31.08.2026 | 19:25 Uhr
Schon wieder lacht der FC Bayern vom Tabellengipfel auf die anderen Klubs herab – und das nach erst einem Spieltag. Doch vielleicht ist genau das die Chance der Herausforderer, wie eine erstaunliche Statistik zeigt.
Es ist erst ein Spieltag in der Fußball-Bundesliga absolviert und schon kann man als Fußballfan nicht leugnen, dass man ziemlich genau das Ende dieser Saison zu kennen glaubt. An der Mannschaft auf dem ersten Tabellenplatz dürfte sich wohl nichts mehr ändern – wenn da nicht diese eine, für den Rekordmeister ungewohnt erschreckend schwache und verblüffende Statistik wäre. Zahlen, die dies belegen: Noch ist überhaupt nichts für die Bayern gewonnen im Kampf um die Titelverteidigung. Denn bereits dreizehn Mal grüßte der Klub von der Säbener Straße in den insgesamt 63 Spielzeiten der Fußball-Bundesliga nach der ersten Partie von der Tabellenspitze – konnte aber mitnichten in allen Fällen am Ende auch Meister werden!
Okay, zugegeben ist das natürlich nur ein lautes Pfeifen im dunklen Wald und noch dazu mit einem Augenzwinkern versehen, doch tatsächlich gab es diese Spielzeiten, in denen die Bayern gleich am ersten Spieltag ihre Übermacht demonstrierten, schlussendlich aber nicht Feiern durften. Erstmals passierte das in der Saison 1967/68. Zwei Jahre zuvor waren die Münchener aufgestiegen und gleich Dritter in ihrer ersten Spielzeit geworden. Und so überraschte der 4:0-Erfolg bei Alemannia Aachen zum Auftakt eigentlich niemanden. Am Ende landete man dann allerdings nur auf dem fünften Platz. Erster wurde der Überraschungsmeister aus Nürnberg. Den lustigerweise eigentlich nur Bayern-Trainer Tschik Cajkovski („Die Bundesliga ist ausgeglichener geworden. Selbst Nürnberg kann Meister werden“) vor der Saison auf dem Zettel hatte.
Beckenbauer für Boulevard interessant
Dass das mit dem ersten Meistertitel für den Klub von der Säbener Straße nicht mehr lange dauern würde, war jedoch allen Fußballfans in Deutschland klar. Die Truppe der Bayern war einfach zu stark und mit absoluten Hochkarätern besetzt. Uneingeschränkt führend war dabei natürlich der „populäre Nationalspieler“ Franz Beckenbauer.
In einer mehrseitigen Story in einem bunten Magazin verriet der Kaiser damals Details aus seinem aufregenden Leben, wie das Blatt schrieb: „Mit dem Telefon ist das so eine Sache. Die eine Nummer, 798651, steht nicht im Telefonbuch, und die andere ist absolut geheim. ‚Nur drei Leute kennen die andere Nummer.‘ Einer dieser drei sei Herr Schwan, versichert Franz. Schwan ist Berater in allen Lebenslagen. Nicht einmal die Eltern wissen die zweite Telefonnummer. Die Mutter bat sogar darum: ‚Bitte, sag mir die Nummer nicht, ich verrate sie dann doch!'“ Herrlich!
Als Meister ging man dann in die Saison 1969/70, doch trotz einem 4:0 gegen Rot-Weiss Essen am ersten Spieltag und der gleichzeitigen Tabellenführung reichte es am Ende mit vier Punkten Rückstand nur zu Platz zwei hinter Borussia Mönchengladbach. Wie verrückt die Sehnsucht nach Erfolg allerdings damals schon bei den Bayern war, zeigte die Entlassung von Meistertrainer Branko Zebec. Zu diesem Zeitpunkt standen die Münchener auf dem dritten Tabellenplatz.
Lattek muss auf Titel warten
Doch der Druck und die Gier nach Erfolg waren zu groß geworden. Neuer Übungsleiter wurde Udo Lattek. Und der ehemalige Assistent des Bundestrainers war richtig guter Dinge: „Ich habe an einem 13. geheiratet und führe seit acht Jahren eine glückliche Ehe. Ich habe am Freitag, dem 13., den FC Bayern übernommen und bin sicher, dass diese Ehe auch gut gehen wird.“ Der Einstand, nur einen Tag später, glückte auf jeden Fall, als man Alemannia Aachen mit 6:0 schlagen konnte. Auf den Titel musste Lattek dann aber noch kurz warten.
Und auch ein drittes Mal gelang es den Bayern nach einer Tabellenführung nach dem ersten Spieltag – man hatte 6:2 gegen Bayer Leverkusen gewonnen – nicht, die Meisterschale an die Säbener Straße zu holen. Fünf Punkten trennten die Bayern vom Hamburger SV, die unter Trainer Ernst Happel eine fantastische Saison spielten. Die Münchener mussten sich schlussendlich mit einem dritten Platz zufriedengeben.
Als „Meister“ aus der Torte geschnitten wurde
Tja, für alle, die die Hoffnung haben, dass es in dieser Saison trotz des ersten Rangs für die Bayern nach dem ersten Spieltag nicht zum Titel reichen sollte, muss man (leider) bereits sehr weit in der Historie der Bundesliga zurückgehen. Und zwar in die Saison 1992/93. 3:0 hatte der heutige Rekordmeister bei Bayern Uerdingen gewonnen und anschließend 32 Spieltage auf dem ersten Tabellenplatz gestanden, doch dann fingen die Bremer die Bayern noch ab.
Als „grausam“ beschrieb Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge dies damals. Vor allem auch deshalb, weil man bis zum Schluss Hoffnung hatte, doch noch Meister zu werden. Das zeigte sich auch an einem kleinen Detail: Am Abend des letzten Spieltags wurde bei Feinkost „Käfer“ der Nachtisch festlich arrangiert präsentiert. In Marzipan-Buchstaben stand auf dem Eis: „1993 FC Bayern“. Das Ganze sah etwas seltsam aus. Und so gab ein Ober schließlich auch offenherzig zu: „Das Wort ‚Meister‘ haben wir einfach weggeschnitten.“
Vielleicht auch wegen dieser traurigen Erfahrung haben die Bayern seit diesen Tagen vor mehr als dreißig Jahren sich die Chance Meister zu werden, wenn sie man ersten Spieltag schon oben standen, nie wieder aus den Händen nehmen lassen. In den letzten Jahren präsentierten die Münchener zumeist schon von Beginn der Saison an sehr eindrucksvoll ihre Ambitionen. 8:0 gegen Schalke, 6:1 in Frankfurt oder auch das 6:0 im letzten Jahr gegen RB Leipzig seien nur als Beispiel genannt.
Von dreizehnmal hat der Klub von der Säbener Straße also neunmal einen ersten Rang nach dem ersten Spieltag auch nach Hause bringen können. Vier zu neun ist demzufolge die Bilanz. Für die erfolgsverwöhnten Bayern fast schon verblüffend schlecht. Aber gut, trotz allem Augenzwinkern wird wohl auch diese Statistik nicht die Hoffnung nähren können, dass diese Saison einmal anders ausgehen wird, als die allermeisten der letzten Jahre. Als letztmals in der Spielzeit 2023/24 mit Bayer Leverkusen ein anderes Team Meister wurde, standen die Bayern übrigens nach dem ersten Spieltag nur auf Rang 2 und Bayer auf Platz 5. Da befindet sich aktuell der BVB. Ein potenzieller Meisterkandidat auf dem Papier. Aber naja. Warten wir es einfach mal ab.
Verwendete Quelle: ntv.de
