Marktbericht
Ab dieser Woche bestimmen zunehmend wieder die Unternehmen die Börsentendenz. In den USA läuft die Berichtssaison zum zweiten Quartal an. Die Erwartungen sind ziemlich hoch.
An der Börse werden Erwartungen gehandelt – am Ende bestimmen aber doch die tatsächlichen Unternehmensgewinne die Kurse. Erzielt ein Unternehmen dauerhaft keine Gewinne, wird es eines Tages pleite gehen – und der Aktienkurs auf null fallen. Auf der anderen Seite wird ein Unternehmen, das seine Gewinne zuverlässig steigert, langfristig im Kurs steigen.
Umso gespannter sind Investoren, wenn sie ihre Erwartungen mit den tatsächlichen Ergebnissen abgleichen können – das geschieht in Zeiten der Berichtssaison. In dieser Woche laufen die ersten Berichte zum abgelaufenen zweiten Quartal ein.
US-Banken eröffnen die Berichtssaison
Während es in Deutschland noch relativ ruhig bleibt, eröffnen in den USA traditionell die US-Banken den Zahlenreigen. Morgen berichten JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo über ihre Geschäfte. Am Mittwoch folgen Morgan Stanley und die Bank of New York Mellon.
Mit den Resultaten der US-Banken entscheide sich, ob die Rekordlaune der Anleger auf Substanz gebaut sei oder nur auf Zinsfantasie, sagte Vermögensverwalter Ortay Gelen von Axia Asset Management. Lieferten die Finanzhäuser, dürfte kaum etwas den DAX von seinem Kurs gen historischen Höchststand abhalten. Vergangene Woche hatte der deutsche Leitindex zeitweise einen Höchststand von 25.908 Punkten erreicht.
Hohe Erwartungen
Aber die Erwartungen sind recht hoch. Für die US-Banken geht „der Marktkonsens“, also der Durchschnitt aller Analystenschätzungen, von einem Gewinnplus von gut zehn Prozent aus. Für den Gesamtmarkt sind die Erwartungen angesichts des hohen Anteils von Technologieunternehmen noch deutlich höher: Den Unternehmen des amerikanischen S&P-500-Index trauen die Analysten ein Gewinnplus von über 23 Prozent zu.
Die Messlatte liege damit extrem hoch, meint etwa Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Handelsplattform eToro. „Selbst solide Quartalszahlen könnten Gewinnmitnahmen auslösen, wenn die positiven Überraschungen ausbleiben.“
Wienke verweist aber auch darauf, dass vor allem die Ausblicke der Unternehmen auf die zweite Jahreshälfte entscheidend sein dürften. „Für die KI-Story rückt vor allem die Frage in den Mittelpunkt, wie weit die KI-Monetarisierung bereits fortgeschritten ist. Anleger wollen sehen, inwieweit sich die milliardenschweren KI-Investitionen auszahlen.“
DAX-Gewinne verhaltener geschätzt
Für die europäischen Märkte, die weniger KI-Fantasie beinhalten, sind die Erwartungen etwas verhaltener. Für die 40 Unternehmen des DAX rechnen die Analysten mit einem Gewinnwachstum von etwa fünf bis zwölf Prozent. Auf den Schnitt drücken hier auch die getrübten Erwartungen an die Bilanzen der Autobauer im Leitindex.
Ein erstes Highlight in Europa sind die Zahlen des niederländischen Chipzulieferers ASML am Mittwoch. In Deutschland veröffentlicht morgen der Verpackungshersteller Gerresheimer seinen Quartalsbericht.
DAX startet gelassen
Der deutsche Aktienmarkt startet indessen bemerkenswert gelassen in die erste Berichtswoche. Das dürfte auch daran liegen, dass das US-Militär seine Angriffe auf iranische Stellungen vorerst für beendet erklärt hat. Der DAX notiert am frühen Nachmittag 0,2 Prozent höher bei 25.118 Punkten.
Neben der anlaufenden Berichtssaison dürften auch die US-Verbraucherpreise am Dienstag für Bewegung sorgen.

