Nach der WM-Niederlage gegen Ecuador ist die Stimmung bei vielen deutschen Fans gedrückt. Die Erwartung: Die Mannschaft berappelt sich im Sechzehntelfinale gegen Paraguay – und der Fußballsommer kann weitergehen.
Die Sonne brennt auf das Kopfsteinpflaster, Touristen suchen Schatten direkt am Kölner Dom. Deutschlandfahnen wehen im warmen Wind in der Auslage im Kiosk von Omar in der Kölner Altstadt. „Das WM-Fieber ist noch nicht ausgebrochen, aber leicht da. Die Menschen kaufen kleine Flaggen, der Anglerhut geht erstaunlich gut. Nur Schminke habe ich bei den Temperaturen noch nicht verkauft“, sagt Omar.
In vielen Gesprächen dreht es sich um ein Thema, beobachtet er: das Sechzehntelfinale der deutschen Nationalmannschaft. Vom großen Ansturm wie bei früheren Heimturnieren möchte Omar noch nicht sprechen. Trotzdem spüre er, dass Begeisterung da ist. „Wenn Deutschland das Sechzehntelfinale gewinnt, wird das Geschäft wahrscheinlich noch einmal deutlich anziehen. Dann wird das WM-Fieber steigen.“
Wachgerüttelt durch die Niederlage?
Vor einem Kölner Brauhaus sitzt Daniel Schuster mit seiner Freundin im Schatten. Beide im Deutschland-Trikot, beide mit Sonnenbrille und mit ganz viel Hoffnung vor dem Spiel. „Wir schaffen das, wenn es darauf ankommt“, sagt Fan Daniel Schuster und trinkt einen Schluck aus seinem Kölschglas. „Die Mannschaft muss jetzt endlich zeigen, dass sie aus den Fehlern gelernt hat. In einem Turnier gibt es manchmal schwächere Spiele. Entscheidend ist, wie du darauf reagierst.“
Seine Freundin Jana sieht das ähnlich. Auch wenn die Leistung beim letzten Gruppenspiel gegen Ecuador bei ihr Fragen aufgeworfen hat. „Natürlich bin ich enttäuscht. Die kommen mit der Körperlichkeit der Gegner nicht klar. Das war auch beim Spiel gegen die Elfenbeinküste so.“ Sie hoffen beide, dass der Denkzettel gegen Ecuador gereicht hat, die Mannschaft wachzurütteln.
„Wir werden Weltmeister!“
Am Brauhaus schlendert Christian mit seinen beiden Söhnen vorbei. Die beiden Jungs tragen Deutschland-Kappen, Vater Christian trägt Sorgen mit sich herum. „Da war vieles zu langsam. Im Spiel muss jetzt mehr kommen“, sagt Christian. Das letzte Gruppenspiel habe ihn nachdenklich gemacht. „Es geht mir nicht um das Ergebnis, sondern um die Art und Weise. Es ist WM. Da musst du immer 100 Prozent geben.“
Sein Sohn Jonte ist da deutlich optimistischer und unterbricht seinen Vater: „Wir werden Weltmeister. Es ist egal, gegen wen wir spielen“, sagt Jonte.
Positiver Fußballsommer
Im Brauhaus Früh am Dom ist die WM-Stimmung voll da, sagt Claudia Bade. Sie arbeitet als Marketingassistenz in der Früh Gastronomie. „Den Fußballsommer erleben wir bei uns durchweg positiv. Die Stimmung ist wirklich super, das Wetter spielt mit“, sagt Claudia Bade. „Deutschland-Spiele dürfen in Köln auch spät am Abend gezeigt werden. Da ist bei uns jeder Platz belegt. Selbst Menschen in der Stadt bleiben stehen, schauen zu und feiern mit.“
Deutschland-Deko haben sie nicht im Biergarten verteilt. Die Fans würden im Trikot kommen und sie setzen im Brauhaus auf Altbewährtes: „Wir servieren Röggelchen am Tisch, kaltes Kölsch dazu und Mettbrötchen. So können alle den Fußball genießen. Die Begeisterung wird von Spiel zu Spiel besser.“
Leistungssteigerung nötig
Ähnlich sieht das Christel Hartmann, die mit ihrer Familie das Sechzehntel-Finale verfolgen wird. „Man merkt im Bekanntenkreis schon, dass das Interesse wächst. Vor der Gruppenphase wurde noch wenig über die WM gesprochen. Jetzt fragen alle, wo sie das Spiel gucken und wer, was getippt hat“, sagt Christel Hartmann.
Die Kölnerin hofft auf ein wenig mehr Mut im ersten K.o.-Spiel. „Ich wünsche mir mehr Einsatz in den Zweikämpfen und dann bin ich mir sicher, dass noch mehr geht.“
Sie kann die ganzen kritischen Stimmen in Deutschland nicht verstehen. „Sobald es mal nicht gut läuft, sitzen überall qualifizierte Bundestrainer vor dem Fernseher und wissen es besser“, sagt Christel Hartmann. „Das nervt mich. Lasst uns doch einfach das Team anfeuern und hoffen, dass wir möglichst weit kommen.“

