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Startseite»Nachrichten»Gipfeltreffen in Ankara: Trump: „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“
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Gipfeltreffen in Ankara: Trump: „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 7, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Gipfeltreffen in AnkaraTrump: „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“

Trump teilt bei seiner Ankunft in der Türkei gegen die Bündnispartner aus. Vor allem Deutschland und Frankreich hätten die USA im Iran-Krieg im Stich gelassen. Mit seinem türkischen Amtskollegen zeigt sich der US-Präsident umso freundschaftlicher – und macht dem Gastgeber sogar Hoffnung auf US-Kampfjet-Käufe.

Bundeskanzler Friedrich Merz hofft beim Nato-Gipfel auf einen guten „Geist von Ankara“, US-Präsident Donald Trump sucht den Streit: Europas Hoffnungen auf harmonische Beratungen hat Trump schon bei der Ankunft einen Dämpfer verpasst. „Ich war sehr enttäuscht von der Nato“, sagte er in der türkischen Hauptstadt und erneuerte seine Kritik, Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich hätten die USA im Iran-Krieg hängen lassen. Auch im Streit um Grönland, das die USA von Bündnispartner Dänemark übernehmen wollen, legte Trump nach.

Die 32 Bündnispartner wollen bis Mittwoch beraten, wie die Lasten in der Nato mehr auf die europäischen Alliierten und Kanada verteilt werden können. Die USA hatten angekündigt, Truppen aus Deutschland abzuziehen und weniger Streitkräfte für Planungen der Nato vorzuhalten. Wichtiges Thema ist auch die Unterstützung für die Ukraine, die sich im fünften Jahr gegen einen russischen Überfall verteidigt. Trump will sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Rande des Gipfels treffen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan als Gastgeber des Gipfels hatte zum Auftakt zu einem festlichen Abendessen geladen. Dazu wurden auch die Staats- und Regierungschefs der Partnerstaaten Ukraine, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland sowie EU-Vertreter erwartet.

Merz: „Wir bauen eine europäischere Nato“

„Von diesem Gipfel soll die Botschaft ausgehen: Wir bauen eine europäischere Nato, damit die Nato transatlantisch bleiben kann“, sagte Merz vor dem Abflug nach Ankara. „Ich wünsche mir, dass es uns gemeinsam gelingt, einen Geist von Ankara zu wecken“, ergänzte Merz, der von seiner Ehefrau Charlotte begleitet wird.

Als gutes Beispiel auf diesem Weg nannte Merz die Absicht Kanadas, bis zu zwölf U-Boote des Kieler Marineschiffbauers TKMS zu kaufen. Dies sei „einer der größten, wenn nicht der größte Rüstungsauftrag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. Das Geschäft sei „ein starkes Zeichen für die transatlantische und die europäische Zusammenarbeit“.

Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sagte Merz: „Ankara könnte einen Einschnitt in diesem Krieg markieren.“ Dem Kreml dürfe langsam klar sein, dass Russland seine Kriegsziele nicht erreichen werde. Der Kanzler bezog sich darauf, dass es in Ankara eine Vereinbarung von Bündnismitgliedern geben soll, die Ukraine mit weiterer milliardenschwerer Hilfe auszustatten.

Trump macht Türkei Hoffnung auf modernste Kampfjets

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ehrte Trump mit einem spektakulären Empfang. Er empfing ihn zunächst persönlich am Flughafen, dann gab es am Präsidentenpalast eine zweite, geradezu pompöse Begrüßung. Trumps Limousine wurde von einer hellblau gekleideten Reiterstaffel eskortiert – angeführt von zwei Reitern, die die türkische und die US-Flagge trugen. Wenig später ertönte nicht nur die Nationalhymne der USA, sondern auch mehrere Kanonenschüsse und einen Überflug von Luftwaffenjets.

„Wir sind gute Freunde“, sagte Trump und lobte die Türkei einmal mehr für ihre Loyalität, die sie von anderen Verbündeten unterscheide. Vor dem Gipfel hatte Trump angedeutet, er reise nur wegen Erdogan zum Gipfel. „Mit meinem geschätzten Freund hier in Ankara zusammen zu sein, hat uns zusätzliche Stärke verliehen. Ich möchte besonders betonen, wie wichtig dieser Besuch ist“, sagte Erdogan.

Erdogan hofft auch auf ein konkretes Entgegenkommen Trumps: Die Türkei will US-Kampfjets vom Typ F-35 kaufen, was bislang per US-Gesetz wegen Sicherheitsbedenken ausgeschlossen ist. Doch Trump ist offensichtlich bereit, sich darüber hinwegzusetzen. Ein solches Geschäft sei „sicher etwas, das wir in Erwägung ziehen“, sagte er zu Erdogan. Eine konkrete Ankündigung machte er aber nicht.

Als am Bau der F-35 – einem Tarnkappenbomber – beteiligter Partner hätte die Türkei eigentlich etwa 100 Jets bekommen sollen. Doch nachdem die Regierung in Ankara das russische Raketenabwehrsystem S-400 erworben hatte, schloss die US-Regierung die Türkei 2019 während Trumps erster Präsidentschaft aus dem Programm aus. Die USA fürchteten, dass Russland über das empfindliche Radar des S-400-Waffensystems an Daten der Tarnkappentechnik gelangen könnte.

Und wieder geht es um auf Grönland

Einmal mehr holte er gegen Europa aus. „Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen“, drohte er hypothetisch, ohne auch hier konkret zu werden. Europa sei heute ein ganz anderer Ort als noch vor 20 Jahren. Wenn die Europäer bei ihrer Einwanderungs- und Energiepolitik nicht vorsichtig seien, werde es „kein Europa mehr geben“.

Trump stellte klar, dass für ihn Grönland, die weltgrößte Insel, von den USA und nicht von Dänemark kontrolliert werden sollte. Öffentliche Drohungen unterließ er in diesem Zusammenhang allerdings.

„Die Nato mit der Ukraine ist das Bündnis der Zukunft“

Der ukrainische Selenskyj rät den Nato-Alliierten zu schnelleren Vorbereitungen auf eine Kriegsführung mit und gegen Drohnen. Er rief die Nato auf einem Rüstungsforum am Rande des Gipfels auf, sich an einer gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme zu beteiligen.

Er warb auch erneut für einen Bündnisbeitritt seines Landes. „Die Nato mit der Ukraine ist das Bündnis der Zukunft“, sagte er. Das Thema ist unter den Alliierten höchst umstritten. Trump hatte einen Beitritt mehrmals ausgeschlossen. Angesichts der anhaltenden, massiven russischen Raketenangriffe forderte Selenskyj erneut größere Lieferungen von Patriot-Flugabwehrraketen.

Die Nato bereitet sich auf eine massive Ausweitung der Kriegsführung mit Drohnen vor. Verbündete wollen laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte in den kommenden fünf Jahren im Zuge einer neuen Initiative mehr als 40 Milliarden Dollar in Fähigkeiten zur Drohnenabwehr investieren. Drohnen seien zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden, sagte Rutte. Das sehe man in der Ukraine, im Nahen Osten und im Bündnisgebiet.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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