einmal hat nach wie vor die Suche nach Vermissten Vorrang. Die Übergangsregierung von Rodríguez hat den nationalen Notstand ausgerufen, um unter anderem um Polizei, Feuerwehr und Militär leichter mobilisieren zu können. Wie lange dieser andauern wird, ist ebenfalls noch unklar. Für obdachlos gewordene Menschen wurden Notunterkünfte eingerichtet.

Mit Informationen von Jenny Barke, ARD-Studio Mexiko.

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Dr. Heinrich Krämer
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