In Maine ist bei einem Einsatz unter Beteiligung der US-Einwanderungsbehörde ICE ein Mann erschossen worden. Es ist bereits der zweite tödliche Vorfall innerhalb einer Woche.
In der Kleinstadt Biddeford im Nordosten des Bundesstaates Maine ist ein Mann von einem ICE-Mitarbeiter erschossen worden. Die genauen Umstände sind noch unklar. Fast zwölf Stunden hat es gedauert, bis das zuständige Ministerium, das US-Heimatschutzministerium, zu dem tödlichen Schuss Stellung bezogen hat.
Dann teilte das Heimatschutzministerium mit, ICE-Mitarbeiter hätten gegen 7 Uhr am Montagmorgen eine „gezielte Strafverfolgungsmaßnahme“ beim Haus des Getöteten durchgeführt. Er habe das Haus verlassen und versucht, in einem Fahrzeug vom Tatort zu fliehen.
ICE: „Sorge um die öffentliche Sicherheit“
Einer der ICE-Mitarbeiter habe – so wörtlich – „aus Sorge um die öffentliche Sicherheit“ einen Schuss abgegeben. Rettungskräfte seien alarmiert worden, der Mann sei aber an Ort und Stelle seinen Verletzungen erlegen. Eine Erklärung, warum die öffentliche Sicherheit gefährdet gewesen sein soll, gibt es nicht.
Unabhängige Untersuchung gefordert
Die Behörden gaben die Identität des Getöteten nicht bekannt. Laut Hilfsorganisationen in Maine handelt es sich um einen 26 Jahre alten Mann kolumbianischer Staatsbürgerschaft. Laut der Maine Immigrants‘ Rights Coalition hatte er eine Arbeitserlaubnis für die USA.
Der Bürgermeister der Kleinstadt in Maine und auch die demokratische Gouverneurin von Maine haben eine unabhängige Untersuchung gefordert. Der ICE-Mitarbeiter, der geschossen hat, soll suspendiert worden sein.
Zweite Tote innerhalb einer Woche
Es ist bereits der zweite Tote bei einem ICE-Einsatz innerhalb einer Woche. Am vergangenen Dienstag ist in Houston im Bundesstaat Texas ein Mann ebenfalls durch einen ICE-Mitarbeiter erschossen worden.
Der tödliche Schuss fiel bei einer Verkehrskontrolle. Der Mexikaner Salgado Araujo wurde noch ins Krankenhaus gebracht, starb dort aber. Die Behörden teilten mit, er habe seinen Lieferwagen „als Waffe eingesetzt“, ein Fahrzeug der Einwanderungspolizisten gerammt und versucht, einen Beamten zu überfahren. Drei am Tatort festgenommene Menschen widersprachen dem.
Erinnerungen an Vorfälle im Januar
Auch in Maine widersprechen Augenzeugen der Darstellung des Heimatschutzministeriums.
Im Moment ist noch unklar, was genau passiert ist – weder in Maine noch in Texas. Die Reaktion der Behörden erinnert jedoch an die im Januar, als in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota Renee Good und Alex Pretti von ICE-Mitarbeitern und einem Mitarbeiter der Grenzschutzpolizei Border Patrol erschossen wurden.
In beiden Fällen hatte es von ICE und dem Heimatschutzministerium geheißen, die ICE-Mitarbeiter seien bedroht worden und hätten aus Selbstschutz gehandelt. Videos von Augenzeugen bewiesen das Gegenteil.
Die beiden tödlichen Vorfälle und das auch bei weiteren Einsätzen unverhältnismäßig brutale Vorgehen der ICE-Mitarbeiter führten zu bundesweiten Protesten und am Ende zur Entlassung der damaligen Heimatschutzministerin Kristi Noem. Ihr Nachfolger Markwayne Mullin hatte angekündigt, die Einwanderungsbehörde ICE aus den Schlagzeilen bringen zu wollen.
Proteste starten wieder
Und tatsächlich war ICE zuletzt nicht mehr so in den Schlagzeilen wie noch vor ein paar Monaten. Das ändert sich aber gerade. Erneut zwei Tote bei ICE-Einsätzen, da werden bei vielen US-Amerikanern Erinnerungen wach, und es schrillen die Alarmglocken. Sowohl in Texas als auch in Maine hat es bereits Proteste gegeben. Sie haben aber – zumindest bisher – nicht das Ausmaß erreicht wie nach den Geschehnissen im Januar in Minneapolis.

