Kurz vor der Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine hatte Präsident Selenskyj seine Teilnahme abgesagt. Grund war ein Streit mit Gastgeber Polen. Für ihn nahm Regierungschefin Swyrydenko neue Milliardenzusagen entgegen.
Zur Konferenz in Danzig sind Delegationen aus der ganzen Welt angereist: Von Argentinien über Belgien bis Japan. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und danach mühsam wiederaufgebaut. Für den polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk ein symbolischer Ort, denn „er zeigt, dass das Wunder des Wiederaufbaus passiert, wenn sich die Menschen das sehr wünschen“.
Dieses Wunder soll auch für die Ukraine wahr werden – später, wenn die Waffen endlich schweigen. Doch schon jetzt bereitet man den Wiederaufbau vor. Und die Ukraine braucht Hilfen – noch vor Ende des Krieges. Die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen, kündigte an, die Ukraine solle noch während der Konferenz mehr als drei Milliarden Euro bekommen, um ihren Haushalt zu stabilisieren.
Ukraine-Aufbaufonds ist laut von der Leyen startklar
Vor einem Jahr in Rom habe man einen Europäischen Flaggschiff-Fonds angekündigt, so von der Leyen. In Danzig konnte sie dazu Konkretes verkünden: „Der Fonds ist startklar. Daraus wird in einige der strategisch wichtigsten Zukunftssektoren der Ukraine investiert: saubere Energie, Infrastruktur und in wachstumsstarke Unternehmen.“
EU-Darlehen, staatliche Hilfen – das allein werde für die Mammutaufgabe Wiederaufbau nicht reichen, machte Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich. Privatkapital muss auch her. Dafür wollen die Europäer einen gemeinsamen Mechanismus ins Leben rufen und die Risiken teilen. Um Privatinvestoren warben die Politiker besonders. Ursula von der Leyen ist sich sicher: „Wenn Sie in die Ukraine investieren, investieren Sie in Europa.“
Ein wichtiges Zeichen für die Geldgeber und das Land. Die Ukraine würde bald dem SEPA-Verfahren beitreten. Das soll die Geschäfte erleichtern.
Firmen soll Zugang zum Markt erleichtert werden
Bei der Konferenz findet auch eine Messe für Unternehmen statt. Große Firmen sind dort vertreten. Aus Deutschland zum Beispiel kamen bekannte Technologieunternehmen, Industriedienstleister, Drohnen- und Fahrzeughersteller.
Aber auch Geschäftsleute, die noch am Anfang stehen, sind da. Etwa Maksym Stukalo aus der Ukraine. Er hat an der Front gekämpft, wurde verwundet und baut sich jetzt eine neue Existenz auf. In Danzig sucht er Geldgeber. Er möchte Campingplätze bauen und Campingwagen vermieten. „Ich bin hier, um einen ersten Campingplatz bauen zu können, einen Piloten. Dort sollen sich die Kriegsveteranen wieder erholen und die Zivilisten entspannen“, sagt Stukalo.
Campingplätze gebe es noch nicht so viele in der Ukraine, erzählt er. Die könnte er jetzt schon aufbauen, beispielsweise in Transkarpatien, einer Region im Westen der Ukraine, die nicht so stark vom Krieg betroffen ist.
Polnische und ukrainische Beziehungen sind belastet
Die Stimmung in Danzig ist vorsichtig hoffnungsvoll. Vielleicht könnte der Wiederaufbau schon bald losgehen. Die Ukraine sei in einer neuen Position der Stärke, sagte Kanzler Merz. Er richtete an Moskau eine klare Ansage: „Es ist an der Zeit, Verhandlungen aufzunehmen, die Frontlinie einzufrieren und das Töten zu beenden.“
Bis es so weit ist, muss die Ukraine weiter durchhalten – und auf den Rückhalt von Partnern aus aller Welt bauen. Auch auf Polen, ihren direkten Nachbarn. Zwischen den beiden Ländern war kurz vor der Konferenz ein Streit entbrannt. Bis heute schätzen die Ukraine und Polen einige Ereignisse der schwierigen gemeinsamen Geschichte unterschiedlich ein.
Der Streit führte dazu, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij nicht nach Danzig kam. Doch vielleicht hilft die Konferenz auch hier weiter: Die Regierungschefin der Ukraine, Julija Swyrydenko, und der polnische Ministerpräsident Tusk verstanden sich jedenfalls gut. Der eine nannte die Ukrainer Freunde, die andere dankte Polen für die Unterstützung.

