Verfassungsschutz schlägt AlarmRechtsextreme ködern Kinder im Netz
Immer mehr Minderjährige radikalisieren sich in Chats und Gaming-Foren. Behörden warnen vor einer neuen rechten Jugendkultur, islamistischen Einflüsterern und wachsender Spionage durch Russland und China.
Der neue Verfassungsschutzbericht sieht den Rechtsextremismus weiterhin als größte Bedrohung für die Demokratie und warnt vor einer deutlichen Verjüngung der Szene. Immer häufiger treten gewaltorientierte Rechtsextreme im Jugendalter auf, teils noch minderjährig. Erstmals enthält der Bericht ein eigenes Kapitel zur gezielten Beeinflussung von Kindern und Jugendlichen – die Behörden sprechen von einer systematisch betriebenen Radikalisierung der nächsten Generation.
Besondere Sorge bereitet den Sicherheitsbehörden die Rolle des Internets. Rechtsextreme Akteure nutzen soziale Netzwerke, Chats, Video- und Gaming-Plattformen, um Minderjährige niedrigschwellig anzusprechen und an eine extremistische Weltsicht heranzuführen. Beobachtet werden Fälle, in denen sich junge Menschen innerhalb kurzer Zeit von harmlosen Online-Kontakten zu gewaltbereiten Anhängern entwickeln. Parallel dazu steigt die Zahl rechtsextremistischer Kundgebungen, während die Szene insgesamt wächst: Das Personenpotenzial liegt dem Bericht zufolge inzwischen bei knapp 60.000, der Anteil gewaltorientierter Rechtsextremisten nehme zu.
Auch bei den Straftaten zeigt sich eine hohe Dynamik. 2025 wurden fast 37.000 rechtsextremistische Delikte registriert, darunter knapp 1.400 Gewalttaten – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig sind Körperverletzungsdelikte und fremdenfeindliche Angriffe, die Zahl der Straftaten gegen Asylbewerber und Geflüchtete bleibt trotz eines leichten Rückgangs auf hohem Niveau.
Spionage und Cyberattacken nehmen zu
Der Bericht ordnet diese Entwicklung in eine insgesamt angespannte Sicherheitslage ein. Im islamistischen Bereich sieht der Verfassungsschutz weiterhin eine erhebliche Gefahr, zunehmend durch junge, allein handelnde und online radikalisierte Täter. Organisierte Strukturen verbreiteten islamistische Ideologie, der Nahostkonflikt wirke als zusätzlicher Mobilisierungsfaktor.
Zugleich beschreibt der Bericht eine verschärfte Bedrohung durch Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffe. Deutschland sei regelmäßig Ziel sogenannter hybrider Operationen, insbesondere durch Russland, aber auch durch andere Staaten. Diese versuchten, Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu nehmen und kritische Infrastruktur anzugreifen. Der Verfassungsschutz warnt davor, Vorfälle vorschnell einem bestimmten Staat zuzuschreiben, und fordert eine sorgfältige Prüfung, um die Lage realistisch einzuschätzen.
In der Gesamtschau spricht Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von „multiplen Bedrohungsszenarien“ für die Verfassung und kündigt an, den Nachrichtendienst personell und technisch weiter zu stärken. Die Behörde verstehe sich als Frühwarnsystem der Demokratie – und sieht sich angesichts der beschriebenen Entwicklungen vor wachsenden Aufgaben.
