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Jeder Vierte geht in Rente: Ausländer federn Abgang der Boomer ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Jeder Vierte geht in RenteAusländer federn Abgang der Boomer ab

Im Hoch- und Tiefbau sind 33,6 Prozent der Beschäftigten Ausländer. (Foto: picture alliance / photothek.de)

Ohne Zuwanderung hätte der deutsche Arbeitsmarkt ein Problem. Vor allem einzelne Branchen wären aufgeschmissen, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Allerdings mahnt die Studie eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt an.

Weite Teile des deutschen Arbeitsmarkts hätten ohne Zuwanderung massive Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, für die eine Vielzahl von Daten, etwa der Bundesagentur für Arbeit, ausgewertet wurde.

Von den 35,2 Millionen Menschen in Deutschland, die derzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, geht in den nächsten zehn Jahren jeder Vierte in Rente – die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer. „Ohne Zuwanderung würde das Angebot an Arbeitskräften bis 2040 um zehn Prozent schrumpfen, bis 2060 sogar um ein Viertel“, schreiben die Studienautoren. „Der deutsche Arbeitsmarkt ist also auf Zuwanderung angewiesen.“

Dies gilt vor allem für Beschäftigungen mit geringerem Anforderungsniveau. Die Studie unterteilt vier Profile: Experten, Spezialisten, Fachkräfte und Helfer. Unter den deutschen Beschäftigten liegt der Anteil der Experten bei 15,5 Prozent, unter den ausländischen Beschäftigten sind es 10,1 Prozent. 6,4 Prozent sind es bei ausländischen Beschäftigten aus Asylherkunftsländern.

Höchster Anteil von Ausländern in Reinigungsberufen

Beschäftigte aus diesen Ländern arbeiten zumeist als Helfer (44,9 Prozent) oder Fachkraft (44,3 Prozent), selten als Spezialist (4,1 Prozent). Zum Vergleich: Unter deutschen Beschäftigten gibt es kaum Helfer (12,2 Prozent), viele Fachkräfte (55,2 Prozent) und einige Spezialisten (16,6 Prozent).

Die Autoren weisen darauf hin, dass ausländische Beschäftigte auch dann häufiger in niedrigqualifizierten Positionen arbeiten, wenn sie selbst höher qualifiziert sind und einen anerkannten Abschluss haben. Deutsche Beschäftigte werden zudem häufiger über ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt. „Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von sprachlichen Hürden bis hin zu Diskriminierung“, so die Studie.

Insgesamt haben 17 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ausländische Beschäftigte gibt es vor allem in Reinigungsberufen (47,5 Prozent), gefolgt von der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung (43,7 Prozent). Dies dürfte vor allem die Fleischverarbeitung betreffen. Tourismus, Hotel und Gastronomie sind mit einem Anteil von 36,3 Prozent ebenfalls stark von ausländischen Beschäftigten abhängig. Im Hoch- und Tiefbau sind es 33,6 Prozent. In Pflegeberufen machen ausländische Beschäftigte 20,6 Prozent aus.

Beschäftigungsquote von Ausländern niedriger

Während die Zahl der Deutschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs zurückgeht, nimmt die Zahl der Beschäftigten mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit zu – und damit auch ihr Anteil am Arbeitsmarkt. Allerdings können die Ausländerinnen und Ausländer auf dem deutschen Arbeitsmarkt den Abgang der deutschen Beschäftigten nicht vollständig ausgleichen, sondern nur abfedern.

„Die Zahlen zeigen: Ohne Zuwanderung in beträchtlicher Höhe geraten viele Branchen in Schwierigkeiten“, sagt Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung und einer der Studienautoren. „Auch, wenn mancherorts Stellen abgebaut werden, gibt es weiterhin über eine Million offene Stellen in Deutschland. Wer den Wohlstand unserer Gesellschaft bewahren will, muss die Integration von Zugewanderten verbessern.“

Denn die Beschäftigungsquote ist bei Ausländern deutlich niedriger als bei Deutschen. Dies gilt vor allem für Personen aus Asylherkunftsländern. Hier liegt die Beschäftigungsquote bei 44 Prozent, einschließlich geringfügiger Beschäftigungen sind es 50,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei EU-Ausländern sind es 59,1 beziehungsweise 63,3 Prozent, bei Deutschen 65,8 beziehungsweise 71,1 Prozent.

Vor allem Ausländerinnen müssten stärker gefördert werden

Vor allem der Geschlechterunterschied ist bei Personen aus Asylherkunftsländern enorm. Neun Jahre nach Ankunft in Deutschland sind 76 Prozent der geflüchteten Männer im Alter von 18 bis 64 Jahren sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Damit liegen sie über dem deutschen Durchschnitt.

Bei Frauen ist es umgekehrt: Von den geflüchteten Frauen sind nur 35 Prozent nach neun Jahren in einer abhängigen Beschäftigung. Die Studienautoren folgern daraus, dass hier besonders große Potenziale liegen. Gleiches gelte für qualifizierte Ausländerinnen und Ausländer, die als Helfer beschäftigt werden.

Um dieses Potenzial zu nutzen, sei allerdings eine bessere Integration nötig: „Sprachförderung muss verlässlich finanziert, mit Qualifizierung und Kinderbetreuung verzahnt und berufsbegleitend möglich sein.“ Daneben kritisieren die Autoren die bürokratischen Hürden bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen.

Quelle: ntv.de, hvo

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