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Doppelgängerkampagne: Ausländische Einflussnahme vor Wahlen!

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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Wahlen in Sachsen-Anhalt stehen an und pünktlich ist die Doppelgängerkampagne zurück! Es handelt sich dabei um eine Kampagne mit massiver manipulativer Einflussnahme auf unsere Demokratie in Europa.

Die Journalisten Christian Fuchs und Lars Frohmüller haben in der ZEIT entsprechend diese neue Variante der Doppelgängerkampagne beschrieben und Beispiele gezeigt. Sehr beunruhigende Beispiele!

In dem am heutigen Tag erschienenen Artikel erfahren wir, dass direkt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt speziell auf X plötzlich kurze Videos aufgetaucht sind, in denen Kandidatinnen und Kandidaten demokratischer Parteien schwerste Straftaten unterstellt werden. Mord, Missbrauch, Drogen. Angebliche geheime Sexpartys, halt das Übliche aus dem Schmierspektrum. Also genau die Sorte Vorwürfe, die Menschen emotional sofort packt und politisch maximal beschädigen kann.

Die Videos wirken auf den ersten Blick wie kurze Medienclips und das ist genau der Kern einer Doppelgängerkampagne. Es werden Logos bekannter Medienmarken verwendet. Darunter, ganz klassisch, ZEIT, FAZ, Süddeutsche, Bild, Welt oder Spiegel TV. Genau das soll Seriosität vortäuschen und zu einem typischen Denkmuster verleiten: Wenn das aussieht wie ein Beitrag eines bekannten Mediums, dann wird schon irgendetwas dran sein.

Aber dieses Mal ist es noch ein wenig anders, noch schlimmer würde ich sagen. In einigen Videos sollen extrem kurze Einzelbilder eingebaut sein, die beim normalen Anschauen kaum wahrnehmbar sind. Darauf stehen beispielsweise Aussagen gegen die CDU. Es werden also unterbewusst krasse Aussagen vermittelt.

Subliminale Einblendung

Autor Christian Fuchs schreibt auf BlueSky dazu, dass einige Videos von Standbildern unterbrochen werden. Auf Untergrund im CDU-Türkis steht: „100% der Mitglieder der CDU sind Pädophile! Wählt sie nicht!“ Die Einblendung ist Millisekunden lang, beim normalen Abspielen nicht wahrnehmbar. Das Frame soll die Zuschauer wohl unterbewusst manipulieren.

Diese manipulative Technik, die auch in der Werbung vor Jahrzehnten testweise eingestzt wurde, nennt sich subliminale Einblendung . Eine subliminale Einblendung ist eine Botschaft, die so kurz gezeigt wird, dass sie beim normalen Anschauen kaum bewusst wahrgenommen wird. Technisch kann das über ein einzelnes Standbild geschehen, das nur für Millisekunden in ein Video geschnitten wird. Man sieht es nicht richtig, aber der Reiz ist vorhanden.

Skurril: Einige Videos werden von Standbild unterbrochen. Auf Untergrund im CDU-Türkis steht: „100% der Mitglieder der CDU sind Pädophile! Wählt sie nicht!“ Die Einblendung ist Millisekunden lang, beim normalen Abspielen nicht wahrnehmbar. Das Frame soll die Zuschauer wohl unterbewusst manipulieren.

[image or embed]

— Christian Fuchs (@christian-fuchs.bsky.social) 16. Juli 2026 um 09:41

Psychologisch spricht man von unterschwelliger Wahrnehmung oder subliminalem Priming. Gemeint ist, dass ein Bild, ein Wort oder ein Symbol extrem kurz gezeigt wird und dadurch eine gedankliche oder emotionale Verbindung anstoßen soll, bevor man die Information bewusst prüfen kann. Solche Einblendungen sind keine Gedankenkontrolle. Menschen werden dadurch nicht ferngesteuert. Die Wirkung wird in der öffentlichen Vorstellung oft stärker dargestellt, als sie wissenschaftlich belegbar ist.

Manipulativ ist die Methode trotzdem, weil sie versucht, eine Botschaft an der bewussten Bewertung vorbeizuschieben. Die Aussage wird nicht offen zur Diskussion gestellt, sondern versteckt platziert. Besonders problematisch wird es, wenn solche Einblendungen mit stark emotionalen Begriffen arbeiten. Worte wie Gewalt, Missbrauch, Verrat oder Pädophilie lösen sehr schnell Abwehr, Ekel oder Wut aus. Werden solche Begriffe blitzartig mit einer Person, einer Partei oder einem Symbol verbunden, soll eine negative Assoziation entstehen.

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Die Wirkung ist nicht automatisch stark, aber sie kann dazu beitragen, ein Gefühl zu setzen. In politischen oder werblichen Zusammenhängen sind subliminale Einblendungen deshalb heikel. Sie arbeiten mit versteckter Beeinflussung statt mit offener Überzeugung. Man könnte sagen, die Botschaft tritt nicht durch die Tür ein, sondern versucht, durch den Spalt zu rutschen.

Für eine Doppelgängerkampagne auch typisch ist die Art und Weise, wie diese Inhalte verbreitet werden. Die Accounts wirken seltsam zusammengewürfelt. Im Grunde die üblichen Muster, wie man Sockenpuppen erkennen kann: nicht deutsche, oft englische Namen, angebliche Standorte in verschiedenen Ländern, kaum Follower, jahrelang kaum Aktivität. Und dann werden sie plötzlich fast gleichzeitig wieder aktiv und posten alle dieselben Inhalte.

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Schläferprofile!

Schläferprofile sind Social-Media-Accounts, die lange Zeit kaum auffallen. Sie existieren oft seit Jahren, posten wenig oder gar nichts, sammeln kaum Reaktionen und wirken wie alte, vergessene Accounts. Und genau das macht sie für Desinformationskampagnen interessant, denn ein frisch erstelltes Profil erkennt man oft schneller. Keine Geschichte, keine alten Beiträge, keine echten Kontakte, kein normales Nutzungsverhalten. Ein Account, der schon seit 2011 oder 2012 existiert, wirkt dagegen auf den ersten Blick glaubwürdiger. Das Alter des Profils wird zur Tarnung.

Im aktuellen Kontext heißt das, dass einige Konten offenbar viele Jahre praktisch inaktiv waren. Dann wurden sie plötzlich wieder aktiv und verbreiteten innerhalb kurzer Zeit Videos mit schweren Falschbehauptungen über Politikerinnen und Politiker. Fast gleichzeitig. Mit ähnlichen Inhalten. Über dieselbe Plattform. In einem politisch sensiblen Moment kurz vor einer Wahl. Und das ist das Auffällige!

Solche Profile können auf unterschiedliche Weise entstehen. Manche werden früh angelegt und später gezielt genutzt. Andere werden übernommen, gekauft oder gekapert. Alte Accounts sind in bestimmten Netzwerken handelbar, weil sie wertvoller wirken als neue Wegwerfprofile. Der Zweck bleibt derselbe, sie sollen den Eindruck erzeugen, als kämen bestimmte Inhalte von normalen, unabhängigen Menschen. Dabei ist es oft keine echte öffentliche Meinung, sondern eine künstlich gestartete Kampagne.

Daran erkennt man Schläferprofile: Typische Hinweise sind eine lange Pause in der Aktivität, dann plötzlich viele Beiträge zu einem politischen Thema. Dazu kommen oft merkwürdige Nutzernamen, kaum Follower, wenig echte Interaktion, angebliche Standorte ohne Bezug zum Thema und Inhalte, die nicht zur Sprache oder Geschichte des Profils passen.

Im Fall Sachsen-Anhalt ist besonders auffällig, dass die Videos sich an ein deutsches Publikum richten, die Inhalte oder Accounts sind aber auf Englisch. Die Konten sollen aus unterschiedlichen Ländern stammen, haben kaum Reichweite aus ihrer eigenen Vergangenheit und werden dann plötzlich synchron aktiv. Genau so sehen Schläferprofile in einer Einflusskampagne aus.

Sie sollen nicht unbedingt selbst riesige Reichweite haben. Sie sollen eine erste Welle erzeugen. Andere greifen es auf, kommentieren, teilen, empören sich. Medien und Politik reagieren. Und schon ist aus einer künstlich gesetzten Falschbehauptung ein Thema geworden.

Sehr problematisch ist, dass diese Doppelgängerkampagnen weder etwas beweisen müssen, noch am Ende jeden überzeugen wollen. Es reicht, wenn genug Menschen sagen: „Man weiß ja gar nichts mehr, wem man noch vertrauen kann“ oder noch schlimmer: „Alle lügen doch.“ Zumindest bleibt häufig der Gedanke, dass ja „irgendwas“ schon dran sein wird. Dieser Satz ist meines Erachtens einer der gefährlichsten Sätze.

Wer steckt heute dahinter?

Wer exakt in der aktuellen Variante dahintersteckt, kann man wie immer noch nicht genau sagen. Das Muster selbst kennt man aus früheren russischen Einflussoperationen, die wir entweder als „Doppelgänger“ oder „Matrjoschka“ bezeichnet haben.

Um es zu verdeutlichen, erkläre ich nochmal kurz die klassische Doppelgängerkampagne. Diese Kampagne ist eine russische Desinformationsoperation, bei der bekannte Medien nachgebaut oder imitiert werden. Es werden gefälschte Webseiten, gefälschte Artikel, gefälschte Videos oder gefälschte Social-Media-Beiträge erstellt, die aussehen sollen, als kämen sie von seriösen Medien. Das Ziel ist, Menschen zu täuschen, Vertrauen in echte Medien zu zerstören und politische Stimmung zu machen. Sie funktioniert auf mehreren Ebenen, nicht nur auf der direkten. Diese Kampagne hat nicht allein das Ziel, Desinformation im Netz zu verbreiten, sondern auch das Vertrauen in etablierte Medien zu stören.

Diese zweite Ebene ist halt etwas fieser. Wenn Menschen nicht mehr wissen, ob ein Video echt ist, ob ein Medienlogo echt ist, ob ein Screenshot echt ist oder ob ein Account echt ist, entsteht Unsicherheit. Und wenn dann auch noch der Trugschluss gezogen wird, dass diese Medien sich selbst widersprechen, entsteht aus dieser Unsicherheit am Ende Misstrauen, auch gegenüber der Demokratie.

Aber, so ebenfalls nach Aussage des Autors Christian Fuchs, ist die AfD bisher nicht von den Falschbehauptungen betroffen. Auf Bluesky zitiert Fuchs den Verfassungsschutz mit den Worten: „Parteien, deren Kandidaten durch diese Desinformationskampagne nicht diskreditiert werden, könnten von der Kampagne profitieren.“ Der Verfassungsschutz sieht in der Operation entsprechend eine „unzulässige ausländische Einflussnahme“.

Was kann man denn nun tun? Naja, die Kampagne ist immer so ausgelegt, dass Menschen die Inhalte auch glauben wollen. Dennoch sollte man prüfen! Wenn kurz vor einer Wahl plötzlich ein dramatisches Video auftaucht, das angeblich einen riesigen Skandal beweist, wäre es ratsam, die vermeintliche Originalseite anzusehen. Also Website direkt aufrufen, schauen, ob der Beitrag dort wirklich existiert. Und bei dem vermeintlichen Original auf Sprache, Account, Datum und Verbreitungsweg achten.

Mehr dazu:
Lügengrüße aus Moskau – ZEIT

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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Dr. Heinrich Krämer
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