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Startseite»Nachrichten»Nächstes WM-Fiasko droht: Kann die DFB-Elf tatsächlich an Paraguay scheitern?
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Nächstes WM-Fiasko droht: Kann die DFB-Elf tatsächlich an Paraguay scheitern?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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29.06.2026 | 12:09 Uhr

Einen weiteren Aussetzer kann sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM nicht leisten. Nach der Pleite gegen Ecuador schrillen die Alarmglocken. Nun wartet wieder ein Gegner, der extrem physisch spielt.

Der ehemalige Bundesliga-Stürmer Nelson Valdez spricht gleich zwei Warnungen aus. Der Mann, der für Werder Bremen und den BVB auflief, sieht sowohl auf Deutschland als auch auf Paraguay Probleme zu kommen. Beide Nationen treten an diesem Montagabend (22.30 Uhr, ZDF, MagentaTV und im Liveticker bei ntv.de) in der ersten K.o.-Runde, im Sechzehntelfinale, gegeneinander an.

„Es wird ein super schwieriges Spiel für Paraguay. Deutschland ist Favorit, aber es wird auch für die Deutschen ein super umkämpftes, vielleicht auch hakeliges Spiel werden“, sagte Valdez dem „Kicker.“ Auch die Türkei sei in der Vorrunde gegen Paraguay „vielleicht der Favorit“ gewesen, „aber wir haben erreicht, dass es anders kam“, betonte Valdez. Die Türken verloren gegen zehn Mann 0:1 und schieden aus. „Für Deutschland“, warnte Valdez, „wird es nicht einfach, Paraguays Defensivblock zu überwinden“. Es ist ein Block, der sehr physisch spielt.

Für die Nagelsmann-Elf sind diese Einschätzungen keine guten Nachrichten. Nicht nach dem Donnerstagabend der vergangenen Woche. Trotz umstrittener Blitz-Führung durch Leroy Sané zerbrach die Nationalmannschaft vor den Augen der Welt. Sie wurden von einem zunächst verzweifelten und dann leidenschaftlichen Gegner mit jeder Minute aufgefressen. Ecuador raubte dem deutschen Team mit jedem Zweikampf mehr und mehr den Verstand. Nach dem Schlusspfiff stand nicht nur eine 1:2-Niederlage, sondern reichlich Nervosität.

Das Problem mit der Physis

Nun also Paraguay. Wieder ein Gegner aus Südamerika. Wieder Leidenschaft pur. Individuell nicht so stark wie Ecuador, nicht so stark wie die Elfenbeinküste am zweiten Gruppenspieltag. Aber ein Gegner, der vor allem gnadenlos verteidigt und überfallartig nach vorne stürmt. Und genau mit diesen simplen Mitteln hat das DFB-Team bei dieser WM sehr zu kämpfen. Die körperliche Robustheit greift die Achillesferse der Nationalmannschaft an. „Greif sie an, dann tun sie dir nicht mehr weh“, analysierte ntv.de-Experte Arie van Lent nach dem Spiel gegen Ecuador nicht zum ersten Mal in diesem Turnier.

Kaum ein Spieler findet sich bislang im Turnier, der sich als Anführer der Wehrhaften anbietet. Manchmal ist es Joshua Kimmich, der auf der rechten Seite aber zu wenig Zugriff hat und ohnehin mit pfeilschnellen Stürmern reichlich ausgelastet ist. Manchmal ist es Felix Nmecha, der aber viel zu viele Rollen für indisponierte Kollegen einnehmen muss. Und manchmal ist es Deniz Undav, der ist nicht Anführer, aber Erzwinger. Über die festen Rollen der DFB-Stars sind mittlerweile heiße Diskussionen entbrannt. Bundestrainer Julian Nagelsmann sagte vor dem Spiel, dass nicht nur die Experten, sondern auch das Trainerteam eifrig debattiere. Änderungen sind nicht ausgeschlossen. Also Kimmich zurück ins Zentrum? Und Undav in die Startelf? Denkbar scheint nun alles.

Die Themen Aufstellung und System sind ohnehin eher nachrangig, wenn das deutsche Team erneut so fahrig und Duell-scheu auftritt. Wenn es vom Willen und der Wucht des Gegners erschlagen wird. Und der Druck auf das DFB-Team, das bei dieser WM von Spiel zu Spiel schwächer geworden ist, ist gigantisch. Nach 2018 und 2022 wäre eine Niederlage die nächste WM-Blamage und die endgültige Abmeldung aus dem Kreis der natürlichen Favoriten. Deutschland hat vier seiner vergangenen neun WM-Spiele verloren. Eine weitere Niederlage wäre ein Desaster. Deutschland muss eine dauerhafte Blitz-Resilienz finden, wie in den letzten 30 Minuten gegen die Ivorer. Denn gegen Paraguay wird es vor allem eins werden: ein knackiges Zweikampfspiel.

Paraguay kämpft bis zur maximalen Erschöpfung

Diese Mentalität hat der argentinische Trainer Gustavo Alfaro Paraguay wieder eingetrichtert. 16 Jahre lang war Paraguay nicht bei der WM dabei, nun kämpft es sich durch das größte Turnier der Welt. Gegen die Amerikaner legte das Team beim 1:4 eine Bruchlandung zum Start hin, dann aber folgte ein beeindruckender Sieg gegen die fassungslose Türkei. Trotz der historischen Roten Karte gegen Miguel Almirón wegen der Hand-vor-den-Mund-Geste. Angeführt von Gustavo Gomez, der seit Jahren als einer der besten Verteidiger Südamerikas gilt, warfen sie sich bis zur maximalen Erschöpfung und darüber hinaus in jedes Duell. Sie litten und ließen ihren Gegner leiden. Und was aufs Tor kam, das hielt Keeper Orlando Gill.

Nagelsmann meckert über „Quatsch“ – Undav sieht’s anders

Defensive, das können die Paraguayer: In der anspruchsvollen Südamerika-Qualifikation kassierte die Mannschaft in 18 Spielen nur 10 Gegentore. Einzig Ecuador ließ noch etwas weniger zu. Dass es Paraguay erstmals seit Südafrika 2010 zur WM geschafft hat, ist vor allem das Werk von Trainer Alfaro. Denn zu Beginn der kräftezehrenden „Eliminatorias“ lief es für die Albirroja katastrophal. Nach sechs Spielen standen gerade mal fünf Punkte und ein erzieltes Tor auf dem Konto. Dann kam Alfaro. Der Argentinier hatte zuvor Costa Rica trainiert und Ecuador 2022 zur WM in Katar geführt. „Die WM-Quali war ganz weit weg, als er übernommen hat. Die Spieler waren größtenteils dieselben. Das heißt, er hat das bestehende Team deutlich besser gemacht“, erläuterte Johannes Skiba, Experte für Fußball in Südamerika, im Podcast „ntv Sport“.

ntv Sport – der WM-Podcast

„ntv Sport – der WM-Podcast“ ist das tägliche Audio-Briefing zur Fußball-WM. Das Format bringt die wichtigsten Entwicklungen der WM-Nacht, alle Ergebnisse, zentrale Stimmen und aktuelle Reporter-Informationen jeden Morgen schnell, klar und relevant auf den Punkt.
Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, RTL+, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden.

Als Trainer von Paraguay holte Alfaro in seinem ersten Spiel ein 0:0 in Uruguay, im ersten Heimspiel wurde Brasilien mit 1:0 besiegt. Der Traumeinstand war der Beginn einer famosen Serie. Unter Alfaros Führung blieb Paraguay neun Spiele in Folge unbesiegt und verlor von den zwölf Quali-Spielen in Alfaros Amtszeit nur ein einziges, in Brasilien. Sieben Mal hielt Keeper Gill die Null. Und das, obwohl es sich bei dem Team um eine Ansammlung in Europa größtenteils Namenloser handelt. Der Kader Paraguays bringt es auf einen Marktwert, der dem vom 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach ähnelt. Der wertvollste Spieler im Kader, Julio Enciso, hat den Marktwert von David Raum (circa 25 Millionen Euro).

„Ureigene Identität“ kehrt zurück

„Alfaro hat die Mannschaft motiviert, wie dies lange nicht der Fall war, und das Ergebnis ist offensichtlich“, lobte Torwart-Ikone Chilavert vor Turnierbeginn im Gespräch mit dem „Kicker“. Er schwärmte davon, wie sich das Mindset im Team verändert habe. „Die Einstellung wie einst, die frühere Aggressivität, die uns damals ausgezeichnet hat, ist zurück. Ich bin darüber sehr froh, denn Paraguay hatte lange Zeit diese uns ureigene Identität verloren.“

Jürgen Klopp erklärt den Schlüssel zum Paraguay-Spiel

Video poster

Aber das Team wird nicht nur von „Kriegern“ und Abwehr-Monstern getragen, sondern hat auch im Spiel nach vorne durchaus Möglichkeiten. Gerade Julio Enciso ist ein sehr schneller, wendiger und explosiver Spieler. Seine Beschleunigung und sein Dribbling auf engem Raum zählen zu seinen größten Stärken. Er kommt entweder über das Zentrum oder die linke Seite. Wäre also Gegenspieler von Kimmich, der gegen Tempodribbler bislang sehr an seine Grenzen kommt. In der Offensive fehlt Diego Gomez nach seiner zweiten Gelben Karte, dafür kehrt Almirón nach seiner Sperre zurück. Andere Waffen für das schnelle Umschaltspiel nach vorne: Der in Brasilien geborene und erst dieses Jahr eingebürgerte Mauricio von Palmeiras in Sao Paolo, der büffelige Isidro Pitta oder der in Barcelonas Talentschmiede „La Masia“ ausgebildete Antonio Sanabria.

Kann die DFB-Elf tatsächlich an Paraguay scheitern? Ja, sie kann.

Dieser Text erschien bereits am Freitag der vergangenen Woche und wurde aktualisiert.

Verwendete Quelle: ntv.de

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