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Politik

Wie Deutschland und Norwegen in der Arktis kooperieren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.04.2026 • 10:23 Uhr

Raumfahrt, Polarforschung, Klimawissenschaft: Deutschland und Norwegen sind wissenschaftlich eng verbunden. Das zeigt die Reise der Bundesforschungsministerin Bär ans norwegische Tor zur Arktis.

Dominic Hebestreit

In einer warmen Daunenjacke steht Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) im Keller des norwegischen Polarinstituts in Tromsø. Ein kleiner Raum, weiße Wände und minus 20 Grad Kälte. Auf einem Tisch schneidet ein Apparat hauchdünne Scheiben aus armdicken Eisstangen.

Diese Eisbohrkerne stammen aus der Arktis. Für die Forscher sind sie ein riesiger Schatz. Denn Schicht für Schicht hat sich Schnee abgelagert und dabei Luft und andere Stoffe eingeschlossen. Die Proben liefern wichtige Erkenntnisse über den Klimawandel. Genauer gesagt über die Erderwärmung.

Deutsch-norwegische Partnerschaft

Neben der Ministerin steht Hajo Eicken, der neue Leiter des deutschen Alfred-Wegner-Instituts. Hier in Tromsø, eingerahmt von einer atemberaubenden Kulisse mit schneebedeckten Bergen am Wasser des Tromsøsund, forschen deutsche und norwegische Wissenschaftler gemeinsam an den Veränderungen in der Arktis. Die Polarregion ist wie ein Frühwarnsystem fürs Klima, beispielsweise den Anstieg des Meeresspiegels.

Für die CSU-Politikerin Bär ist diese Forschungszusammenarbeit ein Paradebeispiel für die Partnerschaft mit Norwegen. „Deutschland nimmt seine Verantwortung wahr – gemeinsam mit Partnern, die unsere Werte teilen, wie Norwegen“, so die Ministerin. Der Austausch beider Länder ist traditionell gut und er nimmt zu.

Gemeinsam ins All?

Das zeigt sich zwei Stunden später: Die deutsche Forschungsministerin und die norwegische Wirtschaftsministerin Cecile Myrseth unterzeichnen ein Abkommen über Ziele und Aufgaben einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur Raumfahrt.

Was zunächst spröde klingt, ist angesichts der aktuellen geopolitischen Lage bedeutsam. Vor wenigen Wochen hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre eine engere Zusammenarbeit bei der Raumfahrt vereinbart.

Beide Ministerinnen besiegeln das bei einem Treffen in der Firmenzentrale von Kongsberg Satellite Service. Das Unternehmen betreibt ein weltumspannendes Netzwerk aus Bodenstationen für Satelliten-Daten – das neue Gold in Zeiten globaler Krisen und angesichts des Wunsches nach mehr europäischer Unabhängigkeit.

Für Wissenschaftler ist es gleichermaßen interessant. Wichtige Satelliteninformationen etwa zur Erdbeobachtung fließen durch die Bodenstationen. „Die Zusammenarbeit mit Deutschland macht mir Hoffnung“, sagt Norwegens Wirtschaftsministerin Myrseth und betont die Langfristigkeit der anhaltenden bilateralen Partnerschaft. Norwegen ist kein EU-Mitglied, aber über Wirtschaftsabkommen eng verbunden mit der EU.

Idealer Startpunkt für Weltraummissionen

Das Abkommen und die engere Zusammenarbeit beider Länder kommen nicht von ungefähr. Norwegen bietet mit dem Raketenstartplatz auf der Insel Andøya einen Ort, der für Europas Raumfahrt wegweisend werden könnte.

Rund 1.000 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Oslo leben auf der Insel etwa 4.500 Menschen verstreut in kleinen Siedlungen entlang der Küstenlinie. Die Einwohner verfolgen die international wachsende Aufmerksamkeit für ihre Heimat vielfach mit Begeisterung. Wissenschaftlern bietet dieser Ort ideale Bedingungen. Das liegt vor allem am guten Zugang zu bestimmten Erdumlaufbahnen.

Von der Insel Andøya sollen europäische Satelliten ins All geschickt werden.

Arktis rückt in den Fokus

Von Andøya aus versucht das deutsche Unternehmen Isar Aerospace, kleinere Raketen in den Himmel zu bringen mit Satelliten an Bord, die immer wichtiger werden – nicht nur, aber vor allem für Europas militärische Sicherheit und für kommerzielle Dienste, etwa zur Telekommunikation.

Derzeit ist Europa vor allem auf das US-Unternehmen Space X des Milliardärs Elon Musk angewiesen. Diese Abhängigkeit wollen viele Länder, auch Deutschland, reduzieren und suchen nach Alternativen.

„Insgesamt stellen wir fest, dass die Arktis in den Fokus gerückt ist, nicht nur in wissenschaftlicher und ökologischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf Sicherheits- und Wirtschaftspolitik. Die Arktis ist eine Region in der Weltpolitik, und das nicht ohne Grund“, so Forschungsministerin Bär.

Auf der Insel Andøya ist ein einzigartiges Ökosystem aus Forschung und Raumfahrt entstanden. Teil davon ist das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn. Mit Partnern vor Ort hat das Institut eines der leistungsfähigen Radare aufgebaut. Anders als normale Radare kann es seinen Strahl schnell in viele Richtungen lenken, dank 433 Antennen, die einzeln gesteuert werden.

Bund und Länder finanzieren gemeinsam

Mit diesem Hochleistungs-Radar MAARSY können Winde und Strukturen in der Atmosphäre erforscht werden. Das ist nützlich für die Klimaforschung und unterstützt gleichzeitig bei Raketenstarts im ein Kilometer entfernten Space Port. Bund und Länder teilen sich die Finanzierung.

Ein großer Teil kommt neben dem Bund aus Mecklenburg-Vorpommern. Die zuständige Ministerin Bettina Martin (SPD) unterstreicht deswegen, „wie erfolgreich und relevant das gemeinsame Engagement von Bund und Ländern im Bereich der Polar- und Weltraumforschung ist“.

Große Hoffnungen liegen auf Andøya aktuell auf den Fortschritten beim Start einer Rakete. Isar Aerospace musste einen Versuch zuletzt abbrechen. Bei ihrem Besuch auf der Insel ist CSU-Politikerin Bär zuversichtlich: „Wir hoffen, dass der Start innerhalb der nächsten Wochen auch stattfinden kann.“

Das Wetter müsse passen, die Technik müsse funktionieren. Die Ministerin rechnet mit einem Termin noch im ersten Halbjahr. Die wissenschaftlichen Voraussetzungen scheinen jedenfalls dafür geschaffen.

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Dr. Heinrich Krämer
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