Auf den Schock nach dem schweren Zugunglück in Spanien folgt die Suche nach der Ursache: Ermittler haben die Fahrdatenschreiber in den Wracks gefunden. Die Daten werden nun ausgewertet – und liefern hoffentlich Antworten.
Als wahrscheinlichste Ursache für das schwere Zugunglück in Spanien gilt bislang eine Verkettung menschlicher Fehlentscheidungen. Viele Menschen fragen sich: Wie kann es sein, dass ein Zug auf einen stehenden Hochgeschwindigkeitszug auffährt? Und was ist in den Minuten vor dem Unglück passiert? Antworten darauf dürften die Fahrdatenschreiber der beiden Züge liefern. Sie wurden jetzt aus den Wracks geborgen.
Die Aufzeichnungsgeräte registrieren wichtige Informationen über die Fahrten. Sie befinden sich nun in den Händen der Polizeieinheit Guardia Civil, wie die unabhängige Behörde für die Untersuchung von Unfällen (AITAT) Medienberichten zufolge mitteilte. Die Daten sollen demnächst ausgewertet werden.
Bei dem Unglück waren am Mittwochmorgen zwei Hochgeschwindigkeitszüge kollidiert: Ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe fuhr von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo auf. Mindestens 69 Menschen kamen ums Leben.
Genaue Geschwindigkeit noch unklar
Laut der Unfall-Untersuchungsbehörde ereignete sich der Zusammenstoß bei einer Geschwindigkeit, die auf 160 bis 200 Kilometer pro Stunde geschätzt wird. Das genaue Tempo werde man aber erst nach Auswertung der Aufzeichnungen kennen. Die Ermittlungen befänden sich in einem frühen Stadium. „Die Ergebnisse der Untersuchung werden zu gegebener Zeit im Abschlussbericht dargelegt werden“, teilte die Behörde mit.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen der Bahnleitstelle in Madrid. Medien veröffentlichten Mitschnitte des Funkverkehrs. Demnach wurde Lokführer eines Zuges von einem Mitarbeiter der Bahnleitstelle angewiesen, den „normalen Fahrbetrieb“ wieder aufzunehmen – obwohl das automatische Zugsicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und der andere Zug noch auf der Strecke stand.
König Felipe VI. will Aufklärung
Eine gründliche Untersuchung und dann auch Konsequenzen fordert der spanische König. „Die Ermittlungen müssen klären, warum und wie diese Katastrophe sich ereignet hat“, sagte Felipe VI. nach einem Besuch in einem Krankenhaus. Anschließend müssten Schritte ergriffen werden, um ähnliche Unglücke zu verhindern.
Die Behörden arbeiteten „Tag und Nacht“ daran, „jedes noch so kleine Detail dieser Tragödie aufzuklären“, versicherte Regierungschef Pedro Sánchez bei einem Besuch an der Unfallstelle. Er kündigte eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an, „um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder geschieht“. Das Unglück ereignete sich einen Monat vor der vorgezogenen Parlamentswahl und könnte Sánchez‘ Chancen auf Wiederwahl schmälern.
