Mit dem Ende des Tankrabatts könnten heute die Spritpreise weiter steigen. Bereits am Dienstag waren Benzin und Diesel deutlich teurer geworden. Ohne die 17-Cent-Steuerentlastung dürfte sich dieser Trend um 12 Uhr fortsetzen.
Der Tankrabatt ist Geschichte, seit Mitternacht ist die Regelung ausgelaufen. Sie sollte den Anstieg der Kraftsstoffpreise nach Beginn des Iran-Kriegs im Mai und Juni abfedern. 17 Cent pro Liter Cent günstiger wurden Benzin und Diesel an den Tankstellen, weil die Bundesregierung die Mineralölsteuer abgesenkt hatte. 1,6 Milliarden Euro hat die Maßnahme gekostet.
Laut einer Untersuchung der RWTH Aachen hat das zu Entlastungen von 10 bis 15 Euro im Monat geführt. Bei ärmeren Haushalten seien es sogar nur drei bis vier Euro gewesen. Eine „relativ zielungenaue Maßnahme“ nennt RWTH-Forscher Aaron Praktiknjo den Tankrabatt.
Bundeskartellamt warnt Mineralölkonzerne
Und nun? Experten erwarten einen Anstieg der Preise um 12 Uhr. Dann können die Tankstellen ihre Preise erstmals nach dem Ende des Tankrabatts erhöhen. Weil viele Autofahrer von einem Preissprung ausgehen, bildeten sich an manchen Tankstellen bereits am Dienstag lange Schlangen. An einer Tankstelle in Waren (Müritz) gab es chaotische Szenen.
Angesichts der erwarteten Entwicklung warnte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, die Mineralölbranche vor unverhältnismäßig hohen Preisaufschlägen. Unternehmen dürften die Situation nicht dazu nutzen, Preiserhöhungen vorzunehmen, die sich sachlich nicht rechtfertigen ließen, so Mundt. Entsprechenden Hinweisen werde man nachgehen. Seine Behörde ist zudem zum Schluss gekommen, dass der Tankrabatt nicht ganz beim Verbraucher ankam. Der Tankrabatt sei zwar bei den Kunden angekommen. „Aber er ist aus unserer Sicht eben nicht zu 100 Prozent weitergegeben worden“, sagt er. Zu genauen Zahlen wollte Mundt auf Nachfrage nichts sagen. „Ich kann das noch nicht präzisieren, weil wir die Zahlen der letzten Tage noch nicht validiert haben.“
Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder warnte die Mineralölkonzerne mit Blick auf mögliche Preissteigerungen an den Tankstellen.
Spritpreise sind bereits gestiegen
Auch mit Tankrabatt waren zuletzt die Spritpreise gestiegen. Am Dienstag ging es bei Diesel im bundesweiten Durchschnitt um 24 Cent pro Liter nach oben, bei E10 um 20,3 Cent, wie der ADAC mitteilte. „Der aktuelle Anstieg der Kraftstoffpreise ist aus Sicht des ADAC nicht gerechtfertigt“, kritisiert der Verkehrsclub. „Der Rohölpreis steigt aktuell nicht.“
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie wies den Vorwurf überhöhter Preise zurück. „Unsere Mitglieder haben mit der Einführung des sogenannten Tankrabatts die Preise um 17 Cent je Liter gesenkt“, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Küchen. „Wenn die Energiesteuer auf Benzin und Diesel am 1. Juli wieder auf das reguläre Niveau angehoben wird, werden wir dementsprechend eine umgekehrte Reaktion sehen.“
