Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Streeck, hat den Drogenbericht 2025 vorgestellt. Demnach starben 2.150 Männer und Frauen an den Folgen ihres Konsums. Streeck fordert ein besseres Hilfesystem.
Der 62-jährige Robert hat das Ruder nochmal herumgerissen. Viele Jahre war er schwer drogenabhängig, bis er von Ärzten Hilfe bekam. Beim Pressetermin des Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck, sagt er: „Seitdem bin ich jetzt 13 Jahre clean.“ Ohne mehrere Therapien und das Angebot der Praxis in Berlin-Wedding hätte er das allerdings nicht geschafft, versichert er. „Ja, das ist eine traurige Sache. Dann wäre ich tot. Das wäre so passiert.“
2.150 Männer und Frauen wurden im vergangenen Jahr als Drogentote registriert. Damit bleibt die Zahl auf dem Rekordniveau der vergangenen Jahre. Und die Dunkelziffer sei hoch, betont Streeck. Eine besorgniserregende Entwicklung hebt er aber besonders hervor: „Fast jeder vierte Drogentote ist inzwischen jünger als 30 Jahre. Und bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl der Todesfälle in den letzten vier Jahren fast verdoppelt.“
Mischkonsum spielt eine große Rolle
Bei ihnen seien auffällig oft Medikamente im Spiel gewesen. Zum Beispiel Benzodiazepine, das sind Psychopharmaka, oder opioidhaltige Schmerzmittel wie Tilidin. Sie werden laut Statistik oft zusammen mit Alkohol, Kokain oder Cannabis eingenommen. Streeck sagt: „Und die Mischung ist dann häufig tödlich.“ Dieser Trend zum sogenannten Mischkonsum ist schon seit Jahren bekannt. Laut dem Bericht des Bundesdrogenbeauftragten hatten 2025 vier von fünf Drogentoten vorher mehrere Substanzen zusammen konsumiert. Die Drogen sind leicht zu beschaffen.
Todesfälle nach Drogenart
Vergiftungen in Verbindung mit Opiaten/Opioiden machen mit 1.316 Toten die meisten Todesfälle aus – gefolgt von Vergiftungen mit Kokain/Crack (769), mit Heroin/Morphin (708), psychoaktiven Medikamenten (696) und mit Opiat-Substituten wie Methadon (611). Vergiftungen in Verbindung mit Amphetaminen lagen 602 Mal vor. Synthetische Opioide hätten sich ausgebreitet: So gab es etwa laut dem Drogenbericht auch 118 Todesfälle mit Beteiligung von Fentanyl, einem hochpotenten Schmerzmittel aus den USA.
Der Arzt Thomas Peschel, in dessen Praxis der Bericht vorgestellt wurde, zählt auf, was er dazu von seinen Patientinnen und Patienten hört: „Schwarzmarkt, Darknet vor allem, mit Kryptowährung bezahlen, Drogentaxis, und vor allem eben jüngere Leute, die wahrscheinlich auch über soziale Medien, über Prominente, die das vor sich hertragen, beeinflusst werden. Das ist besorgniserregend, vor allem, dass die Substanzen immer potenter werden und damit dann wesentlich tödlicher.
„Das System ist unter Druck geraten“
Aber das alles – Mischkonsum, stärkere Drogen, leichtere Verfügbarkeit – sei nur ein Teil des Problems, sagt Streeck. Städte und Gemeinden würden zunehmend allein gelassen mit den Folgen des Drogenkonsums. „Dieses System ist unter Druck geraten. Hilfe ist an vielen Stellen schwer erreichbar, zu langsam und sehr unterfinanziert“. sagt Streeck „Und Angebote verschwinden, weil Träger die Kosten nicht mehr tragen können oder Kommunen sparen müssen.“
Der CDU-Politiker verweist auf ein Bündel an Maßnahmen zur Bekämpfung von Drogensucht. Derzeit arbeite man zum Beispiel an einem Frühwarnsystem, um zu verstehen, welche Drogen auf den Straßen angeboten werden. Und in den sozialen Medien sei eine Kampagne zur Aufklärung über Kokain gestartet. Aber das reiche nicht, räumt Streeck ein. „Ich finde, 2.150 Drogentote sind 2.150 Gründe genug, dass wir diese Situation ernst nehmen müssen und wirklich etwas ändern müssen.“ Dass sich Engagement lohnen kann, zeigt der Fall von Robert, der nach Jahren von den Drogen weg kam.
