Zu viel Hitze, zu wenig Niederschlag: Seit Jahren nimmt die Trockenheit in Deutschland zu. Erstmals lassen sich nun Pegelstände auf einer einheitlichen Website einsehen. Die Lage ist dramatisch.
Das Wasser von Deutschlands größten Seen ist verschwunden. Deutschland hat laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) in den vergangenen 25 Jahren 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren. Das entspricht ungefähr dem Wasservolumen des Bodensees, des Starnberger Sees, des Chiemsees, des Ammersees und der Müritz zusammen.
Fehlende Niederschläge gepaart mit steigenden Temperaturen sorgen für immer niedrigere Wasserstände in Deutschland. Wie dramatisch die Lage wirklich ist, lässt sich nun auf einer neuen Plattform mit dem Namen NIWIS (Niedrigwasserinformationssystem) nachsehen.
Viele Daten erstmals gebündelt
Die Niedrigwasserlage in Flüssen, im Grundwasser und im Boden wird seit Jahrzehnten in ganz Deutschland gemessen. Bisher gab es aber kein einheitliches Portal, das diese Daten aufbereitet. NIWIS kann genau das.
Auf drei Deutschlandkarten lassen sich die Daten von Hunderten Messstationen einsehen und vergleichen. Dabei hilft ein vierfarbiges Ampelsystem: Blau steht für normal, Gelb für niedrig, Orange für sehr niedrig, und Rot für extrem niedrig.
Die blauen Punkte auf der Deutschlandkarte sind aktuell in der Minderheit. Im Süden sucht man Blau vergeblich, Orange und Rot dominieren. Die dramatische Niedrigwasserlage in Süddeutschland wird so auf einen Blick ersichtlich.
Milliardenschwere Folgen von Niedrigwasser
Die Auswirkungen von Niedrigwasser sind vielfältig. Schiffe können nicht fahren, Kraftwerke und Industrieanlagen nicht ausreichend gekühlt werden. Ernten fallen aus, die Waldbrandgefahr steigt, die Trinkwasserversorgung gerät unter Druck. Laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) drohen der deutschen Volkswirtschaft bis 2050 Schäden von 625 Milliarden Euro durch Niedrigwasser.
NIWIS soll Unternehmen und Gemeinden auch dabei helfen, die aktuelle Niedrigwassersituation besser einzuschätzen und rechtzeitig Wasser zu sparen. Und auch jeder Einzelne kann mit einem Blick auf NIWIS prüfen, ob gerade ein guter Tag ist, um den Swimmingpool per Grundwasserpumpe zu befüllen, oder lieber nicht.
Gesetzesentwurf kommt nicht voran
Kurzfristige Rasensprengerverbote ändern nichts an der seit Jahren wachsenden Niedrigwasserproblematik. Um das Wasser besser zu speichern, braucht es Moore, Wälder und Auen.
Genau die möchte der Bundesumweltminister eigentlich mit einem Gesetz zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur (NATIF) schützen. Das Gesetz gilt als Gegengewicht zum Infrastrukturgesetz. Genau wie wichtige Straßen oder Brücken, sollen auch Naturflächen von „überragendem öffentlichen Interesse“ sein und so geschützt werden.
Doch der Gesetzesentwurf hängt seit Monaten in der Ressortabstimmung fest. Auch beim „Entlastungskabinett“ schaffte es das Gesetz erneut nicht auf die Tagesordnung. „Es gibt noch Widerstände“, gibt Schneider offen zu. Aber er bleibe felsenfest und man brauche nur Tour de France gucken und wie die Situation in Südfrankreich sei, um zu sehen, dass Handeln notwendig ist, sagt Schneider. Er sei guter Dinge, dass es bald einen Konsens in der Regierung zum NATIF gibt.
Die Dramatik der Wasserknappheit auf NIWIS zu erkennen, gestaltete sich am ersten Tag des Portals schwierig. Die Seite war viele Stunden lang nicht aufrufbar oder funktionierte nur sehr langsam.

