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Startseite»Politik»In Iran beginnt Trauerfeier für getöteten obersten Führer Chamenei
Politik

In Iran beginnt Trauerfeier für getöteten obersten Führer Chamenei

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.07.2026 • 06:38 Uhr

Mehrere Tage soll an verschiedenen Orten der getötete oberste Führer Ali Chamenei gefeiert werden. Das iranische Regime versucht die größtmögliche Inszenierung – aber nicht alle wollen mitmachen.

Uwe Lueb

In Teheran beginnen heute die mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten für Ajatollah Ali Chamenei. Millionen Menschen werden erwartet. Der oberste politische und religiöse Führer Irans ist Ende Februar durch einen Luftangriff Israels und der USA in Teheran getötet worden. Wegen des wochenlangen Krieges war lange unklar, wann die Trauerzeremonien stattfinden sollen.

Nach einer Prozession in Teheran mit Höhepunkt am Montag und einer weiteren Zeremonie in Ghom soll Chamenei am Donnerstag im Imam-Reza-Schrein in seiner Geburtsstadt Maschhad beigesetzt werden. Die iranischen Behörden haben für die Zeremonien in Teheran mehrere arbeitsfreie Tage angeordnet. Internationale Delegationen werden ebenfalls erwartet. Viele Iranerinnen und Iraner sehen die Inszenierung jedoch kritisch.

Sechstägige Trauerzeremonie an verschiedenen Orten

„Dies ist der Ort, an dem der Leichnam unseres geopferten Imams aufgebahrt wird und sich die Menschen Irans verabschieden können. An diesem Tag wird es der belebteste Ort der Welt sein“, sagt eine Reporterin des iranischen staatlichen Rundfunks IRIB. Sie steht vor der neuen Mosalla-Moschee in Teheran, einer der größten der Welt. Hier beginnt die sechstägige Trauerzeremonie für Chamenei.

Nach zwei Tagen an der Moschee folgt eine Prozession durch Teheran. Weitere Stationen sind Ghom, eine der heiligsten schiitischen Städte des Landes, dann Irak, wo auch viele Schiiten leben, und zurück nach Iran. Die endgültige Beisetzung ist in der Stadt Maschhad.

Viele wollen sich von ihm verabschieden, so wie der junge Hasan, Angestellter in einem Laden in Teheran: „Ich habe Herrn Chamenei bewundert und möchte ihm meinen Respekt erweisen, indem ich zu seinem Leichnam pilgere.“

Der erst 15-jährige Ahmad arbeitet als Lieferant. Auch er möchte den Sarg Chameneis sehen: „Wir haben Imam Chamenei geliebt und ich möchte ihn am Samstag besuchen.“

Hitze erwartet – Europäer unerwünscht

Allein in Teheran rechnen die Organisatoren mit Millionen Menschen. Sie rufen dazu auf, nur Gesunde sollten kommen – und sich auf die Hitze von an die 40 Grad einstellen. Vorsichtshalber haben sie neben der Moschee ein Feldkrankenhaus mit 200 Betten aufbauen lassen.

Die Inszenierung der Trauerfeierlichkeiten hat etwas Gigantisches. Auch internationale Gäste aus rund 30 Ländern werden erwartet, etwa der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew und Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif. Europäer sind ausdrücklich nicht eingeladen. Die, so der stellvertretende Außenminister Irans, Kasem Gharibabadi, standen während der Angriffe auf sein Land nämlich auf der falschen Seite.

Die Trauerfeiern dauern vom heutigen 4. Juli, dem 250. Unabhängigkeitstag der USA bis nach dem NATO-Gipfel. Und das geschieht bewusst, sagt der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze von der Universität Bern im Interview mit dem ARD-Studio Istanbul: „All diese Dinge sind aus der Sicht der iranischen Propaganda Konkurrenzunternehmen zu Iran und Iran versucht natürlich da auch eine Art von Meinungsführerschaft in der Öffentlichkeit zu wahren.“

Spekulationen um Modschtaba Chamenei

Das Regime will ein starkes Iran präsentieren – nach außen und nach innen. Spekuliert wird, ob der neue mächtigste Mann im Land, Chameneis Sohn und Nachfolger Modschtaba, im Rahmen der Trauerfeiern auftritt. Schulze glaubt, es werde höchstens ein Doppelgänger zu sehen sein. Der echte Modschtaba sei durch den Angriff Ende Februar vermutlich zu entstellt.

Sein Auftritt würde ein vom Regime unerwünschtes Signal senden, nämlich, „dass die Versehrtheit von Chamenei in der Öffentlichkeit doch dann sichtbar würde und Chamenei dann auch mit seiner persönlichen Versehrtheit die Versehrtheit der Islamischen Republik repräsentieren würde“, sagt Schulze.

Viele wenden sich ab

Für genau das, versehrt oder sogar „am Ende“, hält die große Mehrheit der Iranerinnen und Iraner die Islamische Republik und ihr Regime. Daher wenden sich viele auch von den Trauerfeiern ab. Sie hätten sich nie an das Regime gebunden gefühlt, sagen sie. Die Show des Regimes solle zeigen, dass die Menschen es stützen.

Doch genau davon sind die meisten weit entfernt, so wie die frühere Lehrerin Farzane: „Wenn ich sicher wäre, dass die Teilnahme an der Beerdigung dieser Person die Inflation, die Lebenshaltungskostenkrise oder die wirtschaftlichen Nöte des Landes auch nur ein wenig lindern würde, würde ich auf jeden Fall hingehen.“ Sie wisse jedoch, „dass es keinen Unterschied machen wird, auf keinen Fall, also werde ich nicht teilnehmen“.

Auch der 50 Jahre alte Friseur Ali geht auf klare Distanz zum Regime, das er für die Misere im Land verantwortlich macht. Er werde bei der großen Prozession am Montag bestimmt nicht dabei sein. „Angesichts der prekären wirtschaftlichen Lage des Landes habe ich keine Lust, am Trauerzug teilzunehmen, und ich habe auch nicht die Absicht, daran teilzunehmen“, sagt er.

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Dr. Heinrich Krämer
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