Erst vergangene Woche hatte die Bundesregierung den Einstieg beim Rüstungskonzern KNDS angekündigt – nun verschiebt das deutsch-französische Unternehmen seinen Börsengang. Hintergrund sind Verluste bei Rüstungsaktien.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS geht vorerst doch nicht an die Börse. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktschwankungen werde der Börsengang erst bei Wiederkehr besserer Marktbedingungen fortgesetzt, hieß es. Die Aktionäre hätten dem Unternehmen mitgeteilt, sie wollten die Börsenpläne erst wieder aufnehmen, wenn sich das Umfeld für Rüstungsaktien in Europa verbessert habe.
Zuvor hatte die Financial Times berichtet, dass die Eigentümer Probleme hätten, Investoren von der geplanten Bewertung von mehr als 12 Milliarden Euro zu überzeugen. Die Aktien des Herstellers des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000 sollten im Rahmen einer Doppelnotierung an den Börsen in Frankfurt und Paris platziert werden, wie das Unternehmen Ende Juni mitgeteilt hatte.
Auch der Einstieg des Bundes verzögert sich
Es hätte einer der größten europäischen Börsengänge im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre werden können. Zuletzt war die Rüstungsbranche an der Börse jedoch unter Druck geraten. So verloren die Aktien des Konkurrenten Rheinmetall stark an Wert. Auch die Papiere des seit Jahresbeginn in Amsterdam gelisteten tschechischen Rüstungskonzerns CSG werden weit unter dem Ausgabepreis gehandelt.
„KNDS und seine Anteilseigner werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten und sind bereit, den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen das erlauben“, erklärte das Unternehmen. Ein genauer Termin war offiziell zuvor nicht genannt worden. In einer Vorlage des Bundesverteidigungsministeriums war aber von Anfang Juli die Rede gewesen. Das nächste Fenster öffnet sich nun frühestens im September.
Der Börsengang sollte auch den Einstieg des Bundes beim Rüstungskonzern ermöglichen. „Die Bundesregierung respektiert die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Die Regierung sei aber „weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen“.
Einigung auf Eigentümerstruktur
Vorausgegangen war eine Einigung über die künftige Eigentümerstruktur des Unternehmens. Aktuell halten der französische Staat und die deutsche Eigentümerfamilie Wegmann jeweils 50 Prozent an KNDS. Der französische Anteil sollte im Zuge des Börsengangs auf 40 Prozent sinken, der Bund sollte einen Anteil in derselben Höhe von der Wegmann-Familie übernehmen. Die restlichen 20 Prozent sollten an die Börse gebracht werden – dies wurde nun verschoben.
Der Bund will letztlich die gleichen Einflussrechte haben wie Frankreich. „Diese sichern einerseits den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe und legen andererseits die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens“, so die Ministeriums-Sprecherin. Die Kosten für den Einstieg werden laut einem Spiegel-Bericht auf bis zu 7,2 Milliarden Euro geschätzt. Der genaue Preis ist unter anderem an den Emissionspreis für die Aktien geknüpft.
Die Verhandlungen zwischen dem Wirtschaftsministerium und den Eigentümerfamilien hatten sich bis in den Juni hingezogen und einen schnelleren Börsengang – unter möglicherweise besseren Bedingungen – blockiert. KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Unternehmen Nexter. Der Konzern beschäftigt gut 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Hauptsitz ist Amsterdam, die deutsche Zentrale sitzt in München.
