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Startseite»Politik»Das „Pascha“ in Köln – Ein Bordell, ein Volksbanker und 75.000 Euro in bar
Politik

Das „Pascha“ in Köln – Ein Bordell, ein Volksbanker und 75.000 Euro in bar

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Exklusiv

Stand: 03.07.2026 • 13:35 Uhr

Das „Pascha“ in Köln gilt als größtes Bordell Europas: Seit Kurzem steht das Gebäude im Mittelpunkt eines Wirtschaftskrimis – es geht um chinesische Investoren und einen Millionenkredit.

Von Massimo Bognanni, WDR, Jörg Diehl, NDR/WDR, und Antonius Kempmann, NDR

Was mit dem „Pascha“ gewesen sei, fragte der Staatsanwalt, Deutschlands größtem Bordell? Da holte der Beschuldigte Claus B. aus. Eigentlich sollte es in seiner Vernehmung im Mai 2024 um die sogenannte Schleuser-Affäre gehen und um wohlhabende chinesische Migranten, denen der Anwalt mit einem Netzwerk aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft gegen gutes Geld zu Aufenthaltserlaubnissen verholfen haben soll.

Doch den Ermittlern waren auch Millionengeschäfte um die Kölner „Pascha“-Immobilie aufgefallen. Die Geschichte, die der Beschuldigte den Beamten nun erzählte, handelte von einem Volksbank-Vorstandsmitglied, zwei Geldautomaten und fünf Millionen Euro.

Kredit der Volksbank Köln Bonn

Während der Corona-Pandemie musste das Bordell Insolvenz anmelden. Rechtsanwalt B. hätte erfahren, dass der Eigentümer aus Nürnberg die Immobilie verkaufen wolle. Man habe das Gebäude einer Familie aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao vermitteln wollen. Schließlich habe man sich auf einen Kaufpreis von elf Millionen Euro geeinigt.

Nur: Ein Teil der Summe, fünf Millionen Euro, sei in Hongkong festgesetzt worden, sagte B. den Ermittlern. Um den Deal trotzdem abzuschließen, habe man dringend einen Überbrückungskredit gebraucht. Da habe er einen Kontakt zu einem Vorstandsmitglied der Volksbank Köln Bonn bemüht und tatsächlich sei die Genossenschaftsbank kurzfristig eingesprungen.

Die Erklärung, die B. in seiner Vernehmung für den Kredit der Volksbanker lieferte, wirkte einfach wie plausibel: Bereits seit Jahren betreibe das Institut im „Pascha“ zwei Geldautomaten, die zu den lukrativsten in ganz Deutschland zählten. Offenbar bevorzugte die Kundschaft in dem Bordell Bargeld als Zahlungsmittel. Doch womöglich ist das nicht die ganze Geschichte.

Enge Verbindung zwischen Rechtsanwalt und Volksbank-Vorstand

WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) haben interne E-Mails und Dokumente eingesehen, die auch der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und der Bundespolizei vorliegen. Darüber hinaus sprach das Team mit Beteiligten des Deals. Die Recherchen zeigen, dass es neben den Geldautomaten womöglich noch weitere Gründe gegeben haben könnte, den Kredit zu gewähren. Zutage kommt jedenfalls eine enge Verbindung zwischen Rechtsanwalt B. und einem Volksbank-Vorstand.

Kennengelernt haben sich der Volksbanker und der Jurist laut einer Mail im Februar 2021 über einen anderen Anwalt. Anlass des Treffens sei unter anderem der „Standort für Geldautomat in der Immobilie Hornstraße“ – also im „Pascha“ – gewesen. Im März 2021 kam es offenbar zu einer weiteren Begegnung. Kurze Zeit später floss das Geld: Die Volksbank gab für den Kauf des Paschas den gewünschten Überbrückungskredit, beschränkt auf ein Jahr. Als Sicherheiten ließ sich die Bank eine Grundschuld eintragen und eine Bürgschaft in Kredithöhe geben.

Nach Recherchen von WDR, NDR, SZ war der Kredit im Volksbank-Vorstand zustimmungspflichtig. Der sogenannte Marktfolge-Vorstand, der für das Risikomanagement zuständig ist, soll skeptisch gewesen sein. Ohne seine Zustimmung kann ein solcher Kredit nicht gewährt werden. Eigentlich.

Abgehörtes Telefonat wirft Fragen auf

In einem abgehörten Telefonat berichtete Anwalt B. später einem Geschäftspartner, wie ein Fünf-Millionen-Euro-Kredit seines Erachtens von der Volksbank Köln Bonn bewilligt worden sei. Man habe ausgenutzt, dass der Marktfolge-Vorstand im Urlaub gewesen sei. Da habe ein anderer Manager die Kreditanfrage übernommen. Dann habe man zwei Wochen freie Hand gehabt und der Kredit sei schnell durchgewinkt worden. So hielten die Ermittler das Telefonat in einem Vermerk fest.

Claus B. ließ Fragen dazu unkommentiert. Sein Verteidiger verwies hingegen auf das Verfahren der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Schleuserei: Es liege keine Anklage vor, die Ermittlungen seien „nicht mal ansatzweise“ abgeschlossen. Für seinen Mandanten gelte die Unschuldsvermutung. Der Anwalt gibt sich überzeugt, dass sich aus der „angesprochenen Kreditvergabe“ kein Verdacht einer Straftat gegen seinen Mandanten ergeben könne.

Die Volksbank Köln Bonn teilte mit, zu einzelnen Kreditentscheidungen und internen Entscheidungsprozessen dürfe man sich nicht öffentlich äußern. Jeder Kredit werde „in einem regulären, transparenten Kreditprozess geprüft, der den internen Governance-Anforderungen der Volksbank Köln Bonn entspricht“. Dies betont auch der Volksbank-Vorstand, mit dem Claus B. in engem Austausch stand. Andere Darstellungen weist er zurück.

75.000 Euro in bar

Nach dem Kredit-Geschäft im Frühjahr 2021 vertieften Anwalt B. und der Volksbank-Vorstand offenbar ihre Beziehung. Im September 2021 waren die beiden bereits per Du. Anwalt B. schrieb einem Kollegen: „Ich liebe diese Bank.“

Ließ sich der Anwalt diese Liebe möglicherweise etwas kosten? In einer „Übersicht“, die sich B. am 8. November 2021 selbst per Mail schickte, hieß es: Der Volksbanker „will noch 1% Pascha + 1% Alexander Hotel. Also insgesamt 1% auf 7.5 Mio = 75.000“. Dann: Man besorge für den Banker „bis Ende November 75.000 bar“. Und weiter: „Dann haben wir China bewiesen, dass wir für die große Projekt gesichert haben, obwohl das Geld eigentlich aus China kommen sollte.“ Man wolle die „nächsten 20 Jahre immer Geld haben, ohne dafür zu arbeiten“.

Ende 2021 zog Anwalt B. Bilanz – am Telefon mit seiner Ehefrau, die Ermittler hörten mit. In dem Gespräch ging es auch um die Deals mit dem Volksbank-Manager. Das sei ein „super Geschäft“ gewesen. Allein mit ihm hätten sie 150.000 Euro verdient.

Auch eine E-Mail vom 9. März 2022 wirft Fragen auf. B. schickte einem Geschäftspartner per E-Mail eine Rechnung über 52.500 Euro. Es ging angeblich um „Leistungserbringung Vermittlung Finanzierung“ einer Firma „bei Volksbank Köln“. Doch B. schrieb dazu: Das sei „übrigens die Abrechnung“ für den Volksbank-Vorstand. Es folgte ein Zwinkersmiley.

Volksbank-Vorstand bestreitet Vorwürfe

Der Volksbanker bestreitet jegliche Vorteilsnahme: Er habe von Claus B. oder anderen „keinerlei persönliche Zahlungen – weder in bar noch auf anderem Weg – erhalten“. Auch habe er „keine Geldzahlungen (‚Kickbacks‘)“ an Claus B. oder andere geleistet. Er könne sich nicht erklären, „wie Claus B. ‚mit mir‘ 150.000 Euro verdient haben soll“, so der Manager.

Immer wieder schien sich Anwalt B. gerne spendabel zu zeigen – und im Volksbank-Vorstandsmitglied einen für Einladungen empfänglichen Abnehmer zu finden. Mal ging es um Bewirtungskosten auf dem Oktoberfest, mal um ein Hotelzimmer in Düsseldorf.

Der Anwalt bot sogar Hilfe an, wenn andere dem Volksbanker etwas Gutes tun wollten. Die Mitarbeiterin einer Investmentfirma schrieb B., sie wolle den Volksbank-Vorstand privat erreichen, „da das Weinpräsent jetzt nun doch einen höheren Betrag ausmacht und ich daher das Geschenk nicht an die VB [Volksbank, Anm. d. Red.] schicken möchte“. B. antwortete, es sei wohl das Einfachste, ihm das Geschenk zu schicken: Er gäbe es dem Banker „nächste Woche“.

Der Volksbank-Manager betonte auf Anfrage zudem, der Wert der Oktoberfest-Einladung stehe im Einklang mit den geltenden Compliance-Vorgaben der Bank und sei dokumentiert worden. Ebenso die Hotelübernachtung. Er räumte ein, den Wein angenommen zu haben. Aber: „Nach interner Prüfung wurde festgestellt, dass der Wert der Zuwendung die interne Richtliniengrenze überschritten hat“, so das Vorstandsmitglied. „Der Vorgang wurde dem Aufsichtsrat angezeigt und wird intern aufbereitet. Zwei der drei Weinflaschen sind noch vorhanden und werden einem wohltätigen Zweck zugeführt.“

„Unschuldig in diesen Sumpf hineingezogen“

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf teilte auf Anfrage mit, Bestechungsdelikte im Zusammenhang mit der Finanzierung des „Pascha“-Kaufs seien bislang nicht Gegenstand der Ermittlungen im Schleuser-Komplex. Die „Auswertung der umfangreichen Beweismittel“ dauere jedoch an, so die Behörde.

Der derzeitige Betreiber des „Paschas“ teilte mit, man sei „in diesen Sumpf unschuldig hineingezogen“ worden.

Was B. seinen chinesischen Kontakten wohl in Aussicht stellte, offenbarte eine Mail aus dem Juli 2022. Darin ging es um das „Pascha“. Das sei das „größte und berühmteste Hurenhaus in Europa“, schrieb B. auf Englisch, mit dem „größten Bargeldgeschäft“. Wenn man dazu Zugang bekomme, so der Anwalt, könne man es auch für „Geldwäsche“ nutzen und „all den großen Spaß“.

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