Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet die Leitzinsen unverändert bei 2,5 Prozent belassen. Für Gesprächsstoff dürfte aber der vorzeitige Rückzug von EZB-Chefin Christine Lagarde sorgen .
Trotz hartnäckig hoher Inflation legt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Zinspause ein. Die Leitzinsen verharren bei 2,5 Prozent. Das gab die EZB nach ihrer heutigen Direktoriumssitzung bekannt. Ökonomen rechnen nun mit einer neuerlichen Zinsanhebung im Dezember.
Erst im vergangenen September hatten die Währungshüter die Zinsen angehoben und diesen Schritt mit der hohen Teuerung begründet. Die Inflationsrate im Euroraum hatte zuletzt bei 3,8 Prozent gelegen, nach 3,2 Prozent im August. Als Ziel peilt die EZB eine Rate bei 2,0 Prozent an.
Rücktritt Lagardes wirft Fragen auf
Auf der anschließenden Pressekonferenz dürfte weniger die Zinsentscheidung im Fokus stehen, als vielmehr der vorzeitige Rücktritt von EZB-Präsidentin Christine Lagarde von ihrem Amt. Diesen hatte die EZB am Morgen bestätigt. Der Schritt gilt als wenig überraschend.
Damit ist aber auch das Rennen um eine Nachfolge entbrannt. Als zukünftige Notenbankpräsidenten werden der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos gehandelt. Bundesbankchef Joachim Nagel gilt als weitgehend chancenlos, da mit der Vorsitzenden der EU-Kommisson, Ursula von der Leyen, bereits eine Deutsche ein hohes europäisches Amt bekleidet.
US-Notenbank hält ebenfalls still
Am Vorabend hatte die US-Notenbank ihre Leitzinsen ebenfalls nicht angetastet. Der geldpolitische Schlüsselsatz bleibt in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, wie die Währungshüter um Fed-Chef Kevin Warsh am Mittwoch bekannt gaben. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Die Währungshüterinnen Lisa Cook und Beth Hammack votierten für eine Anhebung. Die Notenbank räumte ein, dass die Inflation „weiterhin erhöht“ sei.
„Wir gehen davon aus, dass die bis zur nächsten Sitzung anfallenden Daten den Eindruck untermauern, dass die Inflation zu hoch ist und sich nicht abschwächt“, sagte Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Somit sei eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt im Dezember zu erwarten. Die Zentralbank hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz im September erstmals seit rund drei Jahren angehoben, um die hartnäckige Inflation in Schach zu halten.
