Rammstein-Sänger in TrauerTill Lindemann verliert seine Mutter
„Ich find‘ die Konzerte geil“, sagt Gitta Lindemann einst über die Auftritte ihres Sohnes Till mit seiner Band Rammstein. Auch sonst sollen die beiden ein enges Verhältnis gepflegt haben. Jetzt ist die frühere NDR-Kulturchefin gestorben.
Die Lyrikerin und Journalistin Gitta Lindemann ist tot. Sie starb am Wochenende im Alter von 87 Jahren in ihrem Zuhause in Nordwestmecklenburg, wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) unter Berufung auf die Familie berichtet. Bis 2002 hatte sie die Kulturredaktion des Senders in Mecklenburg-Vorpommern geleitet.
Getauft war sie auf den Namen Brigitte, doch fast alle nannten sie Gitta. Einem breiteren Publikum war sie vor allem als Ehefrau des DDR-Schriftstellers Werner Lindemann und als Mutter von Rammstein-Sänger Till Lindemann bekannt. Weggefährten erinnern sich laut NDR an eine inspirierende und kluge Frau mit viel Humor.
Geboren wurde Gitta Lindemann am 11. April 1939 in Dresden. Ihre Liebe zur Literatur verdankte sie nach eigener Aussage dem neuen Mann ihrer Mutter. „Das war ein Lehrer, und der wusste, wie man mit Kindern umgeht. Der hat mich einfach korrumpiert“, berichtete sie. Wenn die Großmutter sie zum Abwasch gerufen habe, habe er sich vor sie gestellt und gebeten, sie weiterlesen zu lassen. Er habe sie auch zum Journalistik-Studium in Leipzig ermutigt.
Der Mauerfall als Wendepunkt
Privat fand sie ihr Glück mit Werner Lindemann, der später zu den bekanntesten Autoren der DDR zählte. Seinetwegen zog sie 1968 in den Norden. Fortan arbeitete sie beim Radio der DDR in Neubrandenburg und pendelte mit den beiden Kindern ins Familienhaus nach Drispeth bei Schwerin, wo sie sich mit vielen Literaten austauschte.
Mit ihren eigenen Texten ging sie erst später an die Öffentlichkeit. Ihr 2023 erschienenes Buch „Meine Fensterplätze“ versammelt Lebenserinnerungen, viele davon aus jener Zeit in Drispeth.
Mit dem Mauerfall veränderte sich Gitta Lindemanns Leben laut NDR grundlegend. Die Bücher ihres Mannes wurden nicht mehr verlegt, 1993 starb Werner Lindemann. Seine Frau hatte zu diesem Zeitpunkt gerade die Leitung der Kulturredaktion beim NDR in Mecklenburg-Vorpommern übernommen. Dort rief sie das „Literatur-Café“ ins Leben, eine Sendung über aktuelle Autorinnen und Autoren. Im „Kunstkaten“ am Sonntagabend widmete sie sich ausführlich kulturellen Themen aus dem Land.
Auch nach ihrem Ruhestand 2002 blieb Gitta Lindemann der Kultur eng verbunden. Noch im Frühjahr dieses Jahres, kurz vor ihrem 87. Geburtstag, präsentierte sie auf der Leipziger Buchmesse ihren Lyrikband „Lautlos“ und las dort ihr Gedicht „Himmel“.
„Liebeserklärung an meinen Sohn“
Gitta und Till Lindemann sollen ein enges Verhältnis gehabt haben. 2019 postete der Rammstein-Sänger auf seiner Instagram-Seite ein Foto, das ihn zusammen mit seiner Mutter im Rollstuhl zeigte. Laut „Bild“-Zeitung soll sich der Sänger in den vergangenen Wochen um seine kranke Mutter gekümmert haben.
Gitta Lindemann formulierte dereinst in „Meine Fensterplätze“ auch eine „Liebeserklärung an meinen Sohn“. Sie schrieb: „Wenn ich nicht zufällig seine Mutter wäre, mit diesem Mann wäre ich gerne befreundet.“ Sie attestierte ihrem Sohn eine fürsorgliche Art.
Auch für die Konzerte von Till Lindemanns Band Rammstein konnte sie sich begeistern. „Ich find‘ die Konzerte geil. Diese ganze Atmosphäre. Das hat doch was von Operninszenierungen“, sagte sie 2019 der „Ostsee-Zeitung“.
Till Lindemann war 2023 in Verruf geraten, nachdem mehrere Frauen ihm sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen hatten. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte ein daraufhin eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen den Sänger mangels eines hinreichenden Tatverdachts aber letztlich ein.
