Aktuell kursieren WhatsApp-Nachrichten, in denen Nutzer um eine Stimme für ein angebliches Spotify-/Google-Voting gebeten werden.
„Hey! Könntest du bitte für mich abstimmen? Ich bewerbe mich als Co- Moderatorin für einen Podcast, den Spotify in Zusammenarbeit mit Google für alle Länder organisiert, und bin eine der wenigen Teilnehmerinnen aus Deutschland. Es gibt maximal 450 Stimmen, und jede einzelne zählt. Ich habe bisher 312 Stimmen, mir fehlen also nur noch 138. Ich wäre dir unglaublich dankbar, wenn du für mich stimmen würdest. Hier ist der Link zur Abstimmungsseite:
Text der Nachricht
Der mitgeschickte Link führt nicht zu Spotify oder Google, sondern zu einer fremden Domain mit Spotify-Bildsprache.
Unsere Prüfung zeigt: Es handelt sich um eine manipulativ aufgebaute Phishing-Seite. Der Stimmenstand ist fest in den Code geschrieben, angebliche Live-Abstimmungen werden künstlich erzeugt, und die Buttons führen zu gefälschten Login-Seiten für Instagram oder Mail.
Die Abstimmung ist inszeniert
Die Nachricht wirkt persönlich: Eine angebliche Bewerberin bittet um Unterstützung, nennt einen konkreten Stimmenstand und erklärt, ihr fehlten nur noch 138 Stimmen. Genau diese Zahlen erscheinen auch auf der verlinkten Webseite: „Total Votes: 312 out of 450“ und „Total Votes To Win: 138“.
Nach der vorliegenden Quellcodeanalyse sind diese Werte jedoch nicht Teil eines echten Abstimmungssystems. Sie stehen statisch im HTML-Code, was bedeutet, dass sie sich nicht verändern. Es gibt an dieser Stelle keine erkennbare Abfrage einer Datenbank, keine Berechnung und keinen Nachweis, dass tatsächlich Stimmen gezählt werden.
Auffällig ist auch der Fortschrittsbalken. Er ist im Quellcode fest auf width: 90% gesetzt. Das passt nicht zu den angeblichen 312 von 450 Stimmen; rechnerisch wären das rund 69,3 Prozent. Der Balken bildet den Stimmenstand also nicht korrekt ab, sondern erzeugt vor allem den Eindruck, das Ziel sei fast erreicht.
Angebliche Wähler werden simuliert
Besonders deutlich wird die Täuschung bei den eingeblendeten Meldungen am unteren Rand der Seite, dass gerade jemand abgestimmt hätte.
Das ist nach der Quellcodeanalyse keine echte Live-Meldung. Die Seite lädt zufällig generierte Namen, Länder und Profilbilder über einen externen Dienst und baut daraus den Satz, jemand habe gerade abgestimmt. Im Code findet sich sogar ein Kommentar, der den Zweck beschreibt: Die Stimmen sollen mit Zufallsdaten simuliert werden: Someone from ${country} named ${name} just voted.
Damit ist die angebliche soziale Bestätigung gefälscht. Die Seite weiß nicht, dass die eingeblendete Person tatsächlich abgestimmt hat. Sie erzeugt nur den Eindruck, andere Menschen würden gerade teilnehmen.
Der Link führt nicht zu Spotify
Die Domain der verlinkten Seite gehört nicht zu Spotify und auch nicht zu Google. Trotzdem nutzt die Seite Spotify-Bildsprache, ein Spotify-Logo-ähnliches Motiv, einen künstlichen Zähler und Buttons mit bekannten Login-Symbolen.
Auch die Suchmaschinen-Angaben sind auffällig: Im Code sind Hinweise wie „noindex“ und „noarchive“ gesetzt. Solche Angaben sollen verhindern, dass eine Seite regulär über Suchmaschinen auffindbar oder archiviert wird. Das ist kein Beweis für Betrug, passt aber zum Gesamtbild einer kurzlebigen Phishing-Seite.
Der Instagram-Button führt zum Fake-Login
Wer auf den grünen Button klickt, landet auf einer Seite, die Instagram imitiert. Dort werden Telefonnummer, Nutzername oder E-Mail-Adresse sowie das Passwort abgefragt.
Nach der Analyse werden die eingegebenen Daten an eine PHP-Datei übertragen. Zusätzlich werden sie in einer weiteren Funktion zusammen mit IP- und Standortinformationen verarbeitet. Der Datensatz wird dabei ausdrücklich als Instagram-Zugang gekennzeichnet.
Auch die Fehlermeldung ist Teil der Masche: Unabhängig davon, ob das eingegebene Passwort richtig oder falsch wäre, erscheint eine Meldung, das Passwort sei falsch. Dadurch können Nutzer dazu gebracht werden, ihr Passwort mehrfach einzugeben.
Auch der Mail-Button fragt Zugangsdaten ab
Der rote Button führt zu einer weiteren Login-Seite, die an ein allgemeines oder Microsoft-artiges Mail-Login erinnert. Auch dort werden „Email or phone“ und „Password“ abgefragt.
Laut Quellcode werden diese Eingaben ebenfalls übertragen. Der Benutzername wird dabei mit dem Zusatz „mail“ markiert. Auch hier werden IP- und Standortdaten verarbeitet.
Das Ziel ist damit klar: Die Seite will keine Stimme erfassen, sondern Zugangsdaten sammeln.
Was Betrüger mit Logindaten tun können
Mit abgegriffenen Instagram- oder Mail-Zugangsdaten können Betrüger Konten übernehmen, Passwörter ändern und Nutzer aussperren. Besonders gefährlich ist ein kompromittiertes E-Mail-Konto, weil darüber oft Passwort-Resets für andere Dienste ausgelöst werden können.
Über übernommene Accounts können anschließend weitere Phishing-Nachrichten an Kontakte verschickt werden. Dadurch wirkt die Masche besonders glaubwürdig: Die Bitte kommt dann scheinbar von einer bekannten Person. Auch private Nachrichten, gespeicherte Kontakte oder verknüpfte Dienste können betroffen sein.

Die Masche nutzt Vertrauen und Zeitdruck
Die Nachricht kombiniert mehrere typische Elemente von Phishing: eine persönliche Bitte, bekannte Markennamen, eine scheinbar knappe Abstimmung und einen Link, der zu einer täuschend gestalteten Seite führt.
Der künstliche Stimmenstand soll den Eindruck erzeugen, dass nur noch wenige Stimmen fehlen. Die simulierten Live-Meldungen sollen zusätzlich zeigen, dass andere angeblich ebenfalls teilnehmen. Beides kann Nutzer dazu bringen, weniger genau auf die Adresse der Seite und die Login-Aufforderung zu achten.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Wer den Link nur geöffnet, aber keine Daten eingegeben hat, sollte die Seite schließen und die Nachricht nicht weiterleiten. Wer jedoch Instagram-, Mail- oder andere Zugangsdaten eingegeben hat, sollte sofort das betroffene Passwort ändern.
Wichtig ist außerdem: Wurde dasselbe Passwort auch bei anderen Diensten genutzt, muss es dort ebenfalls geändert werden. Zusätzlich sollte die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert und geprüft werden, ob unbekannte Logins, Weiterleitungen oder verknüpfte Geräte im Konto sichtbar sind.
Bei Instagram und E-Mail-Konten ist besondere Eile geboten. Über solche Konten können Angreifer weitere Nachrichten versenden, Passwörter zurücksetzen oder Kontakte erneut täuschen.
Bewertung: Falsch. / Betrügerisch. Die angebliche Spotify-Abstimmung ist nicht echt, sondern eine Phishing-Seite, die gefälschte Login-Masken nutzt, um Zugangsdaten abzugreifen.
FAQ zum Spotify-Voting auf WhatsApp
Gibt es dieses Spotify-/Google-Voting wirklich?
Dafür liegt kein belastbarer Nachweis vor. Die verlinkte Seite gehört nicht zu Spotify oder Google und zeigt mehrere technische Merkmale einer Phishing-Seite.
Warum wirkt die Nachricht so glaubwürdig?
Die Masche nutzt eine persönliche Bitte, konkrete Zahlen und bekannte Marken. Der angebliche Stimmenstand und die Live-Meldungen sollen Vertrauen erzeugen, sind laut Quellcodeanalyse aber inszeniert.
Was passiert nach dem Klick auf den Abstimmungsbutton?
Die Seite lässt Nutzer nicht direkt abstimmen. Stattdessen führt sie zu gefälschten Login-Masken für Instagram oder Mail, auf denen Zugangsdaten abgefragt werden.
Was können Betrüger mit den Logindaten machen?
Sie können Konten übernehmen, Passwörter ändern und weitere Phishing-Nachrichten verschicken. Bei E-Mail-Konten können sie außerdem versuchen, Zugänge zu anderen Diensten über Passwort-Resets zu übernehmen.
Was soll ich tun, wenn ich mein Passwort eingegeben habe?
Ändere das Passwort sofort beim echten Anbieter. Prüfe unbekannte Logins, aktiviere Zwei-Faktor-Authentifizierung und ändere das Passwort auch überall dort, wo du es erneut verwendet hast.
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