Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Gewichtszunahme – die Symptome der Wechseljahre sind vielfältig. Eine neue Studie zeigt nun: Diese Phase beginnt viel früher als gedacht und bringt massive Veränderungen mit sich.
Der körperliche Wandel während der Wechseljahre beginnt offenbar früher als bisher bekannt. Mehr als zehn Jahre vor der letzten Monatsblutung konnten in einer neuen Studie hormonelle Veränderungen gezeigt werden.
Nach der Menopause selbst folgen dann rasche, umfassende körperliche Veränderungen. Das zeigt eine jetzt in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte Analyse. Dafür wurden Datensätze aus den USA und Israel ausgewertet – insgesamt 300 Millionen Laborwerte von mehr als einer Million Frauen.
„Klippe“ statt schleichender Prozess
Die Forschenden sprechen von einer „Klippe“ in der weiblichen Physiologie – einem großen Unterschied vor und nach der Menopause, also der letzten Blutung. Bei Männern verlaufen Alterungsprozesse schleichender, einen solch umfassenden, raschen Umbau gibt es bei ihnen nicht.
Katja Brenk-Franz, Leiterin einer empirischen Studie zur Menopause an der Uniklinik Jena, begrüßt die neue Studie: „Sie verdeutlicht eindrucksvoll, dass die Menopause weit mehr ist als eine hormonelle Umstellung.“
Denn die Änderungen im Hormonhaushalt nach der letzten Blutung beeinflussen sehr viele Körperfunktionen. Bei 52 von 90 untersuchten Laborparametern traten laut der Untersuchung sprunghafte Veränderungen auf.
„Für Prävention von Erkrankungen sehr interessant“
Peyman Hadji, Leiter des Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrums und Professor an der Universität Marburg, betont: Wie genau Frauen diese Veränderungen erleben, sei individuell sehr unterschiedlich. Einige hätten auch Jahre nach der letzten Monatsblutung noch Wechseljahrsbeschwerden. „Diese Klippe ist natürlich eine Überspitzung. Der Östradiol-Spiegel sinkt ja nicht von einem Tag auf den anderen ab.“
Das Interessanteste an der neuen Studie ist laut Hadji, dass die Forschenden die ersten Veränderungen im Hormonhaushalt bereits 15 Jahre vor der letzten Blutung fanden. „Das muss jetzt noch in weiteren Studien bestätigt werden“, so der gynäkologische Endokrinologe. „Aber wenn das so stimmt, dann wäre das bezüglich der Prävention von Erkrankungen sehr interessant.“
Denn die Veränderungen nach der letzten Monatsblutung haben gesundheitliche Folgen für die betroffenen Frauen. Das bestätigt auch die neue Studie. Neben den Hormonspiegeln veränderten sich laut der Analyse auch Laborwerte, die mit Knochengesundheit, Leber- und Nierenfunktion und Fettstoffwechsel zusammenhängen.
Schon länger weiß man, dass verschiedene Erkrankungen bei Frauen während und nach den Wechseljahren öfter auftreten: zum Beispiel Osteoporose, Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Auch Schlafprobleme und Depressionen zeigen sich häufiger.
Einen gesundheitlichen Vorteil der Wechseljahre gibt es laut der neuen Studie jedoch: Da die monatlichen Blutungen ausbleiben, verbessern sich oft die Eisenwerte.
Hormonersatztherapie kann „Klippen“-Effekt mildern
Ein weiteres Ergebnis der neuen Studie: Wenn Frauen eine Hormonersatztherapie erhielten, bei der das Absinken der Sexualhormone abgemildert wird, waren die Effekte des abrupten, körperlichen Wandels nach der letzten Blutung abgeschwächt.
Hormonersatztherapien können aber selbst Nebenwirkungen haben und zum Beispiel das Risiko für Thrombosen oder Schlaganfälle erhöhen. Ihr Einsatz muss daher individuell abgewogen werden.
In Deutschland erhalten nur Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren eine Hormonersatztherapie. Für Peyman Hadji bietet die jetzt veröffentlichte Studie die Grundlage, hier weiter zu forschen. Eventuell könnten Frauen bereits früher als bisher von einer Hormonersatztherapie profitieren – vielleicht auch präventiv, bevor die ersten Symptome auftreten.
Wissenslücken und schlechte Versorgung
Auch Katja Brenk-Franz plädiert für weitere Studien: „Die Wechseljahre sind ein gutes Beispiel für ein gesundheitlich hochrelevantes Thema, das in der Forschung und medizinischen Versorgung lange nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die ihrer Bedeutung entspricht.“
„Obwohl etwa die Hälfte der Bevölkerung diese Lebensphase durchläuft, bestehen weiterhin Wissenslücken“, so die Forscherin. Das gelte besonders zu individuellen Unterschieden, langfristigen gesundheitlichen Folgen, psychischen und sexuellen Veränderungen sowie Symptomverläufen.
