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Düstere Hitze-Prognose bis 2100: Sind mehr Klimaanlagen Deutschlands Rettung?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Düstere Hitze-Prognose bis 2100Sind mehr Klimaanlagen Deutschlands Rettung?

26.06.2026, 13:25 Uhr Von Kai Stoppel
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Klimaanlagen sind in Deutschland noch eine Rarität. Doch Fachleute raten eher zu anderen Methoden, um die Risiken von Hitzewellen zu minimieren. (Foto: picture alliance / MAX HERBST / APA / picturedesk.com)

Europa erhitzt sich durch den Klimawandel so stark wie kein anderer Kontinent. Gleichzeitig wird die Bevölkerung immer älter. Sollten keine Maßnahmen ergriffen werden, droht die Zahl der Hitzetoten dramatisch zu steigen. Sind mehr Klimaanlagen ein möglicher Ausweg?

Eine Hitzewelle sucht Europa im frühen Sommer 2026 heim. Der Kontinent verzeichnet weltweit bereits den höchsten Temperaturanstieg durch die Erderwärmung. Und das ist riskant: Laut den UN gibt es in Europa bereits jetzt 175.000 Hitzetote pro Jahr. Gleichzeitig ist die Verbreitung von Klimaanlagen in Teilen Europas erstaunlich niedrig. Liegt dort das eigentliche Problem?

Dass eine Anpassung an die neue Klima-Realität bitter nötig sein dürfte, verdeutlicht eine Studie aus dem Jahr 2024: Forscher hatten berechnet, wie stark die Zahl der Hitzetoten in Deutschland bis 2100 steigen würde, sollte es keine Maßnahmen geben. Von zuletzt im Schnitt etwa 4800 Hitzetoten jährlich könnte sich diese Zahl bis Ende des Jahrhunderts fast verdreifachen – und im Extremszenario sogar verneunfachen. Dabei ist der Effekt der alternden Bevölkerung noch gar nicht berücksichtigt.

In Deutschland wird die jährliche Zahl der Hitzetoten statistisch ermittelt, indem die offizielle Sterbestatistik mit den Temperaturdaten verknüpft wird. Betroffen sind laut Experten vor allem Menschen über 75 Jahre mit Vorerkrankungen, Schwangere und Menschen in schlecht vor Wärme geschützten Unterkünften. In Städten ist das Hitze-Risiko wegen des Wärmeinsel-Effekts höher als auf dem Land.

Mehr Klimaanlagen, weniger Hitzetote

Könnten mehr Klimaanlagen die Lösung sein? In Südeuropa sind diese schon verbreitet, im Schnitt ist die Abdeckung in Europa laut der Internationalen Energieagentur mit knapp 20 Prozent aber deutlich geringer als etwa in Nordamerika mit rund 80 Prozent. „Schätzungen zufolge verfügen in Deutschland derzeit nur etwa fünf bis zehn Prozent aller Wohngebäude über eine aktive Kühltechnik“, sagt Dirk Müller, Experte für Gebäude- und Raumklimatechnik von der RWTH Aachen.

Es gibt Hinweise darauf, dass Klimaanlagen tatsächlich viele Hitzetote verhindern können. Eine Studie aus dem Jahr 2020 stellte einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verbreitung von Klimaanlagen in Ländern wie Kanada, Japan, Spanien und den USA und einem Rückgang des Hitze-Sterberisikos her. Mit einer anderen Untersuchung von 2016 konnte festgestellt werden, dass die Zahl der hitzebedingten Todesfälle in den USA ab 1960 mit der zunehmenden Verbreitung von Klimaanlagen um etwa 75 Prozent zurückgegangen ist.

Effiziente Kühl-Alternativen

Doch Klimaanlagen haben auch Nachteile. Sie benötigen Strom, was den Energiebedarf nach oben treibt und damit den Ausstoß des für die Erderwärmung verantwortlichen Kohlendioxid erhöht, solange noch Gas- und Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung genutzt werden. Und kommt es während einer Hitzewelle zum Stromausfall, fällt die Klimaanlage aus. Zudem kühlen Klimaanlagen, indem sie Wärme aus Innenräumen an die Außenluft abgeben – in Städten verstärkt das den Wärmeinsel-Effekt nur noch weiter.

Doch es gibt Alternativen zu Klimaanlagen, die diese Nachteile nicht haben: „In Neubauten und sanierten Gebäuden mit Flächenheizungen – wie Fußbodenheizungen – bieten Wärmepumpen, insbesondere Erdwärmepumpen, die Möglichkeit einer sehr effizienten Kühlung“, sagt Sibylle Braungardt, Expertin für nachhaltige Energiesysteme an der TU Dortmund. Für dicht bebaute Wohngebiete könnten zudem kalte Wärmenetze oder Fernkälte Lösungen sein, so Braungardt.

Deutsche Städte noch schlecht gewappnet

Experten betonen jedoch immer wieder, dass eher verhindert werden sollte, dass Wärme in Gebäude gelangt. Maßnahmen zur Verschattung oder hellere Oberflächen werden als Ansätze genannt. Auch mehr Bäume und Pflanzen und weniger versiegelte Flächen in Städten können den Wärmeinsel-Effekt reduzieren. „Im Neubau können darüber hinaus die Gebäudeausrichtung, Fensterflächen und die thermische Speichermasse von Beginn an optimiert werden“, sagt Expertin Braungardt.

Einige europäische Städte wie Barcelona, Wien, Paris und London sind bereits sehr aktiv: Dort wurden Kühlzentren eingerichtet, die Stadtbegrünung ausgeweitet und klimaresistente Gebäudesanierungen, darunter auch Gründächer, vorgeschrieben, schreibt der Öko-Thinktank WRI. In fast allen deutschen Städten finden Bürgerinnen und Bürger jedoch immer weniger Schutz vor den Folgen der Klimakrise, kritisierte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) in ihrem Hitze-Check 2026.

Obwohl Europa den weltweit stärksten Temperaturanstieg verzeichnet – etwa 2,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter – stellt eine Studie aus dem vergangenen Jahr fest, dass eine wachsende Anpassungsfähigkeit die Hitzewellen-Sterblichkeit trotz Erwärmung reduziert haben könnte. Die Autoren erklären dies mit dem steigenden Wohlstand – und der zunehmenden Bezahlbarkeit und Nutzung von Kühlsystemen.

Quelle: ntv.de

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