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Politik

Hoffnung und Verzweiflung im Erdbebengebiet von Venezuela

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 11:57 Uhr

Nach zwei verheerenden Erdbeben in Venezuela sind internationale Helfer weiter auf der Suche nach Überlebenden. In den Trümmern herrscht Chaos – doch die Bevölkerung gibt die Hoffnung nicht auf.

Von Anne Demmer, zzt. in Caracas

Auf dem Bürgersteig der Küstenstraße von La Guaira sitzen einige Frauen unter einem Sonnenschirm. Vor ihnen liegen nur noch Trümmer von Vista Mar, wie das Gebäude sich nennt – es habe mal einen Architekturwettbewerb gewonnen, erzählt Jenny Cabrera müde. Sie hofft, dass ihre Eltern noch leben.

Tag und Nacht harrt sie vor dem Gebäude aus. Schläft auf einem weißen Plastikstuhl. „Wenn in den letzten Tagen jemand von den Rettungskräften hier vorbeikam, bin ich immer schnell hingerannt. Ich habe die Deutschen hierhergeholt, die Feuerwehr. Alle, die bereit waren zu helfen.“

Hier sind noch Menschen, die leben. Die Hoffnung haben wir, und wir werden sie nicht verlieren.

Es gebe ein Lebenszeichen einer 56-jährigen Frau, wie es heißt. Auch solche Nachrichten bestärken Jenny Cabrera. Sie setzt sich zurück unter den Sonnenschirm. Der Geruch nach Leichen liegt in der Luft. Es ist heiß in der Küstenstadt. Überall wimmelt es von Menschen in Schutzwesten und gelben Helmen, von plötzlich obdachlos gewordenen Menschen, die nicht wissen, wohin, die mit Plastiktüten auf dem Bürgersteig umherirren oder vor ihren zerstörten Häusern auf Matratzen kampieren. Überall herrscht Chaos.

Provisorische Lager für die Bevölkerung

Auf einem staubigen Grundstück hat das Militär ein provisorisches Camp eingerichtet. Kleiderspenden wurden achtlos auf einen Haufen geschüttet. Männer, Frauen und Kinder fischen nach passenden Kleidungsstücken. Viele haben alles von einem Moment auf den anderen verloren. Das Militär verteilt Medikamente, Windeln, Wasser und Lebensmittel. Familien haben Bettenlager aufgebaut. Drum herum gibt es nur noch Trümmer und Verwüstung.

Ein provisorisches Lager in La Guaira.

Ein Hubschrauber landet auf dem Platz, Staub wirbelt auf und legt sich auf die Bettenlager. Jenerley hält die Hände schützend vor das Gesicht ihrer Tochter. Sie ist verzweifelt. Sie wohnte in einem der Sozialbauten der Regierung. Jetzt weiß sie nicht, wohin. Informationen von offizieller Seite gebe es nicht, erzählt sie.

Ich habe das Gefühl für die Zeit verloren – welcher Wochentag ist, welches Datum, die Uhrzeit.

Sie sei dankbar, dass internationale Helfer kommen, sagt sie. „Ich bin zweimal im Treppenhaus gestürzt, habe mich verhakt. Meine Nachbarin hat die Kleine genommen. Ich bin barfuß rausgerannt.“ Ihr Mann sei mit einer anderen Nachbarin hinterhergekommen. Diese wollte aber unbedingt zurück, ihre Ersparnisse und Wertsachen mitnehmen. Sie habe es nicht überlebt.

Nicht die erste Naturkatastrophe in La Guaira

Für La Guaira ist es nicht die erste Katastrophe. Im Jahr 1999 verwüsteten Erdrutsche, die durch sintflutartige Regenfälle ausgelöst wurden, die Armenviertel in den Hügeln der Stadt und forderten mindestens 15.000 Todesopfer.

Und nun das Beben. Inzwischen sind Rettungsteams aus mindestens 17 Ländern unterwegs in die Krisenregion oder bereits dort eingetroffen, unter anderem das Technische Hilfswerk (THW) aus Deutschland, Rettungskräfte aus Spanien, El Salvador, Kolumbien, Mexiko.

Rettung vier Tage nach dem Beben

Vor den Trümmern von Vista Mar gibt es Bewegung. Die freiwilligen Helfer der venezolanischen Organisation Ángeles de las Vías gibt der Menschentraube ein Zeichen, dass sie Platz machen soll. Und dann wird die 56-jährige Ketty Arcaya ganz langsam über das Geröll herausgetragen. Auch John Morrison ist mit seinem Rettungsteam aus den USA dabei.

„13 Stunden hat es von der ersten Kontaktaufnahme gedauert, bis sie gerettet werden konnte. Vorher wurden ihr durch eine Öffnung bereits Medikamente gegeben“, erklärt der Rettungshelfer. Dann hätten sie die Öffnung immer weiter ausgehöhlt, um sie rauszuholen. Es sei eine großartige Teamarbeit gewesen.

César hat bereits gestern Lebenszeichen von der 56-Jährigen gehört. Doch niemand wollte ihm so recht glauben, erzählt der freiwillige Helfer. „Sie hat nach Hilfe gerufen. Sie hat Klopfzeichen gegeben. Ich hoffe so sehr, dass wir noch weitere Menschen retten können.“ Mehr als vier Tage nach dem Beben wurde Ketty Arcaya gerettet.

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