„Donald Trump trollt einfach weiterhin Zelensky“, steht über einem Facebook-Video. Im dazugehörigen Screenshot hält die Trump-Figur dem ukrainischen Präsidenten an einem Tacostand einen Bissen hin. Unter dem Profilnamen steht „KI-Inhalt“. Dass die Szene künstlich ist, wird hier also keineswegs versteckt. Man kann den Hinweis lesen, den Witz verstehen und den Beitrag weiterteilen. Mitgeschickt wird dabei auch die Rollenverteilung: Trump führt vor, Selenskyj wird vorgeführt.
Für uns bei Mimikama ist das ein interessanter Fall, weil die übliche Frage nach der Echtheit allein zu wenig erklärt. Die Kennzeichnung sagt etwas über die Herstellung. Welche politische Bewertung der Beitrag vermittelt, lässt sich erst an seinem Inhalt erkennen. Dafür muss man niemandem unterstellen, er habe einen erfundenen Taco-Ausflug für ein echtes Treffen gehalten.
Die Pointe hat bereits einen Standpunkt
Auch die anderen bereitgestellten Screenshots verteilen die Rollen deutlich. In der Fitnessstudioszene steht Putin im Trainingsanzug neben einer auffällig klein dargestellten Selenskyj-Figur an einer Hantel. Im dritten Beitrag ist Trump hinter Selenskyj vor einer Schlammlacke zu sehen. Die sichtbare Beschreibung behauptet, Trump blockiere dessen nächsten Schritt, und ergänzt: „Hergestellt mit KI, nur zum Spaß.“
Wir haben diese Screenshots gesichtet; die vollständigen Clips waren bei unserer Recherche nicht abspielbar. Unsere Einordnung bezieht sich auf die sichtbaren Darstellungen und Begleittexte. Sie ist keine technische Untersuchung aller Videosequenzen. Schon die Ausschnitte erlauben aber eine Analyse der Bildsprache: In Verbindung mit dem Spott legt etwa die verkleinerte Selenskyj-Figur eine Lesart nahe, in der er unterlegen oder nicht ernst zu nehmen ist.
Diese Lesart ist ein politischer Kommentar. Darüber kann man streiten. Mit einer tatsächlichen Bewertung von Selenskyjs Entscheidungen hat eine erfundene Körpergröße jedoch genauso wenig zu tun wie ein Bissen am Tacostand. Wer aus der Pointe ein Urteil über seine Politik ableitet, braucht dafür zusätzliche, überprüfbare Informationen.
Was man beim Weiterteilen mitliefert
Vielleicht teilt jemand den Beitrag, weil er die Animation erstaunlich findet. Vielleicht gefällt ihm der Spott über Selenskyj. Beides sind mögliche Gründe; aus einem einzelnen geteilten Video können wir die persönliche Absicht nicht ablesen. Der Beitrag enthält trotzdem eine erkennbare Bewertung, die beim Weiterleiten erhalten bleibt. Die eigene Begründung für das Teilen muss für die nächsten Betrachter nicht erkennbar sein.
Ein Gedankenversuch hilft dabei, diese Bewertung zu benennen. Man nimmt die komische Szene weg und formuliert den Eindruck als Satz: „Selenskyj ist schwach.“ Oder: „Trump kann mit ihm machen, was er will.“ Das sind mögliche Übersetzungen der Inszenierung, keine durch die Bilder belegten Tatsachen. So wird sichtbar, worüber man politisch sprechen müsste, wenn der Witz als Argument verwendet wird.
Das verlangt keine Pflicht zur Humorlosigkeit. Eine Karikatur darf übertreiben und parteiisch sein. Auch scharfer Spott über Politiker gehört zur öffentlichen Auseinandersetzung. Unser Einwand beginnt dort, wo die künstliche Szene als Bestätigung dafür herhalten soll, wie eine Person tatsächlich ist. Eine Pointe kann diese Meinung ausdrücken. Begründen kann sie sie dadurch noch nicht.
Humor macht einen Angriff nicht automatisch belanglos
Wie Humor politische Angriffe verändert, untersuchten Iris Verhulsdonk, Alessandro Nai und Jeffrey A. Karp in drei Experimenten in den Niederlanden und den USA. Teilnehmende bekamen konstruierte politische Botschaften mit oder ohne abwertende Witze vorgelegt und bewerteten anschließend die Beteiligten. Die 2021 online veröffentlichte Arbeit fand Hinweise darauf, dass Humor negative Reaktionen auf den Angreifer abmildern kann. Die Angriffe auf das Gegenüber wurden durch den Witz insgesamt nicht verlässlich schwächer.
Die Ergebnisse unterschieden sich zwischen den Experimenten; in einem US-Experiment fehlten direkte Effekte. Manche Zusammenhänge zeigten sich erst unter Berücksichtigung dessen, wie lustig die Botschaft empfunden wurde. Die Stichproben waren nicht repräsentativ. Für die hier gezeigten Clips ist damit weder eine konkrete Wirkung noch eine langfristige Meinungsänderung nachgewiesen. Die Forschung liefert einen begrenzten Grund dafür, die politische Funktion von Humor gesondert zu betrachten.
Ein Motiv verrät noch keinen Auftraggeber
Generative KI kann außerdem die Herstellung vieler Varianten politischer Inhalte erleichtern. Diesen Zusammenhang beschreiben Michał Klincewicz, Mark Alfano und Amir Ebrahimi Fard in ihrer theoretischen Arbeit über „Slopaganda“. In einer Erläuterung der Tilburg University betont Klincewicz, dass solche Kommunikation auch über Verbindungen zwischen Personen und bestimmten Eigenschaften arbeiten kann. Den größeren Zusammenhang haben wir bereits in unserem Hintergrund über Slopaganda erklärt.
Die vorliegenden Screenshots weisen allerdings keine koordinierte Kampagne nach. Wer die konkreten Accounts finanziert oder beauftragt, ist durch das hier geprüfte Material nicht geklärt. Ein für Putin günstiges Motiv belegt keine staatliche Urheberschaft. Die Analyse der Botschaft und die Recherche nach ihrem Absender bleiben zwei unterschiedliche Aufgaben.
Ebenso bleibt die Echtheitsprüfung dort nötig, wo ein Beitrag echte Ereignisse behauptet. Das zeigte unser Faktencheck zum weinenden angeblichen ukrainischen Soldaten: Künstliches Material wurde mit echten Aufnahmen von Merz und Selenskyj zu einer vermeintlichen Soldatenaussage verbunden. Beim ausdrücklich als KI-Spaß bezeichneten Beitrag lässt sich dagegen zusätzlich fragen, welcher politischen Bewertung man gerade Aufmerksamkeit gibt.
Wer den Taco-Clip lustig findet, muss Selenskyjs Politik deshalb noch lange nicht ablehnen. Vor dem Weiterteilen kann man trotzdem kurz überlegen, ob man auch den darin enthaltenen Spott verbreiten möchte. Über die Entscheidungen eines Präsidenten erfährt man aus dieser erfundenen Begegnung nichts.
Mimikama / Tom Wannenmacher
15. Oktober 2026
Mimikama / Tom Wannenmacher
12. September 2026
Tilburg University
21. April 2026; aktualisiert am 9. Juli 2026
Michał Klincewicz, Mark Alfano, Amir Ebrahimi Fard / arXiv
3. März 2025; überarbeitete Fassung vom 24. März 2025
Iris Verhulsdonk, Alessandro Nai, Jeffrey A. Karp / Political Research Quarterly
17. Juni 2021 (Online-Erstveröffentlichung)
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