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Startseite»Politik»Kann die wachsende Rüstungsindustrie Arbeitsplätze retten?
Politik

Kann die wachsende Rüstungsindustrie Arbeitsplätze retten?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.07.2026 • 14:49 Uhr

Rüstung ist kein Selbstläufer mehr. Das zeigt das verhaltene Interesse der Investoren am Börsengang des Unternehmens SMAG aus Salzgitter. Private Geldgeber setzen aber weiter auf Verteidigung.

Bianca von der Au

Mit gut einer Viertelstunde Verspätung konnte Börsenhändler Marc Richter von der Streubing AG heute erst den ersten Preis für die SMAG-Aktie ausrufen. Es fanden sich zu wenige Käufer, so der Börsenmakler. Entsprechend lag der erste Preis mit 35 Euro deutlich unter dem zuvor festgelegten Ausgabepreis von 46 Euro. Ein Zeichen dafür, dass das Interesse der Investoren an dem Rüstungsunternehmen eher verhalten war.

Davon ließen sich die aus Salzgitter angereisten Mitarbeiter von SMAG Mobile Antenna Masts AG die gute Laune nicht verderben und jubelten begeistert, als der Vorstandsvorsitzende Ulrich Feindt die Börsenglocke auf dem Frankfurter Parkett läuten durfte. „Wir sind jetzt einfach happy, dass wir an der Börse sind, dass wir notiert sind. Wir haben uns über die letzten Jahre vorbereitet, ganz intensiv war das natürlich in den letzten Monaten“, sagte er im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Vom Bergbau- zum Rüstungsunternehmen

Dabei gibt es die Firma in ihrem Ursprung schon seit mehr als 100 Jahren. Das Kürzel SMAG steht für Salzgitter Maschinenbau, gegründet im Jahr 1919 durch einen Bergbau-Ingenieur. Aus der Ursprungsgesellschaft, die Bergwerkstechnik herstellte, entstanden viele Tochterunternehmen, unter anderem die Sparte Antennenbau im Jahr 1974.

Erst seit Anfang des Jahres ist Ulrich Feindt Vorstandsvorsitzender bei SMAG und trimmt das Unternehmen nun klar in Richtung Rüstung: „Wir sind zu über 99 Prozent ein Rüstungsunternehmen. Wir bauen mobile Antennenmastsysteme für missionskritische Einsätze. Das bedeutet, dass wir für die Armeen dieser Welt eine mobile Kommunikationsinfrastruktur aufbauen.“

Viele Traditionsunternehmen bauen Rüstungsgeschäfte aus

Die Auftragsbücher seien voll, so der Unternehmenschef, der zuvor bei einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft war, die SMAG aufgekauft hatte. Durch den Börsengang erhoffe man sich Wachstum und das Erschließen neuer Märkte. Auch in Deutschland wächst die Rüstungsindustrie und immer mehr Traditionsunternehmen sehen hier ein neues Geschäftsfeld.

Jüngstes Beispiel: Deutz. Der Motoren-Hersteller aus Köln übernimmt den Flensburger Militärfahrzeugbauer FFG. Gemeinsam wolle man Fahrzeuge für die Bundeswehr und NATO-Partner entwickeln.

Auch Mercedes Benz, Autozulieferer Schaeffler und Heidelberg Druckmaschinen sind prominente Beispiele für Unternehmen, die ihr Rüstungsgeschäft strategisch ausbauen, um von der wachsenden Nachfrage nach Verteidigung zu profitieren. Da werde in den kommenden Jahren so viel investiert, dass die Rüstungsindustrie immer wichtiger werde, so die Einschätzung von ING-Bank-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Kann Rüstungsbranche verlorene Industrie-Arbeitsplätze retten?

Ob die Rüstung die vielen Hunderttausenden Industriearbeitsplätze ersetzen kann, die in den vergangenen Monaten in Deutschland weggebrochen sind, insbesondere bei den großen Autokonzernen und deren Zulieferern, bezweifelt der Volkswirt aber: „Die Rüstungsindustrie ist ein extrem dynamischer Sektor, wird aber lange nicht in der Lage sein, den Stellenwert der Automobilindustrie zu übernehmen, und wird damit auch lange nicht in der Lage sein, wegfallende Arbeitsplätze aus der Automobilindustrie zu übernehmen.“

An der Börse ist SMAG in diesem Jahr bereits das dritte Unternehmen aus der Rüstungsbranche, das an den Markt geht. Der Panzerbauer KNDS hatte seinen Börsengang jedoch zu Monatsanfang auf Eis gelegt. Denn nach einer Phase des Booms haben sich Anleger bei Rüstungsaktien zuletzt eher zurückgehalten und die Aktien auf den hohen Kursniveaus abverkauft.

Drohnen-Startup Helsing bekommt frische Milliarden

An anderer Stelle sind Geldgeber jedoch weiterhin ausgabefreudig: bei der Start-up-Finanzierung. Der Münchner Drohnen-Hersteller Helsing hat sich 1,8 Milliarden Dollar frisches Kapital beschafft und wird nach eigenen Angaben nun mit 18 Milliarden Dollar bewertet.

An der jüngsten, fünften Finanzierungsrunde für das 2021 gegründete Unternehmen beteiligten sich federführend die US-Risikokapital-Investoren Dragoneer Investment Group und Lightspeed Venture Partners, wie Helsing heute mitteilte. Daneben hätten neue und bestehende Investoren wie Disruptive, Iconiq, Goldman Sachs, JPMorganChase und der kanadische Pensionsfonds CPP Investments Geld gegeben.

Helsing profitiert vom Megatrend Künstliche Intelligenz

Die Finanzierungsrunde wurde offenbar sogar noch aufgestockt: Im Mai war in der Financial Times noch von 1,2 Milliarden Dollar die Rede. Die Nachfrage habe das verfügbare Volumen deutlich übertroffen, erklärte Helsing. „Das unterstreicht das hohe und wachsende Vertrauen in KI-gestützte und softwarebasierte Verteidigungstechnologie.“

Bei der vorherigen Finanzierungsrunde war Helsing mit zwölf Milliarden Dollar bewertet worden. Insgesamt hat das Start-up seit seiner Gründung mehr als drei Milliarden Dollar eingesammelt. Das dürfte neben der Rüstung vor allem am Einsatz von Künstlicher Intelligenz liegen – dem ungebrochenen Megatrend an der Börse.

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