Marktbericht
Eine auffällige Kursbewegung bei Nagarro weckt den Verdacht von Insiderhandel. Das Thema ist aber vor allem an den US-Märkten virulent, wo immer neue Vorwürfe gegen Präsident Trump erhoben werden.
Einen Kurssprung von über 90 Prozent sieht man an der Börse selten. Am Montag können sich die Aktionäre von Nagarro über dieses außergewöhnliche Ereignis freuen. In der Nacht auf Samstag hatten der IT-Dienstleister und der indische Technologiekonzern Persistent ihren beabsichtigten Zusammenschluss verbunden mit einem Angebot von 81 Euro pro Nagarro-Aktie verkündet. Damit wird Nagarro mit etwas mehr als einer Milliarde Euro bewertet.
Der für die Aktionäre erfreuliche Kurssprung hat aber auch eine pikante Komponente. Denn die gerade in den Kleinwerteindex SDAX aufgestiegene Aktie war schon am Freitag vor Bekanntgabe der Pläne um 20 Prozent nach oben geschnellt. Das legt nahe, dass einzelne Marktteilnehmer bereits vorher davon wussten – ein mutmaßlicher Fall von Insiderhandel also.
„Ich wäre sehr schockiert“
Die Unternehmensvertreter zeigten sich denn auch betroffen. Nagarro-Chef Manas Human sieht einen Fall für die Finanzaufsicht BaFin: „Ich erwarte, dass die BaFin das untersucht und hoffe, dass sie herausfinden, was passiert ist“, sagte Human. Der Nagarro-Chef und sein Persistent-Kollege Sandeep Kalra teilten der Nachrichtenagentur Reuters mit, sie hätten die mit den Fusionsplänen betrauten Teams möglichst klein gehalten. „Ich wäre sehr schockiert“, wenn herauskäme, dass dort Insiderwissen ausgenutzt worden sei, sagte Kalra.
Massive Insider-Vorwürfe gegen US-Präsident Trump
Beim Begriff Insiderhandel denken viele Marktteilnehmer aber vor allem an die jüngsten Vorgänge an den US-Märkten. Dort stehen massive Vorwürfe des Insiderhandels und der Marktmanipulation gegen Präsident Donald Trump und sein Umfeld im Raum.
Vor allem die im Mai offengelegten Aktienkäufe von Trumps Firma und mehrere Fälle auffälliger Finanzwetten unmittelbar vor überraschenden Ankündigungen des US-Präsidenten nähren diesen Verdacht.
Sehr auffällig waren beispielsweise Trumps Aufrufe im April 2025, jetzt Aktien zu kaufen, kurz bevor er überraschend eine 90-tägige Pause für fast alle Zölle verkündete. Nur Minuten vor der Mitteilung hatten Marktteilnehmer mit großen Positionen auf steigende Kurse gesetzt.
Im März waren vor allem starke Kaufpositionen und ungewöhnlich hohe Wetten auf fallende Ölpreise platziert worden, kurz bevor Trump auf seiner Plattform Truth Social verkündete, dass er nach „sehr guten Gesprächen“ mit dem Iran für weitere fünf Tage auf Attacken gegen Kraftwerke und Energieinfrastruktur verzichten werde.
Aber auch die jüngste vierteljährliche Offenlegung von Trumps Treuhandfonds Donald J. Trump Revocable Trust zog neue Vorwürfe auch von den oppositionellen Demokraten nach sich. So fielen insbesondere die Käufe der Aktien von Eli Lilly, Apple oder Nvidia auf, kurz bevor diese von politischen Entscheidungen der US-Administration profitierten.
Wird es Ermittlungen geben?
Das Weiße Haus wies die Vorwürfe als absurd zurück. Der US-Präsident habe keinerlei Einfluss auf die Investitionsentscheidungen des Fonds. Trotz der Auffälligkeiten sind Juristen auch nicht sicher, ob es jemals offizielle Ermittlungen zu den Fällen geben wird.
Zum einen ist einem US-Präsidenten Insiderhandel schwer nachzuweisen. Zum anderen wird die US-Börsenaufsicht SEC mit Paul Atkins von einem von Trump ernannten Chef geleitet. Dieser hat sich bisher nicht öffentlich zu den Insiderhandel-Vorwürfen gegen den US-Präsidenten geäußert. Im März war die oberste SEC-Strafverfolgerin Margaret Ryan nach nur einem halben Jahr im Amt überraschend zurückgetreten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete daraufhin unter Berufung auf Behörden-Insider, Ryan sei mit der SEC-Leitung in der Frage der Verfolgung mutmaßlicher Betrugsfälle mit Verbindung zu Trump aneinandergeraten.
DAX bleibt schwunglos
Mit spektakulären Kursbewegungen kann der DAX zu Beginn der neuen Woche nicht aufwarten. Am frühen Nachmittag liegt der deutsche Leitindex 0,1 Prozent im Plus bei 24.700 Punkten. Auffallend schwach sind erneut die Autowerte. „An den Aktienmärkten kommen immer wieder Sorgen wegen der hohen Bewertungen im Technologiesektor auf und in der Folge kommt der DAX per saldo nicht vom Fleck“, kommentierten die Analysten der Landesbank Helaba.

