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Politik

Wie BASF vom Iran-Krieg profitieren könnte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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marktbericht

Stand: 30.04.2026 • 14:34 Uhr

Der Chemiekonzern BASF hat ein unerwartet solides Quartalsergebnis vorgelegt. Netto steigt der Gewinn, besonders das China-Geschäft wächst. Von der Nahost-Krise könnte das Unternehmen sogar profitieren.

Es sind harte Zeiten für die Chemie-Branche, eine der Schlüssel-Industrien Deutschlands. Teurer Strom belastet die energieintensive Industrie hierzulande stärker als in anderen Ländern, dazu kommt eine anhaltend schwächelnde Nachfrage und Wettbewerbsdruck auf dem Weltmarkt. All das hat auch Chemie-Riese BASF im ersten Quartal zu spüren bekommen.

Der Umsatz schrumpfte in den drei Monaten bis Ende März im Jahresvergleich um drei Prozent auf 16 Milliarden Euro, wie der DAX-Konzern vor seiner Hauptversammlung mitteilte. Zwar stiegen die verkauften Mengen leicht. Doch niedrigere Verkaufspreise und negative Währungseffekte, vor allem aus dem Dollar und dem chinesischen Renminbi, drückten auf das Ergebnis.

Mehr Nettogewinn dank Staatsgarantie

„In diesem anspruchsvollen Marktumfeld hat BASF Widerstandsfähigkeit bewiesen“, so Finanzvorstand Dirk Elvermann bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereinflüssen ging demnach um knapp sechs Prozent auf 2,36 Milliarden Euro zurück. Damit übertraf BASF die Erwartungen der Analysten, die mit noch schlechteren Zahlen gerechnet hatten. Die Aktie blieb nach den Zahlen nahezu unverändert.

Unter dem Strich stieg der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um knapp 15 Prozent auf 927 Millionen Euro. Dies hängt dem Finanzchef zufolge vor allem von einer Zahlung des Bundes aus Staatsgarantien für frühere Russlandaktivitäten der Tochter Wintershall DEA in Höhe von 800 Millionen Euro zusammen.

Engpässe bei Kunststoff, höhere Preise

BASF hält trotz der massiven Unsicherheiten durch den Iran-Krieg und steigender Ölpreise an seinen Jahreszielen fest. Der Chemie-Riese könnte von den Folgen des Konflikts aus Analystensicht sogar profitieren, denn anders als die chinesische Konkurrenz ist BASF nicht von Öl-Lieferungen vom persischen Golf abhängig. Durch die Sperrung der Straße von Hormus könnte es zudem zu weltweiten Engpässen bei Kunststoffen kommen, was das Unternehmen zur Anhebung der Verkaufspreise nutzen dürfte.

„Wir sind optimistisch für das zweite Quartal. Wir sehen in vielen unserer Geschäftsbereiche eine Preissetzungsmacht, die sich nun entfalten wird“, sagte Finanzchef Dirk Elvermann. Der Konzern profitiere in der aktuellen Krise von seiner globalen Aufstellung und lokalen Lieferketten.

Größe sei eine entscheidende Quelle der Widerstandsfähigkeit für BASF, so der Manager. „Bislang sehen wir in dieser Krise keine Lieferengpässe für uns.“ Die Produktversorgung sei auch für das zweite Quartal gesichert. Der Konzern verfügt über eine eigene Organisation für den internen Rohstoffhandel weltweit.

Wachstum vor allem in China

Während im ersten Quartal das Verkaufsvolumen in Nord- und Südamerika zurückging, konnte BASF das verkaufte Volumen im Asien-Pazifik-Raum steigern – allem voran in China mit einem Umsatzplus von gut 25 Prozent. Getragen werde das Wachstum vom neuen Verbundstandort Zhanjiang, der erst im März eröffnet wurde – begleitet von scharfer Kritik. Denn während der Konzern am Standort Ludwigshafen seit 2024 rund 2.800 Stellen gestrichen hat und ein umfassendes Sparprogramm am Stammsitz läuft, investierte BASF fast neun Milliarden Euro in das Megawerk in China.

Konzernchef Markus Kamieth verteidigte die Milliardeninvestition auf der Hauptversammlung. Der Konzern produziere dort ausschließlich für den lokalen Markt und verlagere keine Produktion aus Deutschland nach Asien. „Wenn wir Anlagen in Deutschland schließen, dann hat es vor allem mit der Marktentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu tun.“ BASF kämpft mit einer zu geringen Auslastung am Stammwerk Ludwigshafen.

Weitere Einschnitte in Ludwigshafen geplant

Aktionärs-Vertreter äußerten Kritik an dem neuen Werk und bezeichnete das Projekt als „sehr konzentrierte Wette“ auf eine Region. Union-Investment-Sprecherin Vanda Rothacker warnte vor Erpressbarkeit im Fall einer Eskalation um Taiwan, wenngleich der Schritt nach China ökonomisch vernünftig sei.

BASF investiert zugleich Milliardensummen in den Erhalt und die Entwicklung seines schwächelnden Stammwerks Ludwigshafen. Der Standort sei die Wiege von BASF und zentral für die Zukunft des Konzerns, sagte Vorstandschef Markus Kamieth auf der Hauptversammlung in Mannheim. „Deshalb ist es so wichtig, dass uns die Veränderung hier gelingt.“

An dem Standort werde es dennoch weitere Einschnitte in allen Bereichen geben. Bestimmte Dienstleistungen etwa bei Personal, Finanzen und Digitalisierung würden künftig verstärkt aus Indien kommen.

Der Chemiekonzern treibt unterdessen seinen tiefgreifenden Umbau weiter voran. Im Zentrum des Umbaus steht die Ausgliederung einzelner Sparten. Das Geschäft mit Fahrzeuglacken geht für 7,7 Milliarden Euro mehrheitlich an den Finanzinvestor Carlyle, wobei BASF mit 40 Prozent beteiligt bleibt. Die Agrarsparte soll 2027 an die Frankfurter Börse gebracht werden. So soll sich das Unternehmen künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

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