Rund 20 Prozent weniger als im Durchschnitt: Nach dem Ende der Weinlese rechnen die deutschen Winzer mit weniger Wein für dieses Jahr. „Spitze“ sei hingegen die diesjährige Qualität.
Die Erträge der deutschen Winzer fallen in diesem Jahr voraussichtlich so niedrig aus wie zuletzt 2010. Trockenheit und Hitze haben zudem kleinere Weintrauben mit konzentrierten Inhaltsstoffen reifen lassen.
Das Deutsche Weininstitut (DWI) geht in einer ersten Prognose davon aus, dass die Menge rund 20 Prozent unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 8,7 Millionen Hektolitern liegt. 2010 waren es 7,1 Millionen Hektoliter und im vergangenen Jahr 7,7 Millionen, wie DWI-Sprecher Ernst Büscher zum Ende der Lese sagte.
Was die Statistiker erwarten
Auch das Statistische Bundesamt (Destatis) hatte zuvor von einer Weinernte unter dem Durchschnitt berichtet. Die Winzer in Deutschland erwarten demnach eine um vier Prozent niedrigere Ernte als im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2025. Das wäre ein Minus von etwa 30 Millionen Litern.
Die gesamte Lesemenge werde laut den Statistikern voraussichtlich bei 8,0 Millionen Hektolitern liegen – das wären immerhin etwas mehr als im Vorjahr mit 7,7 Millionen Hektolitern. Die Zahlen basieren auf einer Schätzung zum 20. September, als die Traubenernte noch nicht abgeschlossen war.
Winzer sprechen von „Spitzenqualitäten“
Die vom sonnenreichen Sommer klein geblieben Trauben könnten Einfluss auf die Qualität haben. „Die Winzerinnen und Winzer hierzulande gehen zwar von vergleichsweise kleinen Gesamtmengen, aber von Spitzenqualitäten aus“, heißt es vom DWI.
Großflächige Schäden durch Wetterereignisse seien 2026 ausgeblieben und die Trauben ließen einen qualitativ guten Jahrgang erwarten, teilte auch Destatis mit. Etwa 70 Prozent der Ernte seien Weißmost und 30 Prozent rote Trauben. Zuwächse gibt es vor allem bei Riesling und Dornfelder. Von Grünem Silvaner und Blauen Portugiesen werden dagegen etwas weniger Trauben gelesen.
Erträge unterscheiden sich je nach Anbaugebiet
Die Ertragslage variierte innerhalb der großen deutschen Weinanbaugebiete deutlich. 2026 gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge im Vorjahresvergleich größere Ernten in Rheinhessen, der Pfalz und Baden – und Rückgänge an der Mosel und in Franken.
Die Unterschiede erklären sich vor allem durch das Alter der Reben und die Wasserspeicherkraft „Insbesondere ältere Reben haben sich in den letzten Jahren an die zunehmende Trockenheit in den Weinregionen angepasst und dank ihrer tiefen Wurzeln die diesjährige Dürre erstaunlich gut überstanden“, sagte DWI-Sprecher Büscher.
Jüngere Weinberge und Anlagen auf leichten Böden hätten dagegen sichtbar unter der Wasserknappheit gelitten. „Sie mussten, wenn möglich, bewässert werden.“
