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Politik

Philippinische Aktivisten trotzen Chinas Machtanspruch

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 2, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Weltspiegel

Stand: 02.08.2026 • 17:46 Uhr

Pekings Küstenwache demonstriert im Südchinesischen Meer ihren Machtanspruch. Das bekommen auch Philippiner zu spüren, die sich per Schiff zu den von mehreren Staaten beanspruchten Spratly-Inseln aufgemacht haben. Eine Reportage von Bord der „Kapitan Felix Oca“.

Ulrich Mendgen

„Westphilippine Sea – Atin ito!“ Dieser Slogan wird die Crew fünf Tage lang begleiten. „Atin Ito“ bedeutet in der philippinischen Sprache Tagalog: „Es gehört uns.“ Gemeint sind die Inseln im Südchinesischen Meer – jenes Meer, das sie hier das „Westphilippinische“ nennen.

„Atin Ito“ lautet auch der Name eines zivilen Bündnisses aus Fischern und Bauernverbänden, Politikern und Jugendgruppen. Etwa 100 Menschen stehen im Hafen von Manila an Deck der „Kapitan Felix Oca“, einem gecharterten Schulschiff. Voller Inbrunst singen sie zur Abreise die philippinische Nationalhymne.

Vor der Abfahrt in Manila feiern die Aktivisten, singen die Nationalhymne und schwenken die philippinische Flagge.

Spratly-Inseln – seit Jahrzehnten umstritten

Der Zielort der Reise sind die Spratly-Inseln, das höchst umstrittene Herz des Südchinesischen Meeres. Die zahllosen Riffe und Sandbänke geben seit Jahrzehnten Anlass zum Streit. Die Volksrepublik China hat viele davon besetzt.

Manche dieser Erhebungen steuern auch Fischer an, gerade die von den Philippinen. Das sind sie so seit Menschengedenken gewohnt. Daher sehen die Philippiner Teile des Meeres auch als ihres an. Verbrieft ist das nicht.

Im Jahr 2016 entschied der Ständige Schiedshof in Den Haag, dass die weitreichenden Gebietsansprüche Chinas nicht gerechtfertigt sind. Seitdem hoffen die Philippinen, doch noch Recht zu kommen. Doch davon war vor Gericht nicht die Rede.

In der Ferne erspäht der Kapitän die chinesische Küstenwache – in einem Gebiet, auf das mehrere Staaten Anspruch erheben.

Unter permanenter Beobachtung der Küstenwache

Gegen 7 Uhr am ersten Morgen auf See: Die Brücke meldet ein Schiff der chinesischen Küstenwache in Sichtweite. Die zivile Leiterin der Fahrt, Rafaela David, eine bekannte Aktivistin aus der philippinischen Akbayan-Partei, weiß um das Risiko einer Konfrontation: „Sie wollen uns einschüchtern, indem sie uns beschatten. Wir hatten das schon erwartet.“ Tatsächlich wird die Küstenwache das Schiff fortan nicht mehr aus den Augen lassen.

Der Konflikt rückt plötzlich ganz nah. Kameradrohnen aus chinesischer Herstellung funktionieren nicht mehr. Handys zeigen eine Nachricht eines chinesischen Netzbetreibers: „Willkommen in China“.

Am zweiten Tag der Reise dröhnt eine Warnung aus dem Funkgerät: „Ihr Schiff unterliegt in diesen Gewässern der Zuständigkeit von China. Melden Sie Ihre Position und drehen Sie ab.“ Der Kapitän ignoriert den Funkspruch und lässt sich nicht auf Diskussionen ein. Wir erreichen die Insel, unter dem Jubel der mitgereisten Aktivisten.

Philippiner verwalten Insel – zum Verdruss Chinas

Die rund 400 Bewohner von Thitu Island, allesamt Philippiner, nennen ihre Heimat „Pag-asa“. Das heißt Hoffnung. Seit den 1970er-Jahren verwalten die Philippinen die Insel, nach Ansicht der Chinesen ist das illegal.

Die Insel verfügt über eine Landebahn für militärische und Versorgungsflüge. Einige Soldaten sind hier stationiert. Erst im Frühjahr nahm ein Kommando der philippinischen Küstenwache seine Arbeit auf. All das stört Chinas Machtausdehnung auf diesem Meer.

Weil Peking nicht die Verfügungsgewalt über Thitu Island gewinnen kann, lässt es eben in der Nähe eine eigene Insel aufschütten. Auf dem Subi-Riff, nur wenige Kilometer entfernt, entsteht ein ganzer Militärstützpunkt. Mit einer drei Kilometer langen Runway, doppelt so lang wie die auf dem philippinisch kontrollierten Thitu.

Dabei war Subi ursprünglich nur ein menschenleeres Gezeitenriff, das bei Flut unter Wasser stand. Die Riffe dieser Art im Südchinesischen Meer gehören nach internationalem Verständnis niemandem. China baut darauf an vielen Stellen Territorialansprüche auf.

Spratly-Inseln

Die Spratly-Inseln umfassen mehr als 100 Inseln und Atolle; sie liegen 1.000 Kilometer vor Chinas Küste im Südchinesischen Meer. Dort werden große Öl- und Erdgasvorkommen vermutet.

China reklamiert praktisch das gesamte Südchinesische Meer für sich. Die Philippinen, Vietnam, Malaysia und andere Länder weisen die Ansprüche zurück und berufen sich dabei auf ein Urteil des UN-Schiedsgerichts von 2016. China erkennt das Urteil aber nicht an.

Immer wieder kommt es rund um die Spratly-Inseln zu Zwischenfällen, speziell zwischen der chinesischen Küstenwache und philippinischen Schiffen. Die Chinesen setzen dabei regelmäßig Wasserwerfer ein; auch zu Kollisionen ist es bereits gekommen. 

Chinesische Fischtrawler drängen Philippiner ab

Aber auch die Hoheit der Philippinen über Thitu ist international nicht anerkannt. Immerhin wohnen hier Philippiner, seit mehr als 50 Jahren. Heute steht die Insel unter dem ständigen Druck der Chinesen. Küstenwache und zivile Schiffe, die zu einer von Peking befehligten Miliz gehören, sind in der Nähe. Sogar ein Kriegsschiff aus China liegt vor dem Eiland.

„Das ist unser Territorium“

Große Fischtrawler der Chinesen bringen ihre Netze vor der Insel aus. Die Küstenwache schützt sie und drängt die philippinische Konkurrenz ab, erzählen die Insulaner. Der Fischfang als Lebensgrundlage bricht weg. Der philippinische Staat springt ein mit kostenlosen Lebensmittellieferungen. Wie lange das gut gehen kann – keiner weiß es.

Immerhin sorgen die Gäste aus Manila für Ermutigung. Immerhin hat wieder jemand die Überfahrt geschafft.

Mit ihnen ist auch die Hip-Hop-Band Morobeats angereist. Bekannt ist sie für ihre provokanten Aussagen, auch in Richtung der Chinesen. „Das ist unser Territorium“, heißt es in einem ihrer Songs. Und weiter sinngemäß: „Wir haben schon so viel davon hergegeben. Aber den Rest geben wir nicht auf.“ Ein Kind schwenkt dazu die philippinische Flagge. Wie zum Trotz.

Diese und weitere Reportagen sehen Sie am Sonntag um 18:30 Uhr im Weltspiegel im Ersten.

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Dr. Heinrich Krämer
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