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Startseite»Nachrichten»Hitzige Debatte in Wolfsburg: Aufsichtsrat berät Sparpläne, IG Metall protestiert – darum geht es bei VW
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Hitzige Debatte in Wolfsburg: Aufsichtsrat berät Sparpläne, IG Metall protestiert – darum geht es bei VW

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Hitzige Debatte in WolfsburgAufsichtsrat berät Sparpläne, IG Metall protestiert – darum geht es bei VW

Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Hitziger Schlagabtausch bei VW in Wolfsburg: Der Aufsichtsrat berät heute über neue Sparpläne des Konzernvorstands, IG Metall und Betriebsrat halten mit einem bundesweiten Aktionstag an allen Konzernstandorten dagegen. Was genau dahintersteckt:

Das will der VW-Vorstand

Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ für den Konzern zu arbeiten und dabei auch den Sparkurs deutlich verschärfen zu wollen. Laut „Manager Magazin“ könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.

Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach sogar die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Laut „Spiegel“ könnte die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen.

VW bestätigte bisher nur, dass der Konzernvorstand „intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens“ arbeite, nannte aber keine Details. Ziel sei eine „umfassende Transformation“. Nach Befassung des Aufsichtsrats solle dies in die Umsetzung gebracht werden.

Das plant die Gewerkschaft

Die IG Metall kündigte umgehend Widerstand gegen die Pläne an und ruft zum Aktionstag auf. In Wolfsburg ist unmittelbar vor Beginn der Aufsichtsratssitzung eine Kundgebung geplant – direkt vor dem Vorstandshochhaus, in dem sich das Gremium dann trifft. Weitere Aktionen solle es an allen anderen Konzernstandorten in Deutschland geben, einschließlich der Töchter wie Audi, Porsche und MAN. In Stuttgart ist ein Autokorso geplant.

Die Proteste bezeichnete IG-Metall-Chefin Christiane Benner als „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!“ Die Beschäftigten hätten ihre Beiträge bereits geleistet, sagte sie mit Blick auf die Tarifeinigung Ende 2024. „Die ständigen Angriffe auf die Rechte der Kolleginnen und Kollegen nehmen wir nicht ohne Gegenwehr hin.“ Stattdessen forderte sie Ideen und Konzepte, wie die Werke ausgelastet werden.

Laut IG Metall handelt es sich dabei nicht um einen Arbeitskampf. „Es sind Informations- oder Protestveranstaltungen und keine Warnstreiks“, heißt es in der Mitteilung. Bei Volkswagen gelte weiter die Friedenspflicht, Arbeitsniederlegungen seien daher zunächst nicht geplant.

So sieht es im Aufsichtsrat aus

Wenn das Kontrollorgan um 14.30 Uhr zusammenkommt, dürfte es eine hitzige Debatte werden. Denn neben den Arbeitnehmervertretern hat sich auch das Land Niedersachsen bereits ablehnend zu den Plänen geäußert. Werksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, so Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg.

Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt, Ministerpräsident Olaf Lies und dessen Stellvertreterin Willie Hamburg sitzen dort im Aufsichtsrat. Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern sind sie in der Mehrheit – derzeit sogar deutlich, denn einer der eigentlich zehn Sitze der Kapitaleigner ist derzeit unbesetzt.

Dass die Vorschläge des Vorstands unverändert eine Mehrheit finden, gilt daher als nahezu ausgeschlossen. Zudem sind Kampfabstimmungen im VW-Kontrollorgan bisher die absolute Ausnahme. In aller Regel wird diskutiert, bis sich alle Seiten einig sind.

So lief es beim letzten Streit

Zuletzt war es bei VW 2024 zum heftigen Tarifstreit gekommen. Mehrmals legte die IG Metall mit Warnstreiks die Produktion lahm. Auch damals standen Werksschließungen und Stellenabbau im Raum. Erst kurz vor Weihnachten kam es nach einem einwöchigen Verhandlungsmarathon zum Kompromiss. Betriebsbedingte Kündigungen wurden ausgeschlossen, der Stellenabbau erfolgt vor allem über Altersteilzeit und Abfindungsprogramme.

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.

Darum will VW jetzt schon wieder sparen

Die Ende 2024 vereinbarte Sparmaßnahmen reichten angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen nicht mehr aus, so Blume. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind, so der Konzernchef.

Das bisherige Geschäftsmodell von VW, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu verkaufen, funktioniere daher nicht mehr. Der Konzern müsse sich neu aufstellen und die Kosten weiter senken. Und, so kündigte Blume bereits im Frühjahr an: „Wir werden jeden Stein umdrehen.“ Jetzt legt er dem Aufsichtsrat die Ergebnisse vor.

Quelle: ntv.de, are/dpa

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