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Politik

Wie Windräder beim Waldumbau helfen können

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.07.2026 • 06:39 Uhr

In Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg stehen über 500 Windräder im Wald – in Thüringen sind es vier. Das Thema ist kontrovers, Projekte werden oft gekippt – dabei könnten sie auch eine Chance sein.

Jörn Ripken und Gerd Thomsen laufen durch ein Waldstück bei Sondershausen in Thüringen. Windräder gibt es hier einige – aber sie stehen alle auf den umliegenden Feldern. Im Wald könnte ein Windrad möglicherweise sogar weniger auffallen, sagt Forstamtsleister Thomsen, zuständig im Forstamt Bleicherode-Südharz.

Dabei war Windkraft im Wald in Thüringen sogar eine Weile verboten. Ende 2022 erklärte das Bundesverfassungsgericht dieses Verbot für unzulässig.

Trotzdem bleibt das Thema kontrovers. Erhebungen wie der Bundeswaldbericht zeigen, dass der Wald für viele Deutsche einen emotionalen Wert hat. Es geht um Natur, Ruhe und Heimat. „Das hat viel mit Kindheitserinnerungen und mit Sehnsuchtsorten zu tun, von denen man hofft, dass sie einfach so bleiben, wie sie sind“, erklärt Jörn Ripken, Vorstand des Landesforstbetriebes Thüringenforst. Er könne nachvollziehen, dass die Menschen sich mit Veränderungen ihrer Heimat schwertun.

Viele Thüringer lehnen Windräder ab

Möglicherweise erklärt das einen Teil der Ablehnung, auf die Windkraft in großen Teilen der Thüringer Bevölkerung stößt. Dabei ist die tatsächliche Zahl der Windräder im Freistaat eher gering: Vier Stück drehten sich Ende 2025 laut Fachagentur Wind und Solar über den Waldflächen in Thüringen. Keines davon steht bis heute auf dem Grund der Landesforstanstalt Thüringenforst.

Ripken würde das gerne ändern. „Grundsätzlich sind wir als Förster natürlich dafür da, das Biotop Wald zu schützen und zu bewirtschaften. Aber ich würde nicht sagen, dass jeder Wald biologisch wertvoller ist als Offenland.“ Das müsse man individuell beurteilen. Berühmte Gebiete wie der Rennsteig kämen für die Windkraft nicht infrage. Erholungswälder, Wasserschutzgebiete und Naturschutzgebiete werden in der Regel ebenfalls nicht für Windkraft freigegeben.

372 Windräder wären maximal möglich

Dennoch gibt es Wälder, die in Betracht kommen: Mittlerweile sind auf dem Gebiet von Thüringenforst etwas mehr als 3.600 Hektar als Windvorranggebiete ausgewiesen. 372 Windräder könnten hier maximal gebaut werden.

Kontrovers ist das aus Perspektive des Artenschutzes. Die Windenergie ist eine Gefahr für einige Fledermausarten und diverse Vögel, die die Thermik über dem Wald nutzen. Gerade deshalb sei es enorm wichtig, wo ein Windrad gebaut wird, betont Biologe Andreas Ness. Er führt Gutachten durch, die darüber entscheiden, ob ein Standort für die Windkraft geeignet ist.

Im intensiv durchforsteten Nadelwald könne man häufig davon ausgehen, dass durch den Bau eines Windrades weniger Probleme entstehen als im artenreichen Laubwald, erklärt Ness. Moderne Windkraftanlagen werden außerdem immer höher. Das sei für Vögel und Fledermäuse sogar eine gute Nachricht, sagt Andreas Ness: „Weil der Abstand zur Baumoberkante größer wird. Der kleine und der große Abendsegler nutzen gerade diesen Bereich. Je höher das Windrad, desto günstiger für die Tiere.“

Eine Chance für den Waldumbau

Ungeklärt ist allerdings, ob strenge Artenschutz-Maßnahmen überhaupt dazu beitragen können, dass Windräder in der Thüringer Bevölkerung auf Akzeptanz stoßen. Zuletzt scheiterte ein Projekt im Friedrichrodaer Wald. Dass Investoren, die möglicherweise weit entfernt wohnen, mit den Windrädern im Thüringer Wald Geld verdienen könnten, scheint vielen Anwohnern aufzustoßen.

Auch Thüringenforst-Vorstand Ripken möchte mit der Windkraft Geld verdienen. Denn der Wald ist aktuell durch Dürre und den Borkenkäfer stark geschädigt. Der Sehnsuchtsort, von dem auch Ripken hoffte, dass er sich nie verändern würde, hat sich längst gewandelt. Die Schäden, die in den letzten sieben Jahren entstanden sind, summierten sich auf über 200 Millionen Euro, sagt er. Das ist ein Problem, denn der Staatsforst soll sich finanziell selbst tragen – und bisher kam das Geld hauptsächlich aus dem Holzverkauf. „In wenigen Jahren werde ich sehen müssen, wie ich die Förster und Mitarbeiter von Thüringenforst bezahlen kann.“

Windräder als Chance

Die Windkraft wäre deshalb aus Ripkens Sicht eine enorme Chance. Der Staatsforst würde die gesamten Erträge lokal reinvestieren. „Die Erträge aus der Windkraft fließen dann in den Wald zurück, in die Pflege und in das Pflanzen von neuen Bäumen. So können wir einen klimafitten, stabilen Wald im Klimawandel fördern. Dafür brauchen wir nun mal Geld.“

Aktuell habe Thüringenforst noch keines der ausgewiesenen Voranggebiete entwickelt. Der Weg dahin wird aller Voraussicht nach nicht leicht. Thüringenforst-Vorstand Ripken sagt, er hoffe, zumindest einen Teil der Chancen wahrnehmen zu können. „Es wird nicht die Maximalzahl an Windrädern sein, aber ich hoffe, dass wir einen gesellschaftlichen Konsens hinbekommen.“

Und wenn das nicht klappt? „Der Wald wird auch in zehn Jahren noch da sein, aber wenn wir denselben Wald wollen, den wir kennen, dann funktioniert das nur, wenn wir in den Wald und in den Waldumbau investieren.“ Was Ripken damit auch meint: Wer will, dass der Thüringer Wald weiter Holz liefert, der muss sich kümmern. „Es würde nicht ein Dachstuhl weniger gebaut, nicht ein Möbelstück weniger gekauft. Das Holz käme dann aus Regionen, in denen es nach völlig anderen Standards abgebaut und mit einem viel größeren ökologischen Fußabdruck nach Deutschland gebracht wird.“

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