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Startseite»Betrugsmaschen»Zugunglück bei Urda in Spanien: Altes Video im falschen Kontext
Betrugsmaschen

Zugunglück bei Urda in Spanien: Altes Video im falschen Kontext

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Zu einem Video aus einem schwankenden Zug haben uns Anfragen erreicht: Zeigt es tatsächlich die Sekunden vor dem Unglück bei Urda am 28. Oktober 2026? Der entscheidende Widerspruch liegt im Alter der Aufnahme. Schon im Jänner 2026 wurde sie in einem Faktencheck dokumentiert und einem Facebook-Beitrag aus dem Jahr 2020 zugeordnet.

Der uns übermittelte Screenshot zeigt, wie die Aufnahme jetzt präsentiert wird: Über dem Blick in den Waggon steht auf Spanisch, ein Fahrgast habe die Sekunden vor einer Entgleisung in Spanien gefilmt. Der Begleittext stellt zusätzlich einen Zusammenhang mit angeblich ignorierten Warnungen her. Wir haben den archivierten Beitrag von @macronews auf X geöffnet. Er wurde am 28. Oktober 2026 veröffentlicht und enthält diese Behauptung.

Screenshot eines Macronews-Beitrags mit Zugvideo und der Behauptung, es zeige Sekunden vor einer Entgleisung in Spanien
Der eingereichte Screenshot verbindet ein älteres Zugvideo mit einem aktuellen Unglück. Die eingeblendete Beschriftung ist Teil der falschen Zuordnung.

Die Spur führt zu einem Facebook-Beitrag von 2020

Bei der Suche nach früheren Veröffentlichungen stoßen wir auf einen Faktencheck von Maldita.es vom 20. Jänner 2026. Schon damals wurde das Video mit einem anderen Zugunglück in Verbindung gebracht, jenem bei Adamuz. Maldita.es ordnete die Aufnahme einem Beitrag in einer Facebook-Gruppe für den Ausbau der Bahnverbindung nach Huelva zu. Der Verfasser beschrieb darin eine Fahrt mit einem Alvia-Zug von Huelva nach Madrid und beklagte das starke Schwanken. Einen genauen Streckenabschnitt nannte er laut der damaligen Prüfung nicht.

Das Veröffentlichungsdatum dieses Facebook-Beitrags geben sowohl VerificaRTVE als auch Lead Stories mit dem 2. Februar 2020 an. Beide überprüften die aktuelle Verbreitung am 29. Oktober 2026 und verweisen auf denselben älteren Post. Der Facebook-Originalbeitrag ließ sich bei unserer Prüfung nicht vollständig laden; auch die erreichbare Wayback-Archivfassung zeigte nur eine Ladeansicht. Einen vollständigen eigenen Vergleich der Videofassungen konnten wir deshalb nicht durchführen. Die genaue Datierung und die Zuordnung zur damaligen Fahrt stützen sich auf die dokumentierten Recherchen dieser Redaktionen.

Die Beschriftung macht aus dem Clip einen vermeintlichen Unfallbeleg

Der Beitrag legt nahe, das sichtbare Schwanken erkläre das spätere Unglück. Dafür liefert das ältere Video keinen Beleg. Es lässt weder erkennen, was unmittelbar vor der Kollision bei Urda geschah, noch wer dafür verantwortlich ist. Die im Post genannten Opferzahlen und historischen Vergleiche sind ebenfalls keine Informationen, die sich aus dieser Aufnahme ableiten lassen.

An diesem Fall lässt sich eine einfache Form der Täuschung erkennen: Eine bereits vorhandene Aufnahme bekommt durch einen neuen Begleittext eine andere Bedeutung. Wer den Ausschnitt weiterleitet, verbreitet diese Zuordnung gleich mit. Bei vermeintlichen Augenzeugenaufnahmen lohnt sich deshalb die Suche nach älteren Veröffentlichungen – selbst dann, wenn an den Bildern selbst nichts offensichtlich künstlich wirkt.

FAKTENCHECK

Lead Stories

29. Oktober 2026

FAKTENCHECK

VerificaRTVE

29. Oktober 2026

SOCIAL MEDIA

@macronews auf X

28. Oktober 2026

FAKTENCHECK

Maldita.es

20. Jänner 2026



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Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

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