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Startseite»Politik»Schifffahrt, Energieversorgung und Umwelt leiden unter Niedrigwasser
Politik

Schifffahrt, Energieversorgung und Umwelt leiden unter Niedrigwasser

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.07.2026 • 11:29 Uhr

Der Pegelstand des Rhein ist schon jetzt zu niedrig, Schiffe können nur mit einem Drittel der Last fahren. Bei normalem Wasserstand sind begradigte Flüsse nützlich – aber in Hitzeperioden werden sie zum Problem.

Zwischen 450 und 500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde flossen in den vergangenen Tagen bei Karlsruhe den Rhein hinunter. Zehn Tage zuvor waren es noch knapp doppelt so viel.

Ein großes Wehr staut den Rhein einige Flusskilometer aufwärts in Iffezheim bei Rastatt zur Energiegewinnung auf. Mit fünf Turbinen wird Strom für mehr als 500.000 Haushalte produziert. Neben dem Kraftwerk gibt es zwei Schleusenkammern, damit Schiffe den Höhenunterschied von rund zehn Metern überwinden können. Eine Fischtreppe rettet viele Flussbewohner.

Der Kraftwerksbetreiber EnBW erklärt, durch den niedrigen Wasserstand könnten sie schon seit Mai dieses Jahres das Kraftwerk nicht in Volllast betreiben. Bisher war das erst mehrere Wochen später im Jahr der Fall. Die Landesanstalt Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) erklärt, dass solch niedrige Wasserstände zu dieser Jahreszeit bisher noch nicht in ihren Daten aufgetreten seien.

Pegelstand ist wichtige Grundlage für die Schifffahrt

Der Wasserstand der Flüsse wird aufgezeichnet und analysiert – daraus resultieren für die Schifffahrt wichtige Prognosen. Je niedriger der Wasserstand ist, desto weniger können die Schiffe zuladen. Zu schwer beladenen Schiffe könnten auf Grund laufen. Die Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG) gibt an, dass Schiffe wegen des Niedrigwassers zum Teil nur mit einem Drittel der regulären Frachtkapazität beladen werden können.

Dadurch sind mehr Fahrten nötig, um die gleiche Menge Ladung zu transportieren. Je niedriger das Wasser, desto enger ist auch die Fahrrinne. Binnenschiffer, die unterwegs sind, müssen deshalb extrem aufpassen, dass sie links und rechts nicht das Ufer berühren.

TG-Vorstand Roberto Spranzi sagt, er habe so etwas noch nicht erlebt. Die Folge sind steigende Kosten für Unternehmen und Endverbraucher.

Niedrigwasser hat Auswirkungen auf die Wasserqualität

Bei Niedrigwasser heizen sich die Flüsse schneller auf, besonders breite und begradigte Flüsse sind betroffen. Dadurch sinkt die Sauerstoffsättigung des Wassers: ein Problem für die Lebewesen im Fluss. An Wehren lässt man deshalb, bei zu niedrigem Sauerstoffgehalt, Wasser die Staumauer hinunter strömen. Durch das Gefälle wird Sauerstoff eingetragen und davon profitiert das gesamte Ökosystem.

Flüsse mit unterschiedlich starker Strömung bieten mehr Lebensraum für verschieden Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Seichtes Gewässer in Abwechslung mit kleinem Gefälle sorgt für verschiedene Temperaturen und Pegelstände. Bäume am Ufer helfen zusätzlich, der Schatten der Baumkrone sorgt dafür, dass die Temperatur nicht so schnell ansteigt und weniger Wasser verdunstet.

Breite begradigte Flüsse mit großer Wasseroberfläche wie der Rhein heizen sich schneller auf und fallen bei Niedrigwasser auch schneller trocken.

Konflikt zwischen Klimaschutz und wirtschaftlicher Nutzung

Der Klimawandel ist laut Umweltschutzorganisationen der größte Faktor für die immer länger anhaltenden Niedrigwasserperioden. Finn Zenker, NABU-Fachbeauftragter für Fließgewässer, sagt: „Die Niedrigwasserperiode, die wir haben, trägt die Handschrift des Klimawandels. Die Extreme werden immer häufiger, und dadurch wird es immer belastender für die Gewässer und deren Artengemeinschaften, die da drin vorkommen.“

Für die wirtschaftliche Nutzung sind begradigte Flüsse praktisch, besonders für Schifffahrt und Energiegewinnung. Binnenschiffer können gradlinige breite Flüsse einfach befahren, können sich auf gleichmäßige Strömungs- und Pegelverhältnisse einstellen.

Zu warme Flüsse gefährden die Infrastruktur

Aufgestaute Flussabschnitte wie am Kraftwerk in Iffezheim sind ein wichtiger Puffer, um je nach Bedarf Strom zu erzeugen. Allerdings stoppen sie die natürliche Strömung des Flusses und sind eine Barriere für die Lebewesen im Wasser.

Viele Firmen entlang der Flüsse sind abhängig vom Pegelstand der Gewässer. Ihnen dienen die Flüsse zur Kühlung. Je flacher und wärmer, desto weniger Wasser dürfen sie entnehmen.

In Karlsruhe ist ein Kohlekraftwerk abhängig vom Wasserstand des Rhein. Ist der zu flach und das Wasser erhitzt sich auf über 28 Grad Celsius, darf kein Rheinwasser mehr entnommen werden. Nur eine Ausnahmegenehmigung kann im Notfall den Kraftwerksbetrieb sichern.

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