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Startseite»Politik»Großbritannien: Die morschen Mauern von Westminster
Politik

Großbritannien: Die morschen Mauern von Westminster

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 14, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 14.07.2026 • 14:42 Uhr

So altehrwürdig das britische Parlament auch sein mag: Das Gebäude muss dringend renoviert werden. Die Mauern bröckeln, immer mal wieder brennt es – und Mäuse tauchen in Interviews auf. Doch eine Renovierung dürfte Jahrzehnte dauern.

Christoph Prössl

Der Palace of Westminster ist ein traditionsreicher Ort. Jeder Stein erzählt eine Geschichte. Hier tagt das Parlament und hier trägt der König das Regierungsprogramm vor, zuletzt im Mai dieses Jahres.

Der Palace of Westminster ist ein traditionsreicher Ort.

Diese „King’s Speech“ ist ein bedeutender Moment der britischen Demokratie, eingebettet in den goldenen Glanz der Monarchie. Charles III. trägt bei seiner Rede die Krone, er nimmt auf dem Thron Platz, der im Oberhaus steht. Nach einem ausgeklügelten Ritus werden die Abgeordneten des Unterhauses dann dazu geholt, wenn der König spricht. Viel Geschichte kondensiert sich hier in einem Moment.

Doch in diesem Gebäude liegen Prunk und Verfall nah beieinander. Der Palace of Westminster ist zwischen 1840 und 1870 erbaut worden. Damals gab es noch nicht einmal elektrisches Licht – was viel aussagt über den technischen Stand dieser Immobilie.

Das Gebäude hat 1.100 Räume. Die Parlamentsverwaltung gibt jede Woche 1,7 Millionen Euro für Reparaturen aus.

Die Mauern des Palace of Westminster bröckeln – und mittlerweile fallen gelegentlich Teile hinab.

Mäuse im Büro

Anschaulich wird das im Kellergeschoss. Andy Piper vom Renovierungsteam führt durch das Labyrinth der Gänge, das viele „U-Boot“ nennen, weil hier so viele Leitungen und Rohre verbaut sind. „Wir haben hier Wasserdampf, Gas, Hochdruck-Wasserleitungen zur Feuerbekämpfung. Es ist ein Gestrüpp“, sagt Piper.

Alle paar Jahre sind neue Leitungen und Kabel dazu gekommen. Die uralten Heizungsrohre mussten durch neue ersetzt werden, es kamen Leitungen für die Brandbekämpfung dazu, Strippen für die Telekommunikation, Internet.

Mittlerweile wird der Platz knapp. Bei einer Renovierung müssten alle alten Leitungen rausgenommen werden, bevor neue verlegt werden. In einigen Bereichen des Parlamentsgebäudes ist im Winter auch schon die Heizung ausgefallen. Es gab auch schon Probleme mit der Abwasserentsorgung.

Auch die Mäuse lieben das historische Gemäuer. Manchmal zeigen sich die Nager sogar beim Interview, wie im Büro von Kemi Badenoch, als die Oppositionsführerin dem Fernsehsender ITV ein Interview gab. Der Sender hob die Maus im Bild hervor – Großbritannien diskutierte den Fall tagelang.

Insgesamt brachen seit 2016 36 Feuer aus, die alle schnell gelöscht werden konnten. In 19 Fällen stürzten Steine von der Fassade herab, verletzt wurde zum Glück niemand.

Zu viele alte Kabel, Rohre und Kanäle: Auch im Untergeschoss wird deutlich, wie renovierungsbedürftig das Gebäude ist.

Dauer der Renovierung: Jahrzehnte

Längst ist klar: Es muss gehandelt werden. Ein Parlamentsausschuss hat gemeinsam mit Experten Optionen für eine mögliche Renovierung erarbeitet. Die Abgeordnete der Liberaldemokraten, Marie Goldmann, drängt auf eine Entscheidung. Sie räumt allerdings ein, dass das eine schwierige Entscheidung sei.

Viele Abgeordnete hätten ein Problem damit, weil es Milliarden kostet. „Aber da gibt es keine Option, bei der keine Kosten entstehen“, sagte Goldmann. Die Renovierung aufzuschieben, würde alles nur noch viel teurer machen.

Ein Bericht fasst die Vorschläge zusammen. Eine Option: vollständiger Auszug aller Abgeordneten, das Parlament tagt während der Renovierung in einem anderen Gebäude. Dauer: bis zu 24 Jahre, Kosten: mehr als 13 Milliarden Euro.

Zweite Möglichkeit: Renovierung parallel zum Parlamentsbetrieb. Das würde bis zu 61 Jahre dauern und bis zu 22 Milliarden Euro verschlingen.

Im Herbst sollen die Abgeordneten beraten – dann, wenn die neue britische Regierung im Amt ist.

Und dann ist da noch der Rost, der an den Rohren frisst. Manchmal fällt im Parlamentsgebäude die Heizung aus.

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Dr. Heinrich Krämer
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