Der Klimawandel beeinflusst auch die Landwirtschaft. Starkregen, Dürren, Schädlingsbefall treiben Kosten und Preise in die Höhe – häufig zu Lasten der Endkunden.
Landwirt Nils Christian aus dem hessischen Eschborn passt seinen Betrieb an die veränderten klimatischen Bedingungen an. Er baut jetzt Wassermelonen an. Eine Frucht, die dank längerer und trockenerer Sommer inzwischen auch in Deutschland wachsen könne, so der Landwirt.
„Mit den wechselnden Wetterbedingungen sind wir immer auf der Suche nach Kulturen, die wir anbauen können, um die Gegebenheiten einfach besser zu nutzen – so, wie sie sind. Wir probieren gerade Kichererbsen aus, die auch bei trockenen Sommern gute Erträge bringen.“
Lokale Landwirte tragen den Schaden
Andere Landwirte in der Region bauen Sojabonen oder Quinoa an. „Früchte, die vorher in Deutschland nicht denkbar waren“, so Landwirt Christian. Gleichzeitig werden die Bedingungen für klassische Getreidesorten schwieriger.
Agrarökonom Martin Quaim von der Universität Bonn weiß: Ernteausfälle bei weltweit gehandelten Produkten wie Weizen können häufig über den Weltmarkt ausgeglichen werden. Doch bei dem lokal betroffenen Bauern bleibe der Schaden. Bei regionalen Kulturen wie Spargel sei das anders: „Spargel ist etwas, das regional und saisonal in der Region angebaut wird. Und wenn bei der Ernte etwas schief geht, aufgrund von Wetterbedingungen, würden die Landwirte höhere Preise bekommen.“
Brotpreis nicht allein vom Weizenpreis abhängig
Die großen Lebensmittelkonzerte können laut Agrarökonom Quaim viel einfacher die steigende Rohstoff- und Erzeugnispreise an die Verbraucher weitergeben. Allerdings sei nicht jede Preiserhöhung automatisch durch höhere Kosten gerechtfertigt.
„Wenn Sie ein Brot kaufen, dann ist der Weizen oder Lebensmittelrohstoffanteil nur in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent im Preis enthalten. Das andere sind die Miete, Transport, Arbeitskraft und so weiter“, so Quaim. Die Vorstellung, dass der Brotpreis allein vom Weizenpreis abhängig sei, ist nach Angaben des Agrarwissenschaftlers falsch.
Große Unternehmen sichern Preise ab
Unternehmen mit großer Marktmacht hätten zeitweise auch höhere Preise durchgesetzt, als die Kostenentwicklung allein rechtfertigte. Gleichzeitig sichern sich viele Konzerne über Terminmärkte gegen Preisschwankungen bei Agrarrohstoffen ab. Bespielsweise, um Weizen einer bestimmten Qualität zu einem festgelegten Preis zu bekommen.
„Damit sichern sich Lebensmittelunternehmen vor Preisrisiken ab, weil sie in die Zukunft hinein schon einen bestimmten Preis zahlen. Am Ende mag dann der Tagespreis höher oder niedriger sein, aber sie haben dann einen Kontrakt über einen bestimmten Preis abgeschlossen.“ Das könne auch mal zum Nachteil der Konzerne ausfallen, etwa wenn der zukünftige Preis günstiger ausfällt als der fest vereinbarte.
Während große Lebensmittelkonzerne ihre Lieferketten zudem international ausrichten können, passt sich die Landwirtschaft vor Ort an den Klimawandel an: mit neuen Kulturen wie Feigen aus den Weinbauregionen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz, Sojabohnen und Süßkartoffeln aus Bayern, Kichererbsen aus Sachsen-Anhalt – und eben Wassermelonen aus Hessen.
