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Startseite»Politik»40 Grad im Juni – ist das das neue Normal?
Politik

40 Grad im Juni – ist das das neue Normal?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 26.06.2026 • 13:14 Uhr

Am Wochenende soll die Hitzewelle ihren Höhepunkt erreichen, doch schon jetzt ist klar: Die extrem hohen Juni-Temperaturen sind außergewöhnlich. Oder müssen wir uns an immer mehr Hitzetage gewöhnen?

Tim Staeger

Deutschland schwitzt – und das seit Tagen. Seit dem 16. Juni liegen die Höchstwerte am Oberrhein über 30 Grad. Am Montag soll die Hitze ihr Ende finden, dann werden in der Südhälfte Deutschlands verbreitet zehn bis zwölf Hitzetage in Folge registriert worden sein.

Zudem werden voraussichtlich an zahlreichen Stationen Allzeit-Temperaturrekorde aufgestellt – sogar die bisher höchste deutschlandweit aufgetretene Temperatur von 41,2 Grad, gemessen am 25. Juni 2019 in Tönisvorst sowie in Duisburg, könnte überschritten werden.

Temperaturen steigen weiter

Denn der Höhepunkt steht hierzulande noch bevor. Die Hitzekuppel, die bereits in den vergangenen Tagen in Frankreich und Großbritannien für Rekordtemperaturen sorgte, verlagert sich ostwärts – und mit ihr die heiße Luft.

So werden am Samstag vor allem im Westen in den Niederungen über 40 Grad erwartet, örtlich sind sogar Spitzenwerte über 41 Grad denkbar. Am Sonntag liegt der Hitzeschwerpunkt dann über dem Osten mit Höchstwerten von ebenfalls über 40 oder sogar über 41 Grad, bevor sich mit kräftigen Gewittern kühlere Luft aus Nordwesten durchsetzt.

Kommende Woche herrscht dann wieder ein für die Jahreszeit normales Temperaturniveau mit Höchstwerten von verbreitet etwa 25 bis 30 Grad.

Warum ist es gerade so heiß?

Welche Faktoren zeichnen für diese extreme Hitze verantwortlich? Die aktuelle Großwetterlage über Mittel- und Westeuropa wird von einem sogenannten stationären Hoch dominiert, welches seit etwa zehn Tagen flankiert von Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik sowie über Russland ortsfest über dem westlichen Mitteleuropa thront. Durch eine südwestliche Strömung zwischen diesem Hoch und dem Atlantiktief ist heiße Luft aus Nordwest-Afrika nach Europa eingeflossen und wird nun unter dem Hoch quasi gefangen gehalten.

In einem Hoch sinkt die Luft ab und wird dabei komprimiert, was zu einer weiteren Erwärmung führt. Ein noch wichtigerer Faktor ist die Sonneneinstrahlung, die aktuell bei einer Tageslänge von rund 16 Stunden und einem meist wolkenlosen Himmel für eine zusätzliche Erwärmung der unteren Luftschichten sorgt. Durch die anhaltende Hitze trocknen zudem die oberen Bodenschichten aus, wodurch der kühlende Effekt der Verdunstung verringert wird, was ebenfalls die Hitze steigert.

Aktuelles Szenario vor 50 Jahren fast unmöglich

Wie ungewöhnlich diese Hitzewelle ist, lässt sich mit Hilfe sogenannter Attributionsstudien abschätzen. Hierbei werden Verläufe aktueller Wetterlagen mit Hilfe von speziellen Klimamodellen zu früheren Zeiten simuliert und dadurch Wahrscheinlichkeiten für Schwellenüberschreitungen wie beispielsweise die aktuell auftretenden Höchstwerte abgeschätzt.

Eine aktuelle Studie der World Weather Attribution kommt zu dem Schluss, dass die Intensität der aktuellen Hitzewelle bei vergleichbarer Wetterlage vor 50 Jahren fast unmöglich war, da das Temperaturniveau bei solchen Hitzewellen damals etwa 3,5 Grad niedriger lag als heute.

Seit dem Hitzesommer 2003 hat sich laut dieser Studie die Wahrscheinlichkeit für die aktuellen Höchstwerte in etwa verzehnfacht. Die nächtlichen Tiefstwerte, die dieser Tage im Westen mancherorts nicht unter 25 Grad absinken, sind seit 2003 sogar um den Faktor 100 wahrscheinlicher geworden.

Entwicklung hängt von Emissionen ab

In den kommenden Jahrzehnten werden Anzahl, Intensität sowie das mögliche Zeitfenster des Auftretens von Hitzewellen hierzulande weiter systematisch zunehmen. Ob solche Extremereignisse bald als das neue Normal gelten, hängt kritisch von der Entwicklung der globalen Treibhausgas-Emissionen ab.

Seit der Industrialisierung hat sich die globale Mitteltemperatur um 1,4 Grad erhöht. Europa hat sich innerhalb dieses Zeitraumes sogar um etwa 2,5 Grad erwärmt, da Kontinente aufgrund ihrer niedrigen Wärmekapazität schneller reagieren als die thermisch trägeren Meere. Zudem sorgt die sich besonders schnell erwärmende Arktis auch in Europa für markante Temperaturanstiege.

Verdreifachung der Hitzetage bis 2100 möglich

Unter Zugrundelegung eines mittleren Emissionsszenarios wird die globale Mitteltemperatur im Jahr 2100 etwa 2,7 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen, in Europa und Deutschland könnte es dann im Mittel jedoch sogar vier bis fünf Grad wärmer sein. Da sich Extreme überproportional verändern, ist bis dahin eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Anzahl von Hitzetagen sowie von Tropennächten plausibel. Dann wäre eine sommerliche Hitzewelle, wie wir sie dieser Tage erleben, tatsächlich an der Tagesordnung.

Da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen kann – etwa sieben Prozent pro ein Grad Temperaturerhöhung – werden zudem Starkregenereignisse deutlich extremer ausfallen als heutzutage.

Ein Luftmassenwechsel mit Hitzegewittern, wie sie am Sonntag drohen, würde dann mit Regenmengen einhergehen, die etwa zehn bis 25 Prozent höher liegen als heute. In den kommenden Jahrzehnten werden also sowohl größere Hitze und längere Dürrephasen, als auch intensivere Starkregenereignisse hierzulande das Wettergeschehen über die Sommermonate prägen.

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Dr. Heinrich Krämer
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