Sternenbanner, Bürgerrechte und ein Mann auf dem Mond: Die USA zelebrieren ihre Erfolge wie kaum ein anderes Land. Welches Bild also zeichnet das Land zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung von sich?
Jedes Schulkind in Amerika kennt diese Geschichte: 13 Kolonien rebellieren geschlossen gegen den tyrannischen König von England, mit Tapferkeit und Vaterlandsliebe vertreiben sie die überlegene britische Armee und bilden 1776 fortan eine Nation.
Dass dieser Gründungsmythos der USA mindestens mal stark vereinfacht ist und die historische Realität sehr viel komplizierter, das lernt, wer sich zum 250. der USA ins Nationale Museum für Amerikanische Geschichte nach Washington begibt.
„Die Wahrheit zu sagen“ sei die Aufgabe des Historikers, bekräftigt Theo Gonzalves. Er kuratiert die Ausstellung zu 250 Jahren Leben, Freiheit und Streben nach Glück.
Woher kommen die USA, wohin entwickelt sich ihr großes Versprechen? Zu dieser Geschichte gehören unbequeme Kapitel. Sie aus politischen Gründen auszublenden wäre falsch, so der Historiker und Kurator Gonzalves.
Für jedes Jahr ein Objekt
US-Präsident Donald Trump hatte bereits nach Amtsantritt angekündigt, sämtliche Ausstellungskonzepte zum 250-Jährigen würden vom Weißen Haus geprüft: ob sie auch patriotisch und positiv sein würden.
Wenn es eine solche Prüfung gegeben hat, so Gonzalves, dann habe sie an seiner Ausstellung jedenfalls keine Änderungen verursacht – weder am Gesamtkonzept noch an einer einzelnen Objektbeschriftung.
250 Objekte sollen die Geschichte der USA erzählen: das restaurierte Kanonenboot „Philadelphia“ aus dem Revolutionskrieg, der Reiseschreibtisch, an dem Jefferson die Unabhängigkeitserklärung entwarf. Die Eishockey-Handschuhe der Olympiasieger von 1980, die Gitarre von Prince, der erste iPod. Aber auch ein Hubschrauber aus dem Vietnam-Krieg, der Koffer eines Einwanderers, ein Bauarbeiter-Helm von Ground Zero.
Oder der komplette „Greensboro Lunch Counter“: jene Restaurant-Theke, an der 1960 in North Carolina vier schwarze Studenten so lange friedlich sitzen blieben, bis man sie endlich bedienen würde.
Der Besucher von heute solle sich fragen, hofft Museumssprecherin Laura Duff, was seine Rolle in der Geschichte der Gegenwart ist: Wie wird sein Handeln wohl betrachtet und bewertet werden – rückblickend, von Museumsbesuchern in 50, 100 oder 250 Jahren?
Einladung zur Diskussion
Mitmachen, mitfeiern und mitreden soll der Museumsbesucher, am besten mit seinen Mitbürgern: Was bedeuten Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit heute? Und für wen? Die Antworten darauf fallen gerade sehr verschieden aus, in den USA unter Trump.
Draußen vor dem Museum klingt die „Great American State Fair“, die große Geburtstagsparty auf der National Mall in Washington. Sie bietet Hotdog und Rodeo, Autorennen und Feuerwerk, gemeinsame Gebete und weitgehend widerspruchsfreie Gründungsgeschichte.
Wer sich damit nicht zufrieden gibt, der kann drinnen die Diskussion um das Amerika von gestern und heute führen – zum 250. Staatsjubiläum der USA.

